Im Interview: Harald Ullmann von Peta

Harald Ullmann Peta
© Harald Ullmann / PETA Deutschland e.V.

PETA Deutschland e.V. wurde Ende 1993 gegründet und ist eine Partnerorganisation von PETA USA, der mit über sechseinhalb Millionen Unterstützern weltweit größten Tierrechtsorganisation. Wir sprachen mit Harald Ullmann, Mitgründer und 2. Vorsitzender von PETA Deutschland e.V., über den Verein, aktuelle Kampagnen und die zukünftige Entwicklung der Fleischwirtschaft.

Wie „groß“ ist PETA heute nach 25 Jahren?

Wir haben mittlerweile knapp 100 Angestellte, die sich täglich für die Tiere stark machen. Mit über 1,5 Millionen Unterstützern sind wir die größte Tierschutzorganisation in Deutschland, die sich für die Rechte aller Tiere einsetzt.

Was haben Sie in den 25 Jahren bewirkt?

In einem Vierteljahrhundert konnten wir zahlreiche große und kleine Erfolge für die Tiere erkämpfen. Um einige Beispiele zu nennen: Nach der Veröffentlichung einer Recherche von PETA Asia über die Angora-Wollindustrie in Asien – 90 % der Angorawolle kommt aus China – haben H&M, C&A und viele andere Unternehmen beschlossen, keine Angora-Produkte mehr zu verkaufen. Nicht zuletzt aufgrund unseres Videomaterials über die Pelzproduktion in China gibt es ein Importverbot von Katzen- und Hundefellen nach Europa.

Auch im Bereich der Tierversuche konnten wir einiges bewegen: Zusammen mit den Wissenschaftlern unserer Schwesterorganisation konnten wir die europäischen Behörden davon überzeugen, im Rahmen des Tierversuchsprogramms auf bestimmte Chemikalien-Testreihen zu verzichten. Dadurch konnten über 4,4 Million Tiere gerettet werden. Darüber hinaus half PETA, den sogenannten TraumaMan in der medizinischen Fachwelt zu etablieren und dadurch unzählige Tiere vor Leid und Tod zu bewahren. Bei diesem hochtechnisierten Simulator handelt es sich um eine naturgetreue, atmende und blutende Abbildung des menschlichen Körpers mit lebensechten Haut- und Gewebeschichten, Rippen und inneren Organen. Am TraumaMan können angehende Ärzte chirurgische Eingriffe üben, ohne dass Tiere dafür gequält werden.

In der Unterhaltungsbranche konnten wir nach 48 Jahren „Stars in der Manege“ die ARD davon überzeugen, die tierquälerische Weihnachtssendung nicht mehr auszustrahlen. Darüber hinaus ist der Import von in der Wildnis gefangenen Elefanten in deutsche Zoos durch unser Zutun verboten. Im Bereich der tierischen Mitbewohner konnten wir die tierquälerischen Bedingungen aufdecken, unter denen sogenannte Kleintiere für den Handel gezüchtet werden; die Baumärkte Hagebau und OBI haben daraufhin beschlossen, den Verkauf der Tiere einzustellen. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich über 50.000 Menschen an OBI gewandt und gegen den Verkauf protestiert.

Nicht zuletzt konnten wir durch Recherchen und Aufklärungsarbeit dazu beitragen, die vegane Ernährung in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und zahlreiche Unternehmen dazu bringen, ihr Sortiment um vegane Fleischalternativen zu erweitern. Der weltgrößte Geflügelproduzent, Lohmann, der jahrelang unzulässige Amputationen wie das Abschneiden von Zehen und Kämmen von sogenannten Legehennenelterntieren durchführte, muss dank unserer dreijährigen Ermittlungen eine Rekordstrafe von EUR 100.000 zahlen. Das ist lediglich ein kleiner Ausschnitt unserer Erfolge im Kampf für die Tiere. Eine genaue Auflistung finden Sie unter https://www.peta.de/erfolge.

Welchen Einfluss hat PETA auf den stark wachsenden veganen Lifestyle gehabt?

Seit der Gründung von PETA USA im Jahre 1980 setzen sich alle Schwesterorganisationen für einen veganen Lebensstil ein, PETA Deutschland seit 25 Jahren. Wir waren die erste Organisation, die prominente Mitstreiter als Unterstützer gewinnen konnte, weil wir wussten, dass wir die Öffentlichkeit so dazu bewegen können, hinzuschauen und uns zuzuhören. Wir haben so das Thema Tierrechte und Veganismus in den Mainstream gebracht. Durch unsere Gespräche mit Unternehmen wie Rügenwalder Mühle und Wiesenhof haben wir außerdem mitgeholfen, die Entwicklung und den Vertrieb deren veganer Produkte voranzutreiben.

Welche „Promis“ werden PETA 2019 unterstützen?

Das ist noch ein gut gehütetes Geheimnis, aber tatsächlich werden wir dieses Jahr einige hochspannende Promikampagnen umsetzen. Ganz aktuell haben 35 Prominente einen Brief an die Oberbürgermeisterin von Köln unterschrieben. Sie setzen sich mit uns dafür ein, dass keine Pferde für Karnevalsumzüge missbraucht werden. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Hella von Sinnen, Kaya Yanar, Mario Barth, Ingo Appelt und Hugo Egon Balder. Mit Kai Wiesinger haben wir ein aufwändiges Kampagnenmotiv gegen die Haltung von Menschenaffen in Zoos realisiert, das den erfolgreichen Schauspieler halb als Menschen, halb als Schimpansen zeigt.

Welche Reichweiten erzielen Sie mit Ihren Kampagnen?

Im vergangenen Jahr hatten wir über 12 Millionen Besuche auf unseren Websites. Besonders gut lief unsere Kampagne gegen die Elefantenquälerei im Zoo Wuppertal, mit der wir alleine über unsere Websites fast 200.000 Menschen erreichen konnten. Auch unsere Petitionen schlagen hohe Wellen: So konnten wir beispielsweise gegen das Schreddern von männlichen Küken über 90.000 Unterschriften sammeln.

Über die sozialen Medien erzielten wir 2018 eine Gesamtreichweite von 203.093.621; mit der Kampagne gegen den Zoo Wuppertal erreichten wir über Facebook und Instagram rund 1,5 Millionen Menschen.

Wie positioniert sich PETA zu Clean Meat?

Bereits 2008 kündigte PETA USA an, ein Preisgeld von 1 Million Dollar an den Forscher zu zahlen, dem es gelingen würde, bis zum 30. Juni 2012 kommerziell verwertbares, im Labor hergestelltes Hühnerfleisch zu produzieren. Immer mehr Firmen investieren in die Produktion von „Fleisch“, für das keine Tiere gezüchtet, verstümmelt und im Schlachthof getötet werden müssen. Ich selbst käme mit Sicherheit auch ohne diese Produkte aus, aber PETA als Organisation unterstützt diesen Prozess, denn jede Mahlzeit entscheidet über Leben und Tod von Tieren.

Wann erwartet PETA den Fleisch-Peak?

Die Aufzucht von Tieren für den weltweiten Verzehr von Fleisch und anderen tierischen Produkten kann so nicht weitergehen. Die landwirtschaftliche Tierhaltung – und damit der Konsum tierischer Produkte – ist in hohem Maße für den Klimawandel verantwortlich. Wenn wir so weitermachen, zerstören wir unseren Planeten. Ich gehe davon aus, dass in naher Zukunft Clean Meat und andere pflanzliche Produkte den Markt beherrschen und wir einen substanziellen Rückgang in der konventionellen Agrarwirtschaft auf der Basis von Tieren zu verzeichnen haben werden.

Werden wir in 50 Jahren noch Tiere essen?

Es wird leider immer unvernünftige Menschen geben. Aber diese Menschen werden die Ausnahme sein. Ich bin überzeugt, dass in 50 Jahren kaum noch jemand Tiere essen oder in einer anderen Form ausbeuten wird.

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