Jack Bean: “Unser Ziel ist es, dass keinerlei Lebensmittel verschwendet werden.”

Jack Bean Gründer Mathijs Huis in 't Veld
© Jack Bean

Wenn Veganer auf die Speisekarten der Republik schauen, dann ist die Auswahl an Gerichten oft sehr beschränkt. Und selbst bei einer größeren Auswahl, müssen die Ansprüche an Nachhaltigkeit und Umweltschutz hinten an stehen. Eine Lösung hierfür bieten junge Start-ups wie die neue Restaurantkette  “Jack Bean” aus den Niederlanden. Hier bietet man den Gästen nicht nur rein pflanzliche Gerichte an, sondern legt zudem größten Wert auf Geschmack, Nachhaltigkeit und eine “no-waste-policy”. Wir haben Jack Bean Gründer Mathijs Huis in ‘t Veld einmal zu diesem neuen Konzept interviewt.

Ihr sagt: “Was Starbucks mit Kaffee gemacht hat, das machen wir mit pflanzlichem Essen”. Wie sieht euer Business-Modell aus?
Wir zielen darauf ab, eine pflanzliche Multi-Channel Food-Marke aufzubauen, die Menschen dazu inspiriert weniger tierisches und mehr pflanzliches Protein zu essen. In dieser noch jungen Startup-Phase fokussieren wir uns darauf, eine Fast-Cuisine-Restaurantkette aufzubauen. Zudem sehen wir derzeit auch sehr viel Potenzial in anderen Einzelhandelskanälen. Starbucks hat mithilfe ihren eigenen Lokalen Qualitäts-Kaffee dazu verholfen Mainstream zu werden und ist zudem auch im Supermarkt verfügbar. Das forcieren wir auch mit unserer Lebensmittelmarke.

Ihr habt bereits im März einen Prototyp für einen Pop-Up-Store durchgeführt. Wie verlief dieser Test?
Es war die perfekte Möglichkeit für uns um unser Menü mit einem sehr diversen Publikum zu testen. Wir hatten eine Menge Gäste, die eigentlich Fleisch essen und dennoch sehr interessiert daran waren unser Essen zu probieren. Und deren Reaktionen waren großartig. Die Leute mochten unsere Gerichte sehr und es waren sogar einige Kunden dabei, die nicht einmal gemerkt haben, dass unser Essen zu 100% pflanzlich ist. Das war eine wichtige Bestätigung für uns, dass die Leute für pflanzliche Gerichte offen sind – solange sie lecker, zugänglich und erschwinglich sind.

Und wie ging es dann für euch weiter?
Wir haben jüngst unsere erste Location in Rotterdam geöffnet. Man findet uns nun im belebten Business-Viertel gegenüber des Hauptbahnhofs.

Wie genau sieht die Zielgruppe für euer Konzept aus?
Jack Bean’s Zielgruppe sind Arbeiter und Geschäftsleute rundum das zentrale Viertel in Rotterdam. Zurzeit ist das Mittagsgeschäft unsere am stärksten frequentierte Zeit. Zudem merken wir, dass viele Menschen nach der Arbeit Essen bei uns rausholen, um es im Zug zu essen. Unsere Gäste lieben zudem, dass unser Essen erschwinglich ist und eine gesunde Alternative zu dem verfügbaren Essen im Umfeld bietet. Dabei spielt der Fakt, dass es rein pflanzlich ist, nur eine untergeordnete Rolle. Das ist etwas Gutes in unseren Augen.

Wie vermarktet ihr denn euer Restaurant und das Konzept?
Wir hatten direkt zu Beginn schon große Aufmerksamkeit von den lokalen Medien und hatten das Glück, dass wir eine Werbekampagne auf einem riesigen Fernsehbildschirm neben unserm Lokal laufen lassen durften. Zudem haben Instagram- und Facebook-Kampagnen ebenfalls dafür gesorgt, dass Jack Bean noch mehr Aufmerksamkeit erhält.

Habt ihr mit eurem Konzept in den nächsten drei Jahren auch eine Expansion geplant?
Wir haben zwei große Investoren mit an Bord und zusammen mit denen, fokussieren wir uns jetzt auf die Eröffnung von drei Restaurants und einer kommissarischen Küche in den Niederlanden. Neben Rotterdam denken wir dabei an Amsterdam und eventuell Utrecht oder Den Haag.

Wie schätzt ihr die Entwicklungen im Markt für rein pflanzliche Restaurants in den nächsten fünf Jahren ein – national und international?
Während unserer Marktforschung haben wir die europäischen Hotspots für pflanzliche Ernährung besucht. Hierzu zählen unter anderem Berlin und London. Wir haben dabei festgestellt, dass der Kundenstamm für pflanzliches Essen relativ gemessen viel höher ist als bei uns in den Niederlanden – Hier holen wir aber schon auf. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Veganer noch eine recht kleine Gruppe von Menschen sind. Um pflanzliches Essen zum Mainstream zu machen, brauchen wir daher größere Marken die qualitativ hochwertige, pflanzliche Menüs und Artikel anbieten. Ketten wir „Pret a Manger“ und Leon haben ein recht großes Angebot an vegetarischen und veganen Optionen in Großbritannien. Ich denke, dass wir ebenfalls solch authentischen Marken brauchen, die sich trauen sich einem 100% pflanzlichen Lebensmittelangebotes zu verschreiben. Und genau das hoffen wir mit Jack Bean zu erreichen und sind dabei sicher, dass mehr und neue innovative Marken in den nächsten Jahren es uns nachtun werden.

In eurem geschäftlichen Ablauf legt ihr Wert auf eine “no-waste-policy”. Warum und wie setzt ihr das bei Jack Bean um?
Mein Mitgründer Pepijn Schmeink ist ein bekannter nachhaltiger Koch mit einer Menge Erfahrung in der Reduktion von Lebensmittel-Abfällen. Bei Jack Bean wollen wir das auf ein ganz neues Level heben.  Unser Ziel ist es, dass keinerlei essbare Lebensmittel verschwendet werden. Unser “Ultimate Burger” ist dafür ein gutes Beispiel. Wir nutzen Bohnen und Getreide in unseren Bowls. Das Zuviel an Bohnen und Getreide wird am Ende des Tages in unseren Burgermix mit eingearbeitet. Auch fügen wir das Fruchtfleisch unserer frisch gepressten Säfte dort hinzu, welches ansonsten im Müll enden würde. Wie man sieht, besteht unser Burger Patty fast ausschließlich aus “übrig gebliebenen” Zutaten.

Eine besondere Herausforderung liegt in der Nutzung von Einweg-Gegenständen. Wo es nur geht, nutzen wir so viele kompostierbare Einweg-Gegenstände wie nur möglich. Das Problem ist jedoch, dass wir beim Außer-Haus-Essen nicht kontrollieren können, wie mit dem Müll umgegangen wird. Eine kompostierbare Box, die in den klassischen Hausmüll geworfen wird, wird dennoch auf normale Weise verbrannt und zählt somit als “Normalmüll” in unseren Augen – Da geht der nachhaltige Charakter leider verloren. In der nahen Zukunft wollen wir uns jedoch mit anderen Unternehmern in der Umgebung zusammenschließen um zum Beispiel die Kaffeebecher gemeinschaftlich zu sammeln und zu recyclen, um wenigstens das Problem der falschen Entsorgung eben dieser zu verhindern.

Wenn ihr einen Ratschlag geben dürftet, welcher wäre das für den Lebensmittel-Bereich. 
Mein Ratschlag und gleichzeitig die Hoffnung für den Lebensmittelsektor wäre, dass sie sich öfter mal trauen über die finanziellen Profite hinaus zu schauen. Besonders die großen Marken haben die Kraft um einen großen Unterschied für den Menschen und den Planeten zu machen. Ich hoffe, dass die Geschäftsleitungen und Aktionäre den Mumm haben, um größere Schritte in Richtung nachhaltiger, globaler Lebensmittelherstellung zu nehmen, als sie es bisher tun. Ich bin aber zuversichtlich, dass innovative Start-ups wie Jack Bean und viele weitere ihnen beim Wandel helfen können. Wir müssen ihnen nur zeigen, dass „Gutes tun“ auch ein interessantes Geschäftsmodell sein kann.