Nachhaltigkeit

Die Niederlande aktualisieren ihre nationalen Ernährungsempfehlungen: Weniger Fleisch und Milch, mehr Hülsenfrüchte

Das niederländische Ernährungszentrum hat eine aktualisierte Fassung des „Schijf van Vijf“, der nationalen Ernährungsrichtlinie, veröffentlicht, in der pflanzliche Lebensmittel stärker in den Vordergrund gerückt und die empfohlenen Mengen an Fleisch und Käse zum ersten Mal seit Jahren reduziert wurden.

Mehr Hülsenfrüchte, weniger Fleisch und Käse

Die in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) überarbeiteten Leitlinien legen neue Mengenziele für Erwachsene im Alter von 18 bis 50 Jahren fest. Der empfohlene Verzehr von Hülsenfrüchten steigt von zuvor 120 bis 180 g auf 250 g pro Woche. Der Fleischkonsum wird von 500 g auf 300 g pro Woche begrenzt, wobei rotes Fleisch auf 100 g beschränkt und der Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten auf ein Minimum reduziert wird. Die tägliche Käseempfehlung sinkt von 40 g auf 20 g, und die Leitlinien raten nun dazu, zwischen Milchprodukten und angereicherten pflanzlichen Alternativen abzuwechseln.

„Gesundheit, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit sind untrennbar miteinander verbunden“

Methodik berücksichtigte auch Umweltkennzahlen

Die zugrunde liegende Methodik berücksichtigte neben dem Nährstoffbedarf auch Umweltkennzahlen wie Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch sowie die Belastung durch Schadstoffe wie PFAS und Schwermetalle. Das Ernährungssystem ist für rund 30 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich und ein Hauptverursacher des Verlusts an biologischer Vielfalt, Faktoren, die in die Neufassung der Leitlinien eingeflossen sind.

Petra Verhoef, Direktorin des Niederländischen Ernährungszentrums, sagte: „Gesundheit, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit sind untrennbar miteinander verbunden. Alle berechneten Ernährungsmuster sind so gesund wie möglich, haben geringe Auswirkungen auf die Umwelt und berücksichtigen Sicherheitsgrenzwerte. Auf diese Weise sorgen wir nicht nur gut für uns selbst, sondern auch für die Welt um uns herum und für künftige Generationen.“

The netherlands nutrition centre
© The Netherlands Nutrition Centre

Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Verbraucherverhalten

Der aktualisierte Leitfaden behält die fünf bekannten Lebensmittelgruppen bei, die den „Schijf van Vijf“ seit 1953 prägen, wobei Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte weiterhin im Mittelpunkt stehen. Das Zentrum räumt ein, dass die tatsächlichen Ernährungsgewohnheiten oft erheblich von den nationalen Empfehlungen abweichen.

„Jeder ernährt sich anders. Was wir mögen, unsere Gewohnheiten, unsere Kultur, aber auch ein ungesundes Umfeld spielen dabei eine große Rolle. Wir wissen, dass es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt. Unsere Aufgabe ist es, diese Lücke zu schließen, ohne dabei die wissenschaftlichen Erkenntnisse außer Acht zu lassen“, erklärte Liesbeth Velema, Verhaltensexpertin am Zentrum.

Um die individuelle Umsetzung zu unterstützen, bietet das Zentrum das Tool „Schijf van Vijf voor jou“ an, das auf der Grundlage von Alter, Geschlecht und Ernährungsgewohnheiten personalisierte Ernährungsempfehlungen erstellt, darunter auch vegetarische und rein pflanzliche Optionen.

The netherlands nutrition centre
© The Netherlands Nutrition Centre

Teil eines politischen Kurswechsels

Der aktualisierte Ernährungsleitfaden erscheint zu einem bedeutenden Zeitpunkt für die niederländische Ernährungspolitik. Am 1. Mai 2026 trat in Amsterdam das Verbot von Fleischwerbung im öffentlichen Raum in Kraft, ein Teil des Ziels der Stadt, bis 2050 einen Anteil von 50 % pflanzlicher Ernährung zu erreichen. Die nationalen Leitlinien und die lokalen politischen Maßnahmen gehen in die gleiche Richtung, wenn auch über unterschiedliche Mechanismen.

Dem Zentrum ist zudem bewusst, dass individuelle Beratung ihre Grenzen hat. Verhoef wies darauf hin, dass Regierungen, Hersteller und Anbieter eine große Verantwortung dafür tragen, gesunde und nachhaltige Optionen für die breite Bevölkerung zugänglicher und erschwinglicher zu machen.

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