Schweizer Studie: Immer mehr Leute ernähren sich flexitarisch

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Neue Ernährungstrends spielen in der täglichen Medienberichterstattung eine grosse Rolle. Industrie, Handel und Restaurantbetriebe reagieren mit Innovationen. Das kommt im Lebensmittelangebot zum Ausdruck: Gesundheit, Geschmack, Preis und Genuss erfahren dabei eine neue Bewertung. Aber auch der Ort, an dem die Menschen essen, verändert sich stark. Viele Restaurants und andere stationäre Anbieter müssen ihr Geschäftsmodell überdenken, wie eine Studie des Forschungszentrums für Handelsmanagement an der Universität St.Gallen (IRM-HSG) zeigt.

 Professor Thomas Rudolph und sein Team am Forschungszentrum für Handelsmanagement der Universität St.Gallen haben das Essverhalten der Schweizer Bevölkerung untersucht. Zum fünften Mal (nach 2003, 2005, 2008 und 2014) wurden 2019 über 800 Konsumentinnen und Konsumenten in der Deutschschweiz zu ihren Esspräferenzen befragt, um die aktuellen Entwicklungen aus Verbrauchersicht zu beleuchten. Die Studie beschreibt den Status Quo für das Essverhalten, sowie die wichtigsten Trends auf dem Food-Markt und weist auf Lücken zwischen dem derzeitigen Angebot und den Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten hin.

Essen wird immer wichtiger

Die Auswertung der Studie hat ergeben, dass für 91% der Befragten die Ernährung ein eher wichtiges bis sehr wichtiges Thema ist (+13% gegenüber 2014). Die Zufriedenheit mit der eigenen Ernährung ist jedoch im Vergleich zu 2014 gesunken. Hauptgründe sind weiterhin mangelnde Selbstdisziplin und fehlende Zeit. Low Carb und High Protein Diäten gewinnen an Beliebtheit. Anstatt sich strikt vegetarisch oder vegan zu ernähren, entwickeln sich immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten zu Flexitariern. 2019 sind die drei beliebtesten Diäten High Protein (13% der Befragten ernähren sich danach), Vollwert-Ernährung (11%) und Low Carb (9%). Anstatt Diäten oder Diät-Produkten blind zu vertrauen, setzen die Befragten sich selbst mit der eigenen Ernährung auseinander und entwickeln persönliche Ernährungsweisen.

Verpflegung am Arbeitsplatz wird beliebter

Die Konsumentinnen und Konsumenten essen ihre Mahlzeiten immer häufiger ausser Haus. Frühstück und Mittagessen werden im Vergleich zu 2014 immer seltener zuhause eingenommen:
Das Frühstück unterwegs und am Arbeitsplatz nimmt an Beliebtheit zu; das Mittagessen nehmen immer mehr der Befragten in der Kantine und am Arbeitsplatz ein.

Regionale Produkte sind weiter hoch im Kurs

Die Beliebtheit von regionalen Produkten nimmt immer weiter zu: 68% der Befragten geben an, häufig Lebensmittel aus ihrer Region zu kaufen. Damit rangieren regionale Produkte nach gesunden Produkten auf Platz 2 der am häufigsten gekauften Lebensmittel. Die Konsumentinnen und Konsumenten wünschen sich beim Kauf von Lebensmitteln in erster Linie einen Wertzuwachs in Form von Mehrwert, Qualität und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis – günstige Lebensmittel liegen abgeschlagen auf dem letzten Platz. Der Preis allein ist das am seltensten genannte Kaufkriterium und wird von nur 16% der Befragten als besonders relevant erachtet. Auch bei der Frage nach Hindernissen auf dem Weg zu einer besseren Ernährung scheint fehlendes Geld kein entscheidender Faktor zu sein.

Das zunehmende gesellschaftliche Nachhaltigkeitsbewusstsein hat die Ernährung von 36% der Befragten in den vergangenen zwei Jahren verändert. Produkte aus nachhaltiger Herstellung sind auf Platz vier der häufig gekauften Produkte und werden von 50% der Konsumentinnen und Konsumenten regelmässig gekauft.

Apps beeinflussen die Ernährung

Apps sind von Rang 10 im Jahre 2014 der zu Rate gezogenen Informationsquellen auf Rang 5 gesprungen. Der wahrgenommene Einfluss von Apps auf das eigene Essverhalten variiert mit dem Alter: von den unter 30-Jährigen geben 15% der Konsumentinnen und Konsumenten an, in den vergangenen zwei Jahren von Apps beeinflusst worden zu sein, während es unter den über 30-Jährigen nur 7% sind. 15% der Befragten haben bereits Lebensmittel online bestellt und zu sich nach Hause liefern lassen — unter den 31-40-Jährigen sind es sogar über 20%. Weitere 39% können sich vorstellen, dieses Angebot künftig zu nutzen. Auch andere Formen der Online-Bestellung von Lebensmitteln – wie das Abholen in der Filiale oder Kochboxen im Abo – kommen für 26% bzw. für 18% der Konsumentinnen und Konsumenten in Frage.

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