85% aller Deutschen sind für eine CO2e-Kennzeichnung auf Lebensmitteln

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© Yvonne Weis - stock.adobe

Eine neue Studie zu Ernährung und Klima zeigt, dass weniger als 10% der Deutschen mit der aktuellen Klimapolitik der Bundesregierung zufrieden sind. Laut der Studie schreiben sich die deutschen Bürger*innen zudem eine hohe Eigenverantwortung bei der Rettung unseres Klimas zu. Im Konsum von Lebensmitteln steckt eine der einfachsten und, global gesehen, eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten zur individuellen Einsparung von Treibhausgasemissionen. Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass die Verbraucher*innen die Klimabilanz von Lebensmitteln potenziell in ihre Kaufentscheidungen einfließen lassen würden, ihnen aber aktuell das Wissen fehlt, um klimafreundliche Lebensmittel auszuwählen. Der Haferdrink-Hersteller Oatly setzt sich nun für mehr Bewusstsein in diesem Bereich ein.

Das Recht zu wissen, welche Lebensmittel klimafreundlich sind

Im Durchschnitt verursacht jeder Deutsche pro Jahr 1,75 Tonnen klimarelevante Emissionen durch seinen persönlichen Lebensmittelkonsum – das entspricht in etwa den Emissionen aus dem Mobilitätssektor. Laut einer wissenschaftlichen Studie sollte man diese Pro-Kopf-Emissionen auf etwa 0,6 Tonnen begrenzen, sprich deutlich mehr als halbieren. In Bezug auf Lebensmittel fühlt sich jedoch nur eine kleine Minderheit der Deutschen (9%) gut über die Auswirkungen auf das Klima informiert; mehr als die Hälfte fühlt sich sogar schlecht oder gar nicht informiert. Insbesondere die überproportional hohen Auswirkungen von Fleisch- und Milchprodukten sind noch wenig bekannt. So verursacht beispielsweise Butter (ca. 7kg CO2e/kg) mehr als sechsmal soviel Treibhausgasemissionen im direkten Vergleich zu Margarine (1,1 kg CO2e/kg).

Die Studienergebnisse zeigen außerdem, dass 85% der Deutschen gern den Klima-Fußabdruck von Lebensmitteln auf einen Blick auf der Verpackung sehen wollen – so wie es bei Zutaten und Nährwerten schon der Fall ist. Über 75% sehen es sogar als ihr Recht als Verbraucher an, über die Klimaauswirkungen der verschiedenen Lebensmittel informiert zu werden. Und über 80% der Befragten sehen die Verantwortung, den Klimawandel zu stoppen, nicht allein bei der Politik, sondern auch bei sich selbst als Bürger*innen.

Allein die Aufklärung über die klimaschädlichsten Lebensmittel in unseren Kühlschränken könnte einen erheblichen Einfluss haben. Denn fast 60% der Deutschen geben an, dass ein ausgewiesener CO2e-Fußabdruck auf der Verpackung bei der Kaufentscheidung sehr helfen würde. Demzufolge steckt in der Angabe der Klimabilanz auf Lebensmitteln enormes Potential: Für den informierten Konsumenten ist es womöglich einer der entscheidenden Hebel, um zur Verlangsamung des Klimawandels beizutragen.

Oatly fordert eine transparente Klimakennzeichnung auf Lebensmitteln

Der Haferdrink-Hersteller Oatly hat kürzlich damit begonnen, den Klima-Fußabdruck seiner Produkte auf die Verpackungen zu drucken. Das unabhängige wissenschaftliches Institut CarbonCloud ermittelt für Oatly alle über den gesamten Produktionslebenszyklus verursachten Treibhausgasemissionen in Kohlenstoffdioxidäquivalenten – von der Ernte bis zum Supermarkt und individuell für jedes einzelne Produkt.

Aktuell ist es für Konsumenten fast unmöglich, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, wenn nur wenige Informationen über die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln verfügbar sind. Oatly sieht sich als Unternehmen in der Verantwortung, den CO2e-Fußabdruck seiner Produkte für die Verbraucher*innen transparent zu machen. Das Unternehmen möchte damit auch die Erwartungen an sich selbst hochhalten und seine eigene Klimabilanz kontinuierlich verbessern. “Wir hoffen, dass andere Hersteller auch diesen Weg einschlagen werden, denn der Wert der verursachten Treibhausgasemissionen von Lebensmitteln hilft Verbrauchern nur dann, wenn sie ihn einschätzen und mit anderen Optionen vergleichen können”, sagt Tobias Goj, General Manager Oatly DACH.

Weniger als die Hälfte der Deutschen glaubt jedoch daran, dass die Lebensmittelindustrie ihre Klimabilanz freiwillig offenlegen wird. Fast zwei Drittel der Deutschen wünschen sich daher, dass die Bundesregierung die Lebensmittelhersteller dazu verpflichtet, ihren Klima-Fußabdruck anzugeben7. “In einem nächsten Schritt werden wir diesen Verbraucherwunsch direkt an die Bundesregierung adressieren…”, sagt Tobias Goj.

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