acatech-Studie zeigt: Deutsche sind noch skeptisch gegenüber Laborfleisch

Laborant untersucht invitro-Fleisch im Labor
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Was die Deutschen über Technik denken – das untersucht das TechnikRadar von acatech und der Körber-Stiftung seit 2018. In ihrer dritten Ausgabe fragt die repräsentative Studie in diesem Jahr schwerpunktmäßig ab, was die Deutschen über „Bioökonomie“ denken. Der Begriff bezieht sich auf neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen, die fossile durch biologische Ressourcen ersetzen oder biologisches Wissen nutzen, um zu einem nachhaltigeren und zukunftsfähigen Wirtschaftssystem beizutragen.

Einer der aktuell boomenden bioökonomischen Wirtschaftsbereiche ist die Produktion von Nahrungsmitteln und hier insbesondere die noch junge Clean Meat Industrie. Obwohl den Verbrauchern bislang noch keines dieser kultivierten Fleischprodukte im kommerziellen Maßstab zur Vergügung steht, gibt es rasante Fortschritte in der Forschung und Entiwicklung dieser Innovationen. Die überwiegend von jungen Start-ups dominierte Clean Meat Industrie wird daher auch für Investoren immer attraktiver, die in dieser Biotechnologie die Zukunft der Ernährung mit Fleisch sehen. In Deutschland selbst spielen kultivierte Nahrungmittel bei etablierten und neuen Lebensmittelherstellern bislang noch keine große Rolle.

44,6 % der jungen gebildeten Deutschen können sich Laborfleisch als Fleischersatz vorstellen

Wie zu erwarten war, stehen die Deutschen dem Thema Laborfleisch skeptisch gegenüber, so das Ergebnis einer Studie der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung. Hier wartet noch ein intensives Stück Überzeugungsarbeit für Unternehmen, die diese Produkte auf den Markt bringen wollen.

technik radar acatech kölber
© acatech / Körber-Stiftung

63,6% der Befragten lehnen die Aussage eher oder stark ab, Laborfleisch sei »eine gute Sache« und 15,7% der Befragten sehen Laborfleisch positiv oder eher positiv. Auch bei den weiteren Statements offenbart sich eine deutlich skeptische Haltung gegenüber synthetischem Fleisch: An erster Stelle befürchten die Befragten die Entfremdung von der Nahrungsmittelherstellung vor Zweifeln am Lösungsversprechen dieser biotechnischen Anwendung für die Welternährung und einer ethisch vertretbaren Substitution von Fleisch. Am wenigsten reserviert stehen die Befragten potenziellen Gesundheitsrisiken gegenüber.

Bei der Wahrnehmung von Laborfleisch lassen sich deutliche Differenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen feststellen. Diese beziehen sich sowohl auf das Gesamturteil zu Laborfleisch als eine »gute Sache«, als auch auf die verschiedenen abgefragten Einstellungen zu gesundheitsbezogenen Effekten, zu einem möglichen globalen Lösungsansatz und zu Laborfleisch als ethisch unbedenklichem Substitutionsprodukt.

Aus den Daten geht hervor, dass die hohen Ablehnungsquoten von Laborfleisch insbesondere durch weibliche Befragte mittleren und höheren Lebensalters bedingt sind. Mehr Sympathie genießt Fleisch aus dem Labor bei jüngeren, besser gebildeten Personen, insbesondere bei Männern. Je etwa drei Viertel der Frauen der mittleren (74,4%) und höheren Altersgruppe (76,3%) lehnen Laborfleisch ab. Der Technologie am aufgeschlossensten stehen jüngere Männer (31,8%) gegenüber.

Der Substitutionsidee von Laborfleisch folgen beinahe die Hälfte der jüngeren und besser gebildeten Befragten (44,6%). Von älteren, geringer gebildeten Personen wird Laborfleisch als ethisch vertretbare Alternative oftmals abgelehnt (71,1 %). Jugend und Bildung sind typisch für Early Adopters, Menschen, die offen sind für neue Technologien und Produkte, wohingegen ältere Personen eher Zurückhaltung üben. Auf das Lösungsversprechen, mit Laborfleisch die Ernährungsproblematik bewältigen zu können, setzen gleichfalls vor allem jüngere Befragte. In der Altersgruppe von 16 bis 35 Jahren stimmen 38,5% der Männer, aber nur 24,9% der Frauen der Substitutionsidee zu (Abbildung 24). Hingegen erweisen sich Frauen über 35 Jahren als besonders skeptisch und vor allem Frauen über 65 Jahren sehen als Lösung mehrheitlich den Fleischverzicht.