Studie: Gesunde pflanzliche Ernährung verringert langfristige Gewichtszunahme

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Wie eine aktuelle US-Studie zeigt, beeinflusst die Art der Ernährungsweise den Langzeitverlauf des menschlichen Körpergewichts. Die Einhaltung einer hochwertigen, pflanzenbasierten Ernährung führt dabei zu einer wesentlich geringeren Gewichtszunahme als Mischkost oder ungesunde vegane Ernährung.

Hat eine vegane Ernährung per se einen positiven Effekt auf unser Körpergewicht?

Diese Frage stellten sich Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health. In einer aktuelle Studie untersuchten sie daher Daten von nahezu 127.000 Erwachsenen. Die Studienergebnisse wurden nun im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.

Die Datenbasis bildeten drei laufende prospektive US-Kohortenstudien: die Nurses’ Health Study (NHS), die Nurses’ Health Study 2 (NHS2) sowie die Health Professionals Follow-Up Study (HPFS). Die Wissenschaftler analysierten die Gewichtsveränderungen der Studienteilnehmer über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Das Körpergewicht und das Ernährungsverhalten der Probanden wurde alle vier Jahre erfragt.

Die Forscher teilten die von den Studienteilnehmern verzehrten Lebensmittel in drei Kategorien ein:

  1. gesunde pflanzliche Lebensmittel (Vollkorn, Gemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte, Pflanzenöle, Tee/Kaffee),
  2. weniger gesunde pflanzliche Lebensmittel (Fruchtsäfte, gesüßte Getränke, raffinierte Körner, Kartoffeln, Süßigkeiten) und
  3. tierische Lebensmittel (Butter/Schmalz, Milchprodukte, Eier, Fisch/Meeresfrüchte, Fleisch, sonstige tierische Lebensmittel).

Je nach Verzehrshäufigkeit der pflanzlichen Lebensmittel wurden die Probanden dann anhand eines pflanzlichen Ernährungsindex eingestuft. Um die Ausgangsfrage nach dem Effekt einer veganen Ernährung noch genauer beantworten zu können, wurde der pflanzliche Ernährungsindex in zwei Gruppen unterteilt: eine gesunde pflanzliche Ernährung und eine ungesunde pflanzliche Ernährung (s.o.).

Vegane Ernährung – auf das “wie” kommt es an

Durchschnittlich nahmen die Studienteilnehmer alle vier Jahre 1-2 kg zu. Je nach Ernährungsmuster waren jedoch deutliche Unterschiede zu erkennen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Probanden innerhalb von vier Jahren 0,04 kg weniger zunahmen, wenn sie den Index für pflanzliche Ernährung erhöhten. Der Index für gesunde pflanzliche Ernährung war mit einer noch geringeren Gewichtszunahme verbunden – Probanden nahmen innerhalb von vier Jahren 0,68 kg weniger zu. Ein völlig anderes Bild zeigte sich bei ungesunder pflanzliche Ernährung: hier nahmen Probanden innerhalb von vier Jahren 0,36 kg mehr zu.

Insgesamt gesehen wurde die Gewichtszunahme also umso stärker verlangsamt, je mehr pflanzliche Lebensmittel verzehrt wurden. Oder anders gesagt:”Schon ein geringfügig niedrigerer Verzehr von tierischen Produkten war mit einer wesentlich niedrigeren Gewichtszunahme über vier Jahre verbunden.”, so die Autoren. Jedoch muss bei der veganen Ernährung auf vollwertige, gesunde Produkte geachtet werden, um von diesem positiven Effekt profitieren zu können. Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass bereits kleine Anpassungen im Ernährungsmuster Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung des Körpergewichts haben können.

Kohortenstudien

Die vorliegende Studie basiert auf Daten von drei Kohortenstudien. Bei Kohortenstudien handelt es sich um analytische Beobachtungsstudien, die retrospektiv oder prospektiv durchgeführt werden können. Untersucht werden zwei oder mehrere Gruppen, die unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt sind. Das Studiendesign ermöglicht es somit, mehrere Faktoren und deren Auswirkungen gleichzeitig zu untersuchen. Zwar können durch Kohortenstudien keine kausalen Zusammenhänge ermittelt werden, die Studien liefern jedoch wichtige Hinweise auf Zusammenhänge zwischen bestimmten Faktoren und z.B. dem Auftreten von Krankheiten, da eine klare zeitliche Abfolge zwischen Exposition (hier: Ernährungsweise) und Erkrankung bzw. Merkmal (hier: Gewichtszunahme) besteht. Kohortenstudien spielen in der Ernährungswissenschaft eine große Rolle, da sie kosteneffizienter und in der Regel weniger aufwändig sind als experimentelle Interventionsstudien und zudem größere Studienpopulationen untersuchen können.

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