Balenciaga hat im Rahmen seiner Frühjahrskollektion 2026 Kleidungsstücke aus den biotechnologisch hergestellten Seidenproteingarnen von AMSilk vorgestellt. Die Kleidungsstücke – ein weißes Hemd mit Kragen und ein schwarzes Hemdkleid – sind ab sofort in ausgewählten Geschäften und online erhältlich. Dies ist das erste Mal, dass das neuartige Material von AMSilk in kommerziell erhältlichen Modeprodukten verwendet wird.
Die in Deutschland entwickelten Garne von AMSilk werden durch mikrobielle Fermentation unter Verwendung von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Bei diesem Verfahren werden Proteine auf Basis der DNA von Spinnenseide repliziert, die dann polymerisiert und zu Garnen mit einer ähnlichen Textur und Optik wie traditionelle Seide versponnen werden.
Ulrich Scherbel, CEO von AMSilk, erklärt: „Zu sehen, wie unser Material über eine globale Luxusmarke die Verbraucher erreicht, ist ein entscheidender Moment für AMSilk. Diese Anwendung zeigt, dass bioengineerte Materialien nicht mehr experimentell sind. Sie sind bereit für anspruchsvolle industrielle Umgebungen und die reale Markteinführung.“
Leistungsanforderungen an herkömmliche Seide
Die Kleidungsstücke sind so konzipiert, dass sie wie herkömmliche Seide funktionieren und gleichzeitig verbesserte Eigenschaften wie Elastizität und Knitterfreiheit bieten. Das Material ist zertifiziert mikroplastikfrei, vollständig biologisch abbaubar und vegan. Es wurde von der Vegan Society zugelassen und vom Hohenstein Textilprüfungsinstitut auf Hautverträglichkeit getestet.

Laut AMSilk verbraucht der Produktionsprozess 97 % weniger Wasser und verursacht 81 % weniger CO₂-Emissionen als die Herstellung herkömmlicher Seide. Diese Effizienz wird durch den Einsatz präziser Fermentation erreicht und ist nicht auf Tierhaltung oder fossile Rohstoffe angewiesen.
Seide auf molekularer Ebene entwickeln
Die Garne von AMSilk werden mithilfe von DNA-Editierung und Protein-Engineering-Technologien hergestellt. Inspiriert von den mechanischen Eigenschaften der Spinnenseide haben Wissenschaftler Bakterien so verändert, dass sie Seidenproteine in großem Maßstab produzieren. Diese Proteine werden in textile Garne umgewandelt, die für etablierte Fertigungssysteme geeignet sind.
Um die Produktion im kommerziellen Maßstab zu unterstützen, hat AMSilk kürzlich seine Partnerschaft mit dem Chemieunternehmen Evonik erweitert. Eine spezielle Fertigungslinie im slowakischen Biotech-Werk von Evonik wird das hochleistungsfähige Seidenprotein mittels Präzisionsfermentation liefern.
Balenciaga ist das erste Modelabel, das die bioengineerte Seide von AMSilk in Kleidungsstücken für den Einzelhandel verwendet. Die Zusammenarbeit folgt auf mehrere Pilotprojekte in anderen Branchen, stellt jedoch eine Verlagerung hin zu einer breiteren Anwendung in der Modeherstellung dar.






