Bleed Clothing: “Unser Anspruch ist es, immer wieder mit neuen Innovationen zu punkten.”

Michael Spitzbarth: Gründer des veganen Modelabels "bleed clothing"
© Michael Spitzbarth – bleed clothing GmbH
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Die weltweiten veganen Entwicklungen beschränken sich schon lange nicht mehr nur auf den Lebensmittelsektor. Auch die Mode-Industrie wird stets veganer und Nachrichten über mehr vegane Mode-Labels, alternative Materialien und einer steigenden Nachfrage nach öko-fairer Kleidung werden laut. Bereits seit 10 Jahren folgt das Team von “bleed clothing” diesem Kurs und möchte mit seinem tierleidfreien Konzept die Modewelt verändern. Wir haben im Interview mit dem Gründer Michael Spitzbarth mehr über bleed und die veganen Mode-Entwicklungen erfahren.

Wie ist die aktuelle Situation bei Ihnen im Unternehmen?
Die aktuelle Situation bei bleed ist super! Wir feiern dieses Jahr unser 10-jähriges Bestehen und sind nach den harten Anfangsjahren sehr froh, dass wir uns mittlerweile als Pioniere der Eco-Streetwear einen festen Platz in der Fashion-Branche erkämpfen konnten.

Welche Vertriebskanäle nutzen Sie derzeit für die Vermarktung?
Man kann bleed neben unserem eigenen Online-Store natürlich auch bei anderen Retailern bekommen. Sehr stark sind wir hier natürlich in der ökofairen und veganen Szene aufgestellt, sind aber gerade dabei, uns auch im Outdoor- und Sportswear-Bereich besser zu positionieren und konnten hier auch starke online Partner wie z.B. Bergfreunde.de für unser Konzept gewinnen!

Zudem ist sicher noch unser stationärer Werksverkauf am Standort Helmbrechts/Oberfranken zu erwähnen. Anfangs als Versuchsobjekt gestartet können wir hier enorme Zuwächse von 40 Prozent pro Jahr feststellen und das obwohl online so stark auf dem Vormarsch ist! Uns freut es auch sehr, dass wir in der ländlichen Region Impulse setzen können und zusätzlich gewinnen wir hier durch sehr viel Feedback Ideen für unsere zukünftigen Kollektionen.

Wie schätzen Sie den Markt für vegane Kleidung ein?
Im Bereich der veganen bzw. tierleidfreien Kleidung ist noch sehr viel zu tun. Die meisten Konsumenten denken, dass es reicht, einfach Kleidung aus synthetischen oder pflanzlichen Fasern zu kaufen. Nur leider ist das ein Trugschluss, wenn man sieht wie z.B. bei konventioneller Baumwolle mit hochgiftigen Pestiziden und Herbiziden hantiert wird, die nicht nur auf den Feldern, sondern auch im Grundwasser landen! In den Färbereien geht der toxische “Spass” dann weiter und der Impact auf Tier, Natur und Mensch ist immens! Hier ist also für alle Beteiligten (Hersteller, Presse, Läden etc.) noch viel Kommunikation notwendig um den Konsumenten aufzuklären!

Was ist denn das Besondere an bleed?
Das Besondere neben unserem ökologischen und tierleidfreien Konzept war schon immer der innovative Einsatz von alternativen Materialien. Gerade in der Öko-Branche ist der inflationäre Einsatz von Bio-Baumwolle allgegenwärtig, aber man muss bei nicht mal ein Prozent der Anbauflächen unter biologisch-dynamischen Gesichtspunkten, sicher auch über andere Materialien nachdenken. Zum einen sind hier für uns vor allem die “alten” Naturfasern, wie Leinen und Hanf extrem wichtig, da sie schnell nachwachsen und auch funktionale Aspekte bieten. Zum anderen braucht es in der Textilbranche dringend Recycling-Kreisläufe, um das Müll- und Plastikproblem zu bekämpfen. So haben wir mit SYMPATEX und Climate Partner eine Outdoorjacke komplett aus recycelten Materialen entwickelt, die zudem noch komplett klimaneutral hergestellt ist!

Welche neuen veganen Materialien sind gerade besonders im kommen?
Tatsächlich sind es besonders – wie oben schon kurz erwähnt – die alten Naturfasern, die ein Revival erleben. Die Fasern sind zwar sehr teuer, aber in punkto Langlebigkeit und Funktionalität kaum zu überbieten! Was für uns noch hinzukommt, ist der Markt für Accessoires. Hier geht es vor allem um Alternativen zu Leder. Hier setzen wir seit vielen Jahren auf die portugiesische Korkeiche, die uns mit besten nachwachsenden Rohstoffen versorgt. Ganz neu im Programm ist eine Linie aus Jacroki®, das sind Geldbeutel und Gürtel die zum größten Teil aus Altpapier hergestellt sind und eine extrem haltbare Alternative bieten!

Es kommen immer mehr vegane Mode-Labels mit speziellen Materialien auf den Markt. Wie schaffen Sie es, sich gegen die Konkurrenten zu behaupten?
Unser Anspruch ist es immer wieder mit neuen Innovationen zu punkten und auch im Design immer neue Impulse zu setzen. Des Weiteren ist es uns ein großes Anliegen, fundierte Aufklärungsarbeit über die Modebranche zu leisten und dem Kunden die Möglichkeit zu bieten, tiefste Einblicke in unsere Lieferkette und unser gesamtes Unternehmen zu bekommen. So konnten wir schon in den vergangenen Jahren eine solide Fan-Base aufbauen, die uns auch weiterhin das Wirtschaften aus eigener Kraft und ohne Fremdkapitalgeber ermöglicht.

Was war für Sie die größte Überraschung/Herausforderung nach der Gründung von bleed clothing?
Die größte Herausforderung war vor 10 Jahren die Erkenntnis, dass sich eigentlich niemand für ökologische und tierleidfreie Bekleidung interessiert. Immer wieder sah ich mich selbst in Verkaufsgesprächen mit der Tatsache konfrontiert, dass man überhaupt keine Probleme in der konventionellen Textilbranche sah und auch die Notwendigkeit von öko-fairen Konzepten sowieso angeblich nicht gegeben sei. So haben wir von Anfang an auf die harte Tour lernen müssen, dass Pionierarbeit wirklich weh tut, aber sich nach vielen Jahren voller Rückschläge dann doch irgendwann auszahlt! Allerdings möchte ich die Erfahrungen, so hart sie auch waren, nicht missen, denn ich denke, dass uns gerade die Anfangszeit sehr flexibel und stark gemacht hat!

Was sind Ihre Pläne mit bleed in den nächsten 3 Jahren?
Das nächste Jahr wird für uns ein sehr spannendes Jahr, da wir endlich in größere Räumlichkeiten umziehen werden und wir in diesem Zuge auch unseren Werksverkauf auf mehr als 100 Quadratmeter ausbauen werden! Hier sollen Kunden und bleed-Fans voll auf Ihre Kosten kommen. Auch wollen wir im Bereich der Produktentwicklung noch mehr in den High-Performance-Bereich schnuppern und auch für Sportbegeisterte noch mehr nachhaltige Alternativen bieten. Es wird also interessant…

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