ProVeg: Internationalisierung und Start-Up-Incubator

Portrait Matthias Rohra
Matthias Rohra, COO ProVeg International

ProVeg – ehemals VEBU – ist eine international agierende Organisation, die sich der Achtsamkeit im Bereich Nahrungsmittel verschrieben hat. Derzeit ist ProVeg auf bereits vier Kontinenten aktiv. Und die Pläne für die weitere Expansion reißen nicht ab. So stellen sie die Weichen für ihre Vision einer Welt, in der Menschen sich wieder für leckere und gesunde Nahrungsmittel entscheiden – immer mit Blick auf Mensch, Tier und Umwelt.

Matthias Rohra (COO, ProVeg) erzählt uns mehr über die Entwicklungen von ProVeg und ihre Zukunftspläne.

Ihr habt euch vor einiger Zeit von VEBU in ProVeg International umbenannt, was war der Grund?
Wir haben einfach festgestellt, dass Probleme wie Klimawandel, Massentierhaltung und Welthunger nicht an Ländergrenzen haltmachen, sondern globaler Natur sind. Diese weltumspannenden Probleme brauchen auch grenzübergreifende Lösungen. ProVeg ist die erste international tätige Ernährungsorganisation, die sich für die pflanzliche Lebensweise einsetzt. So eine Organisation gab es bis dato nicht. ProVeg treibt den länderübergreifenden Austausch von Ideen und Erfahrungen voran, vernetzt engagierte Akteure und Interessengruppen weltweit und führt somit den gesellschaftlichen Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise noch effektiver herbei. Mit der Umbenennung in ProVeg geht damit auch eine ganz neue Ausrichtung einher.

Wie viele Mitglieder hat ProVeg International mittlerweile in Deutschland?
Allein in Deutschland haben wir aktuell 63 festangestellte Mitarbeiter und wir wachsen weiter. Hinzu kommen viele ehrenamtliche Kollegen sowie rund 100 ProVeg-Regionalgruppen, die sich in ganz Deutschland für die pflanzliche Lebensweise einsetzen. Außerdem unterstützen bundesweit mehr als 14.000 Menschen die Arbeit von ProVeg durch ihre monatliche ProVeg-Mitgliedschaft.

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In wie vielen Ländern gibt es ProVeg International und welche Länder kommen demnächst hinzu?
Aktuell gibt es ProVeg in den Niederlanden, in Polen, Spanien, Südafrika, Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Weitere Länder wie China und die USA haben Interesse, ein Teil der globalen ProVeg-Bewegung zu sein und werden bald folgen. Wir arbeiten intensiv an der Internationalisierung.

Welche Angebote umfasst euer Bereich ProVeg Corporate Engagement?
ProVeg Corporate Engagement bietet ein sehr breites Dienstleistungsangebot für die Gastronomie, den Lebensmitteleinzelhandel sowie die Gemeinschaftsverpflegung.
Dazu gehört, dass ProVeg Unternehmen unterstützt, die fleischfreie oder rein pflanzliche Produkte herstellen oder auf tierfreie Rezepturen umstellen wollen. Mit dem V-Label, das in Deutschland von ProVeg vergeben wird, können Hersteller ihre Produkte auszeichnen lassen und so für noch mehr Vertrauen und Transparenz sorgen. Zum Angebot gehört auch, dass ProVeg Küchenchefs, die vegetarisch-vegane Gerichte auf die Speisekarten bringen wollen, schult und bei der Implementierung eines gesunden pflanzlichen und klimafreundlichen Angebots unterstützt. Zum Beispiel mit dem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt KEEKS (Klima- und energieffiziente Küche in Schulen). Im Rahmen von Messen und Veranstaltungen wie der VeggieWorld, der Biofach und der Internorga tritt ProVeg für Verbraucher sowie Fachleute als kompetenter Ansprechpartner für das Veggie-Thema auf.

Welcher Art von Unternehmen habt ihr bereits beraten und welche beratet ihr derzeit?
Von veganen Start-ups über mittelständische Unternehmen wie Caterer, Kantinen und Krankenversicherungen bis hin zu großen Unternehmen, die bislang ausschließlich Fleisch verarbeitet haben: ProVeg berät eine große Bandbreite an Unternehmen, die es Verbrauchern im Alltag zunehmend einfacher machen, sich für pflanzliche Produkte zu entscheiden. In Zukunft wird ProVeg den Fokus noch stärker auf Projekte legen, die an innovativen pflanzlichen Alternativen forschen. Ebenso begrüßt ProVeg grundsätzlich die Entwicklung von kultiviertem Fleisch. Auch kultivierte Tierprodukte haben das Potenzial, viele der ernährungsbezogenen globalen Probleme zu lindern und Tierleid drastisch zu minimieren. Aus diesem Grund wird ProVeg sich in der weiteren Erforschung dieses Bereichs – von der Optimierung der Produkte und der Produktion bis hin zur Akzeptanz bei den Verbrauchern – engagieren.

ProVeg plant einen Incubator in Berlin – was habt ihr genau vor?
Mit dem Start-up Incubator fördert ProVeg Produktideen, die den Lebensmittelmarkt nachhaltig verändern wollen. Wir bieten Start-ups moderne Büroflächen, eine große Küche, den Zugang zu unserem weitläufigen Netzwerk aus Industrie- und Messepartnern, Marktforschern und internationalen Investoren sowie ein breites Workshop-Programm. Die Eröffnung des Incubators ist für Oktober geplant und wir freuen uns auf spannende Bewerbungen von internationalen Gründerinnen und Gründern.

Incubator, wer kann sich bei euch ab wann bewerben, welche Voraussetzung muss man mitbringen?
Junge Unternehmensgründer und -gründerinnen sowie alle, die bereits eine spannende Idee für neuartige Lebensmittel haben, können sich ab sofort unter www.proveg.com/incubator für das Incubator-Programm bewerben. Aber auch das ProVeg Incubator-Team sucht professionelle Verstärkung. Die Stellenausschreibungen mit den genauen Anforderungen sind auf www.proveg.com/jobs zu finden.

Wo möchtet ihr mit ProVeg in fünf Jahren stehen?
In fünf Jahren wollen wir mit ProVeg in den strategisch wichtigsten Ländern weltweit vertreten sein. Hierzu gehören neben den aktuellen ProVeg Ländern auch China, die USA und Brasilien. Zudem wollen wir unsere sektorenübergreifenden Netzwerke ausgebaut haben und mit Entscheidungsträgern in den weltweit agierenden Gremien und Institutionen zusammenarbeiten. ProVeg wird vor allem im Wirtschaftssektor die Entwicklung tierleidfreier Produkte vorantreiben und Herstellern neue Möglichkeiten aufzeigen, schon heute das Essen der Zukunft herzustellen. Dass immer mehr Unternehmen auf pflanzliche Produkte umstellen und eine wachsende Zahl von Menschen zugunsten der Umwelt und der Tiere auf pflanzliche Alternativen setzt, das beobachten wir schon jetzt. Genauso rasant entwickelt sich die Erforschung von kultiviertem Fleisch. ProVeg wird sich an der weiteren Entwicklung aktiv beteiligen.