Studien & Zahlen

Neue Studie zeigt: Das Nachhaltigkeitsmanagement der 200 umsatzstärksten Food- & Beverage-Produzenten Europas ist verbesserungswürdig

nachhaltige entwicklung
© Miha Creative – stock.adobe.com

Europas Lebensmittelindustrie hat mit durchschnittlich 37 % Reifegrad im Nachhaltigkeitsmanagement deutliches Verbesserungspotenzial.

Eine aktuelle Studie der Dualen Hochschule BadenWürttemberg (DHBW) Heilbronn zusammen mit dem B2B FoodZulieferer Bösch Boden Spies identifiziert in Europas Food & BeverageIndustrie nur wenige Nachhaltigkeitschampions und viel unterdurchschnittliches Engagement. Größte Herausforderung ist die vollständige Transparenz der Lieferkette in Verbindung mit den entsprechenden QualitätsLieferanten.

Der nachhaltige Anbau und die Verarbeitung von Lebensmitteln haben in den vergangenen Jahren bereits deutlich an Bedeutung gewonnen. Die CoronaPandemie hat in Verbindung mit dem anhaltenden Klimawandel das Bewusstsein für Nachhaltigkeit noch einmal gesteigert. Mit dem Richtlinienvorschlag für ein europäisches Lieferkettengesetz und der verschärften CSRBerichtspflicht erhöhen auch Politik und Gesetzgebung den Druck und nehmen die Bedingungen in der globalen Rohwarenbeschaffung immer stärker in den Fokus.

In ihrer aktuellen Studie „#EmbraceYourPain: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Food Supply Chain Das Nachhaltigkeitsmanagement der europäischen Food & BeverageIndustrie und ihre Anforderungen an die globalen RohwarenLieferanten“ analysieren die Professoren und Leiter des Studiengangs BWLFood Management an der Dualen Hochschule BadenWürttemberg (DHBW) Heilbronn, Carolyn Hutter und Carsten Leo Demming, gemeinsam mit
dem B2B FoodRohwaren Zulieferer Bösch Boden Spies das Nachhaltigkeitsmanagement der 200 umsatzstärksten Food & BeverageProduzenten Europas.

Dazu führten sie auf Basis von 63 Indikatoren eine umfassende quantitative Inhaltsanalyse der jeweiligen Nachhaltigkeitskommunikation in Verbindung mit 18 Leitfadeninterviews mit den Nachhaltigkeitsverantwortlichen verschiedener Unternehmen durch. Damit ist diese Studie die umfangreichste Studie zur Nachhaltigkeitskommunikation und transparenz im Food und BeverageMarkt und somit ein valides Abbild des Statusquo. Die Bewertung des Entwicklungs und Reifegrads als Prozentwert (X von möglichen 100 Punkten) erlaubt dabei einen umfassenden Vergleich des Nachhaltigkeitsmanagements von Europas Food & BeverageProduzenten.

statistik studie
© Bösch Boden Spies

Zentrale Ergebnisse der Untersuchung:

  • Mit einem Durchschnittswert von 37% weist das Nachhaltigkeitsmanagement von Europas 200 umsatzstärksten Food & BeverageProduzenten nur einen mittleren Entwicklungs und Reifegrad auf
  • Lediglich zwölf Unternehmen in Europa erreichen mit 75 %+ ein hohes Niveau. TopPerformer sind die BeverageProduzenten CocaCola (83 %), Lavazza (82 %) und Carlsberg (82 %)
  • Nahezu alle Unternehmen machen ihr Nachhaltigkeitsengagement als Teil ihrer unternehmerischen Verantwortung mittlerweile transparent, wobei Umfang, Detailgrad und Aktualität der Informationen sehr stark variieren
  • Der wachsende Reifegrad verdeutlicht sich an der erkennbaren strategischen Bedeutung in der Unternehmenssteuerung: So haben 41 % der untersuchten Unternehmen eine/n Nachhaltigkeitsverantwortliche/n, 49 % kommunizieren eine Nachhaltigkeitsstrategie, 46 % veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht und 39 % haben einen Lieferantenkodex
  • TopSektoren sind die Kaffee und TeeHersteller sowie Erzeuger alkoholischer Getränke vor den übrigen Getränke und FoodHerstellern
  • Neben der Sektorzugehörigkeit hat vor allem die Unternehmensgröße (Anzahl der Mitarbeiter/innen) in Verbindung mit der Rechtsform einen statistischen Einfluss auf den Umfang und die Qualität der Nachhaltigkeitstransparenz
  • Die größten Herausforderungen im Nachhaltigkeitsmanagement sind intern das passende Mindset der Mitarbeiter, das fehlende KnowHow sowie die fehlende Datengrundlage und extern das notwendige Verständnis der Kunden, die fehlenden bzw. unzureichenden Daten in der Lieferkette sowie die Rohstoffknappheit bzw. die erschwerte Verfügbarkeit
  • Nur wenige Unternehmen machen bislang die komplexen Lieferströme ihrer SupplyChain transparent, obwohl die befragten Expert/innen Transparenz, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sowie Klimaschutz als die TopAuswahlkriterien für Lieferanten nennen
sustainability nachhaltigkeitsmanagement bericht umwelt entwicklung kreislauf
© fotogestoeber – stock.adobe.com

„Wir haben bewusst den provokanten Titel ‚Embrace your Pain‘ für unsere Studie gewählt, weil uns völlig klar ist, wie schwer sich alle Lebensmittelproduzenten gerade angesichts des aktuell verschärften Kostendrucks damit tun, zusätzlich in Nachhaltigkeit zu investieren“, so Studienleiterin Hutter, die sich seit mehr als zehn Jahren beruflich mit der erfolgreichen Implementierung eines Nachhaltigkeitsmanagements in Unternehmen befasst. „Doch gleichzeitig wird immer deutlicher, dass wir die Phase des Greenwashings verlassen und Nachhaltigkeit zu einem Hygienefaktor wird, der mittelfristig über die Teilnahme an unserem Foodsystem entscheidet.“ Insofern müsse jedes Unternehmen sich den Herausforderungen stellen, auch wenn sie im ersten Schritt im Hinblick auf Aufwände und Komplexität schmerzhaft sein könnten.

Der Elefant im Raum: Die Komplexität der globalen Lieferströme

„Das gestiegene Niveau an Nachhaltigkeitsengagement der europäischen Food & BeverageIndustrie ist ermutigend. Auffällig ist jedoch auch, dass die Lieferantenseite in der globalen Food Supply Chain heute noch der Elefant im Raum ist: Jede/r Nachhaltigkeitsmanager/in weiß, dass er/sie mehr Transparenz in seine globalen Lieferströme bringen muss, hat aber gleichzeitig Respekt vor der Komplexität der Datenerfassung und bewertung sowie den möglichen Konsequenzen, wenn Lieferanten die gesteckten Anforderungen nicht erfüllen“, so CoAutor Demming. Die aktuelle Pandemie hat diese Situation noch zusätzlich verschärft: „Um die Lieferfähigkeit weiterhin zu gewährleisten, sehen sich viele Produzenten gezwungen, ihren Lieferantenpool auszuweiten. Das schafft zusätzliche Komplexität”, sagt Demming abschießend.

Die Detailergebnisse der Studie inklusive konkreter Handlungsempfehlungen können Sie kostenlos downloaden unter: https://www.boeschbodenspies.com/studienachhaltigkeitsmanagement.

 

Teilen

Newsletter

Entscheidendes für Entscheider: Erhalten Sie regelmäßig die wichtigsten News aus der veganen Wirtschaft per E-Mail!

Kostenlos Abonnieren!

Top Themen

bedde trüffel scheiben

Food & Beverage
bedda launcht vegane Trüffel Scheiben

tonys ben jerrys

Ingredients
Zwei Unternehmen, ein Commitment: Ben & Jerry’s schließt sich Tony’s Chocolonely an

adm logo

Clean Meat, Zellkultur- & Biotechnologie
ADM und New Culture kündigen strategische Partnerschaft an, um alternative Molkereiprodukte zu entwickeln

Interviews

salomon foodworld burger

Foodservice
SALOMON FoodWorld: “Bei der Einführung veganer Angebote gibt es ein paar Stolpersteine, die man vermeiden kann“

garden gourmet führung

Interviews
Heike Miéville-Müller von Garden Gourmet: “Mein Motto ist: Das Leben ist eine Reise und das, was man daraus macht”

bluu seafood

Interviews
Bluu Seafood: “Die gesamte Branche und die Verbraucher würden von schnelleren und besser definierten Zulassungsprozessen profitieren”