1.300 Besucher auf der VegMed 2018

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Vom 20. bis 22. April fand mit der VegMed 2018, zum fünften Mal, eine einzigartige Fachkonferenz zu pflanzenbasierter Ernährung und Medizin in Berlin statt.

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Immanuel Diakonie, die Stiftung Reformhaus-Fachakademie und ProVeg Deutschland e.V. organisierten den Kongress mithilfe eines wissenschaftlichen Beirats und assoziierter Partnerinstitutionen. Hunderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem medizinischen, sowie ernährungswissenschaftlichen Bereich – darunter sowohl viele internationale Gäste als auch mindestens ein Drittel Studierende und junge Ärztinnen und Ärzte – konnten sich im Rahmen von wissenschaftlichen Vorträgen, Workshops und Diskussionen fortbilden. Die dreitägige internationale Konferenz war zudem an einem Publikumstag auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Ziel des Kongresses ist die wissenschaftliche Etablierung pflanzenbetonter Ernährung in Medizin und Gesellschaft.

Die wissenschaftliche Leitung übernahmen Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin, und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Dr. med. Christian Kessler, Forschungskoordinator und Funktionsoberarzt an der Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus, und Elmar Stapelfeldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Immanuel Krankenhaus Berlin. Für die Organisation und Projektleitung zeichneten sich Julia Schneider, Matthias Rohra und Sebastian Joy von ProVeg Deutschland e. V. sowie Rainer Plum der Reformhaus eG verantwortlich.

Hochkarätige Rednerinnen und Redner machten die VegMed 2018 und deren Programm (http://vegmed.de) zu einer der wichtigsten Veranstaltungen hinsichtlich eines vegetarisch-veganen Lebens: Besonders gefragt waren Vorträge und Workshops über pflanzenbasierte Ernährung und Diabetes, Sport, Schwangerschaft, Stillzeit und Kindesalter. Diskutiert wurde zudem, welche Rolle sogenannte Self-Tracking-Apps, Onlinespiele (Gamification) und Gesundheits-Coachings für eine erfolgreiche Ernährungsumstellung spielen können. Deutlich wurde insbesondere am Publikumstag, dass Gesundheit als grundlegende Motivation für pflanzenbetonte Ernährung gilt, sie aber auch immer im Wechselspiel mit den Themen Ökologie, Ökonomie und Ethik steht. Spürbar war über alle drei Tage hinweg, dass hier über die Zukunft der Ernährung gesprochen wird und pflanzenbasierte Ernährung nicht mehr nur Nischenthema ist, sondern sich zu einer anerkannten Lebens- und Ernährungsform innerhalb einer zukunftsweisenden Bewegung entwickelt.

“Die VegMed ist mittlerweile zum festen Bestandteil des Forschungsfelds vegan-vegetarischer Ernährung und Medizin geworden. Diese erfreuliche Entwicklung und das rege Interesse an den medizinischen Chancen pflanzenbasierter Ernährung lassen hoffen, dass die wissenschaftliche Forschung zu pflanzlicher Ernährung in Zukunft weiter aufblüht”, so Prof. Dr. med. Andreas Michalsen.

Auch das im Zuge der VegMed stattgefundene PAN-Gründungstreffen zeigt, dass Ernährung in der Medizin künftig eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Ziel der neu gegründeten ärztlichen Organisation “Physicians Association for Nutrition” (PAN), ist ein möglichst effektiver und nachhaltiger Weg zur Förderung evidenzbasierter Ernährung in den Bereichen Medizin und Politik, sowie in der Öffentlichkeit.

“Für das Fachpublikum stellt die VegMed eine hervorragende Möglichkeit zur Fortbildung dar”, so Dr. med. Christian Kessler. “Auch das Netzwerken mit Kollegen spielt eine wichtige Rolle beim Austausch über das Präventionspotenzial vegetarischer und veganer Kostformen”, so Dr. med. Christian Kessler weiter.

“Wir freuen uns über den großen Besucherandrang am Sonntag. Rund 950 Gäste konnten wir allein am Publikumstag bei der VegMed begrüßen. Immer mehr Menschen wollen wissen, was sie tun können, um sich mit einer pflanzenbasierten Ernährung gesund zu halten oder ihre Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Die VegMed versorgt sie mit dem nötigen Wissen”, so Julia Schneider von ProVeg.

“Die vegetarisch-vegane Ernährung ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die VegMed zeigt uns, wie schnell das Interesse an der vegetarisch-veganen Lebensweise in der Bevölkerung wächst. Im Vergleich zu 250 Gästen in den Anfangsjahren sind wir mittlerweile bei rund 1.300 Besuchern”, so Sebastian Joy, ProVeg-Geschäftsführung.

Eröffnet wurde der Kongress von Prof. Dr. Hans Diehl, Gründer des Lifestyle Medicine Institute in Loma Linda in Kalifornien, mit einem Vortrag zum Thema “Messer und Gabel – Massenvernichtungswaffen oder Instrumente für Gesundheit und Heilung?”. In seinem Vortrag stellte Diehl eindrücklich dar, dass die veränderten Essgewohnheiten seit der Nachkriegszeit mit mehr tierischen Fetten zu chronischen Erkrankungen mit mittlerweile globalem Ausmaß geführt haben. Er rief zu einer Kehrtwende in der Medizin auf: “Mit Medikamenten lassen sich diese ernährungsbedingten Erkrankungen nicht heilen, sondern nur kontrollieren. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Medizin. Wir müssen die Menschen bilden, motivieren und inspirieren, mit einer gesunden, pflanzenbasierten Ernährung und Bewegung ihre Gesundheit zu stärken”, so Diehl.

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen klärte in seiner Keynote darüber auf, inwiefern intermittierendes Fasten und eine pflanzenbasierte Ernährung das Konzept für ein langes Leben sein kann. Prof. Dr. Heike Englert, Professorin für Ernährungsmedizin und Public Health Nutrition an der Fachhochschule Münster, erläuterte in ihrem Vortrag “Fleischlos essen, aber wie?”, wie genau eine pflanzenbasierte Ernährung in den Alltag integriert werden kann. Es ging ihr darum zu zeigen, wie auf kommunaler Ebene, in dem kleinen nordrhein-westfälischen Dorf Billerbeck, eine Verhaltensänderung der Bevölkerung herbeigeführt werden konnte. Mithilfe eines auf der Community basierten Lebensstilprogramms aus Gesundheits-Coachings, Workshops, Kochkursen und Infoveranstaltungen wurden eingefahrene Gewohnheiten aufgebrochen. Das Ergebnis: Der Fleischverzehr konnte in den ersten 10 Wochen um 25 Prozent gesenkt werden.

Die internationale Ernährungsexpertin Brenda Davis beschäftigte sich mit der Frage, ob eine pflanzenbasierte Ernährung eine Lösung für Diabetes sein kann, und Prof. Claus Leitzmann, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erforschung vegetarisch-veganer Ernährung, berichtete eindrucksvoll darüber, dass pflanzliche Proteine eine hohe Wertigkeit haben, leicht und vielfältig verfügbar sind und bei einer pflanzenbasierten Ernährung die Versorgung mit Proteinen absolut gewährleistet ist.

Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevedo, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), stand für einen kritischen, sachlich-wissenschaftlichen Diskurs zu pflanzenbasierten Ernährungsformen Rede und Antwort und stellte die aktuelle Situation der Gemeinschaftsverpflegung im Spannungsfeld veganer Ernährung vor. Hierbei nannte er u.a. das Beispiel Portugal, wo ein veganes Gericht seit kurzem verpflichtend in allen öffentlichen Einrichtungen angeboten werden muss.

VegMed ist ein Projekt eines Konsortiums der Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, der Stiftung Reformhaus-Fachakademie und von ProVeg (ehemals Vegetarierbund Deutschland). Der Fachkongress zu Medizin und pflanzenbasierter Ernährung ist in ganz Europa einzigartig. Ziel der VegMed ist die wissenschaftliche Etablierung pflanzenbetonter Ernährung in Medizin und Gesellschaft. Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Podien, bietet der Kongress ein Rahmenprogramm aus praxisorientierten Workshops, sowie eine Plattform für berufliche Netzwerke. Das Publikum des Kongresses besteht aus Ärzten verschiedener Fachbereiche, Studierenden der Fachrichtungen Medizin und Ernährungswissenschaften, sowie medizinischem und wissenschaftlichem Fachpersonal.