Leni Lecker: “Die Liebe zum Tier macht nicht beim Hund halt.”

Leni Lecker – Gründerin von Vegan4Dogs
© Vegan4Dogs
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Wenn es um die eigene Ernährung geht, ist für viele Konsumenten klar, dass sie sich (rein) vegan ernähren wollen. Was macht man jedoch mit seinem Haustier, dass angeblich auf Fleisch angewiesen ist? Auf diese Frage und die Mythen zum Thema “Fleischfresser Hund” bietet Leni Lecker – Gründerin von Vegan4Dogs – mit ihrem veganen Hundefutter und den aufschlussreichen Blogartikeln Antwort. Im exklusiven Interview erzählte Leni Lecker uns mehr über vegane Hundeernährung, ihrem aufstrebenden Unternehmen und den veganen Entwicklungen im Markt.

Wie ist die aktuelle Entwicklung bei Vegan4Dogs?
Unser Unternehmen haben wir 2014 gegründet. Aus Eigenbedarf, meinen Hund Edgar von Falkenberg vegan zu bekochen, habe ich V-Complete entwickelt, die Nahrungsergänzung für hausgemachtes veganes Hundefutter. Im März 2016 ist dann unser Alleinfutter Greta dazugekommen. 2017 haben wir einen Jahresumsatz von 240.000 Euro erreicht. Durch zunehmende Bekanntheit und die Entwicklung des europäischen Markts erwarten wir für 2018 eine Steigerung um 50 Prozent. Da ich selbst Teil der Zielgruppe bin, kenne ich den Markt sehr gut und entwickle Produkte nach meinen Bedürfnissen, die ein Großteil der veganen Hunde Community teilt. Unsere Kunden sind, wie ich, sehr anspruchsvoll und wollen es oft sehr genau wissen. Das sehen wir als Vorteil, denn dadurch bekommen wir einen engen Kontakt und einiges an Feedback, welches uns Energie und Optimismus für die Zukunft gibt.

„Hunde stammen vom Wolf ab und sind Fleischfresser“. Warum ist vegane Hundeernährung dennoch sinnvoll und ein Thema für Halter, Produzenten und den Handel?
Hunde haben sich im Laufe des Zusammenlebens mit dem Menschen an die veränderten Bedingungen angepasst um zu gedeihen und den evolutionären Erfolg sicherzustellen. Dazu waren einige verhaltenstechnische und physiologische Anpassungen nötig an die abwechslungsreichere Ernährung, die unter anderem aus den Essensresten des Menschen inkl. pflanzlicher Nahrung bestand. Im Vergleich zu fleischfressenden Wölfen haben allesfressende Hunde eine bessere Fähigkeit entwickelt Kohlenhydrate zu verstoffwechseln, und mit weniger Protein auszukommen. Zu den biochemischen genetischen Anpassungen die dies ermöglichen gehören die Fähigkeiten mehr Pankreas Amylase (Verdauungsenzym für Stärke) herzustellen, Maltose (Malzzucker, Abbauprodukt der Stärke) in Glukose (Traubenzucker) umzuwandeln und die erhöhte Aufnahmebereitschaft für Glukose im Darm. Das belegt eine Studie von der Uni Uppsala aus dem Jahr 2013, die im Nature Magazin veröffentlicht wurde. Das heisst, dass der Hund sich durch die Domestizierung vom Fleischfresser zum Allesfresser entwickelt hat. Deshalb gibt es die Möglichkeit den Hund vegan zu ernähren.

Warum sollte man also seinen Hund vegan ernähren?
Immer mehr Menschen interessieren sich für den veganen Lebensstil. Für diejenigen mit einem Hund in der Familie ergibt sich dadurch das Dilemma, selbst keine Tiere mehr zu konsumieren, aber den Hund damit zu füttern. Da ist veganes Hundefutter eine willkommene Lösung. Wichtig ist natürlich, dass es dem Hund schmeckt und das alle Nährstoffe enthalten sind. Dann sind Mensch und Hund glücklich und der Gewissenskonflikt ist passé.

Schön ist natürlich auch der Aspekt, dass die Ressourcen geschont werden durch die direkte Fütterung der pflanzlichen Lebensmittel an den ‘Endverbraucher’, in diesem Fall der Hund. Dadurch werden die eingesparten Ressourcen frei für Bereiche in denen sie benötigt werden. Immerhin haben wir eine stetig wachsende Anzahl an Lebewesen auf unserer Erde.

Ich habe außerdem festgestellt, dass es immer mehr Hunde gibt, die auf tierische Proteine mit Unverträglichkeiten reagieren und es auch Hunde gibt, die kein Fleisch mögen. Da wird es notwendig eine Alternative zu finden. Die Halter selbst sind dabei nicht unbedingt Veganer, aber sehr dankbar eine Option zu haben.

Es besteht auch die Möglichkeit mit 1, 2, 3 Veggie Days anzufangen und zu schauen wie es dem Hund schmeckt.

Wie stark entwickelt sich – national & international – gerade das Thema vegane Hundeernährung?
Für uns ist der deutsche Markt ähnlich stark wie der gesamte europäische Markt. Natürlich darf man nicht vergessen, dass der Anteil von veganem Hundefutter am Gesamtmarkt Hundefutter höchstens bei einem Prozent liegt. Wir sind ambitioniert den europäischen und deutschen Markt zu entwickeln, das heisst auch, dass es für uns noch genug im Bereich Aufklärung zu tun gibt. Dennoch können wir feststellen, dass es immer mehr Menschen gibt die sich für vegane Hundeernährung interessieren.

Ich habe den Eindruck, dass die Menschen in Deutschland dem Thema vegan gegenüber besonders aufgeschlossen sind und das es in anderen Ländern erst langsam losgeht, gerade was veganes Hundefutter angeht.

Welche Vertriebskanäle nutzen Sie derzeit für die Vermarktung von Vegan4Dogs?
Unsere Website ist das Herzstück unseres Vertriebs. Hier kann man sich rund um das Thema vegane Hundeernährung informieren und in unserem Shop unsere Produkte erwerben. Darüber hinaus beliefern wir Partner in Deutschland und Europa, die in der Regel den Schwerpunkt vegane (Tier-)Produkte haben. In Städten wie z.B. Berlin, Stuttgart oder Madrid bieten aufgeschlossene Händler unsere Produkte stationär an.

Wir haben uns bewusst für ein kleines und mittelständisches Händlernetz entschieden um auf Augenhöhe und partnerschaftlich zu kooperieren.

Konventionelles Futter, BARF, veganes Tierfutter – wo liegen die wichtigsten Unterschiede/Vorteile?
Für uns liegt ganz klar der Vorteil bei veganen Hundefutter, da es tierleidfrei produziert wird. Die Liebe zum Tier macht nicht beim Hund halt.

Gibt es etwas, auf das man bei einer pflanzlichen Tierernährung besonders achten muss?
Lebewesen haben einen bestimmten Bedarf an Nährstoffen, der gedeckt werden muss. Ich kann hier nur von dem von Hunden sprechen. Konventionelles Hundefutter wird mit Mineralstoffen und Vitaminen angereichert, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Auch bei veganem Futter wird dies gemacht und ergibt dabei also keinen Unterschied zu konventionellem Futter. Unsere Nahrungsergänzung V-Complete für hausgemachtes veganes Hundefutter bietet eben diese Zusätze und komplettiert das selbstgekochte Hundefutter. Solche Zusätze gibt es auch fürs Barfen (Rohfleischfütterung).

Bei veganem Fertigfutter sollte man darauf achten das es ein Alleinfutter ist, wie unser Trockenfutter Greta. Ein Alleinfutter enthält alle nötigen Nährstoffe, sodass nichts mehr zugefüttert werden muss.

Die Zusammensetzung von veganem Hundefutter ist ähnlich dem veganen Essen für Menschen. Es werden Proteine gefüttert um die essenziellen Aminosäuren, also solche die nicht selbst hergestellt werden können, zuzuführen. Als Proteinquellen eignen sich Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen oder Kichererbsen. Dazu kommen Kohlenhydrate, die als Energiequelle dienen z.B. Kartoffeln, Nudeln, Reis, Polenta. Gemüse und Obst liefern Vitamine und Mineralstoffe und bringen einen leckeren Geschmack. Mit Öl werden die essenziellen Fettsäuren zugeführt, die in pflanzlichem Öl besonders vorteilhaft sind. Und dann kommt die Nährstoffmischung dazu, die unter anderem Vitamin B12 und Vitamin D enthält. Für diejenigen die selbst kochen, haben wir eine Fütterungsempfehlung für V-Complete mit den Mengenangaben der einzelnen Futterkomponenten (Proteinquelle, Kohlenhydratquelle, etc.) erstellt, damit alle Nährstoffe abgedeckt werden. Auf unserer Website stellen wir Rezeptideen zur Verfügung. Unser eigener Hund Eddie bekommt sowohl selbstgekochtes Futter als auch Greta, denn auch Hunde möchten nicht unbedingt immer das gleiche essen. Beim Selbstgekochten kann man wunderbar auf die Vorlieben seines Hundes eingehen und auch besonderen Ansprüchen ans Futter gerecht werden, wie z.B. bei Allergien.

Gibt es noch weitere pflanzliche Tierprodukte, die Sie in der Planung haben?
Ideen habe ich viele und einiges ist auch schon in der Mache. Produktentwicklungen sind zeitaufwendig und bis meine Ansprüche erfüllt sind vergeht einiges an Zeit. Ihr dürft gespannt sein was wir uns noch alles einfallen lassen.

Wo sehen Sie Vegan4Dogs in 5 Jahren am Markt?
Als etabliertes Unternehmen, das europaweit tätig ist und als erste Anlaufstelle für Menschen, die sich für vegane Hundeernährung interessieren. Ich kann mir auch gut vorstellen dann schon die Welt zu erobern.

Quellen:
1) Knight, Andrew; Leitsberger, Madeleine Vegetarian versus Meat-Based Diets for Companion Animals: Wincester, UK, 2016
2) Axelsson, E.; Ratnakumar, A.; Arendt, M.L.; Maqbool, K.; Webster, M.T.; Perloski, M.; Liberg, O.; Arnemo, J.M.; Hedhammar, A.; Lindblad-Toh, K. The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 2013, 495, 360–364.
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