Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik: “Wir können fast alle Produktideen umsetzen”

© DIL - Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V.
Dr. Nino Terjung, Leiter der Abteilung Produktinnovation am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik © DIL -Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V.

Das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik e. V. (DIL), mit Sitz im niedersächsischen Quakenbrück, ist ein mittlerweile international renommiertes, außeruniversitäres Forschungsinstitut, welches in den letzten drei Jahrzehnten auf rund 200 Experten der Lebensmitteltechnologie und der Lebensmittelwissenschaften angewachsen ist. Das DIL operiert in den Bereichen Lebensmittelsicherheit und Authentizität, Struktur und Verfahrenstechnik sowie Nachhaltigkeit. Ein großer Teil der Forschungsarbeiten liegt im Bereich der angewandten Lebensmittelwissenschaften.

Als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis unterstützt das DIL seine Partner kontinuierlich im Innovationsprozess. Die Kompetenzen und technischen Möglichkeiten des Instituts erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette von Lebensmitteln. Intensive Zusammenarbeit mit Universitäten und die Einbindung in europäische sowie internationale Netzwerke haben eine entscheidende Bedeutung für die Zukunftssicherung der Spitzenforschung am DIL und der Lebensmittelwissenschaft in Niedersachsen.

Wir sprachen vor kurzem mit Dr. Nino Terjung, Leiter der Abteilung Produktinnovation am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik, über den aktuellen Stand der Lebensmittelbranche und neue Produktinnovationen und -entwicklungen.

Wie verändern Technologien die Lebensmittelbranche und welche Produktinnovationen und -entwicklungen sind dadurch möglich?

Technologien sind wichtig, es muss aber auch immer der Zeitpunkt passen. Ein schönes Beispiel ist die Extrusion von Pflanzenproteinen zu – derzeit stark nachgefragten –Nasstexturaten. Die Möglichkeit, diese Nasstexturate herzustellen, haben wir am DIL schon 20 Jahre lang, die intensive Nachfrage ist aber erst so richtig in den letzten Jahren aufgekommen. In diesem Fall war die Technologie also vorhanden, aber es gab keine Nachfrage für die Produkte. Jetzt, da der Markt die Produkte fordert, wird auch die Technologie weiterentwickelt, in dem Sinne, dass zum Beispiel effizientere Produktionsverfahren oder alternative Verfahrenstechniken und Prozesse entwickelt werden. Daraus resultieren dann natürlich auch eine Vielzahl an möglichen neuen Produkten.

Ein anderes interessantes Beispiel: Die Pulsed Electic Fields (PEF) Technologie. Die Technologie und die dazugehörigen Anlagen wurden am DIL bis zur Marktreife entwickelt. Die PEF-Technologie wird eingesetzt, um Zellwände zu öffnen, wodurch die Eigenschaften von Produkten gezielt verändert werden können. Kartoffeln werden durch die Behandlung mit PEF vor der Weiterverarbeitung zu Chips oder Pommes flexibler und sind deutlich besser zu prozessieren. Hier war die Technologie vorhanden und wurde mit der Funktionsfähigkeit in den Markt gebracht – ohne dass der Markt danach gefragt hat – im Gegensatz zu den Nasstexturaten.

In beiden Beispielen sind dann durch entwickelte Technologien neue Produkte möglich. Rückblickend sind keine riesigen technologischen Veränderungen in den letzten Jahren zu beobachten, vielmehr kontinuierliche Weiterentwicklungen und Verbesserungen von bestehenden Technologien. Hierbei werden bestehende Technologien genutzt um neue Produkte zu produzieren. Das merken wir insbesondere daran, dass die unterschiedlichsten Geräte, die am DIL vorhanden sind, immer wieder zum Einsatz kommen, seien diese auch noch so alt und auch eigentlichen für eine ganz andere Nutzung konzipiert.

Welche Unterstützung bietet das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik im Bereich der Produktinnovation an?

Wir können fast alle Produktideen umsetzen: Die Kunden kommen, stellen uns das Problem oder die Entwicklungsidee vor und dann erarbeiten wir mit dem Kunden einen Lösungsplan – der dann fast immer umgesetzt werden kann. Im Rahmen von Versuchen oder Entwicklungen werden wir dann für den Kunden tätig und greifen dafür auf die am DIL verfügbaren Technologien zurück. Was in den letzten Jahren immer mehr geworden ist, ist die Suche nach Möglichkeiten zur Förderung, die die Kosten der Realisierung der Produktidee oder der Problemlösung dann zum Teil auffängt. Hier ist es dann entscheidend, welche Größe das Unternehmen hat oder wie komplex die Fragestellung ist und je nachdem kann es dann ein ZIM-Projekt, eine Innovationsförderung mit der N-Bank oder eine Gemeinschaftsforschung werden.

Lassen sich bestimmte Trends beobachten?

Vegane und vegetarische Produkte, egal was, egal in welcher Richtung, werden immer entwickelt. Es gibt immer mehr Startups die mutig sind und den Weg in den Markt wagen. Davon profitiert die ganze Branche und der Staat hat sich durch Förderprogramme passend aufgestellt. Ebenso ist der Einzelhandel deutlich flexibler eingestellt gegenüber neuen Produktentwicklungen und ständig auf der Suche nach neuen Trends für die Lebensmittelregale.

In welchen Forschungsprojekten beschäftigen Sie sich aktuell mit dem Thema Produktinnovation?

In den vergangenen Jahren haben wir uns viel mit pflanzlichen Proteinen beschäftigt. Wie können diese verarbeitet und prozessiert werden? Welcher ökologische Mehrwert ergibt sich? Was ist der physiologische Mehrwert? Welche Strukturen können damit aufgebaut werden? Und welche Wechselwirkungen mit anderen tierischen Proteinen oder Polysacchariden gibt es? Wir beschäftigen uns ebenso mit alternativen pflanzlichen oder neuen Proteinquellen, von Raps über Alge ist eigentlich alles dabei. Am DIL betreuen wir aktuell eine Vielzahl an Forschungsprojekten in dem Bereich der Produktinnovation und -entwicklung.

Zur Person:

Dr. Nino Terjung leitet am die DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. die Abteilung Produktinnovation. Nach seiner Fleischerlehre und einer kurzen Gesellenzeit bestand er im Alter von 18 Jahren seine Meisterprüfung mit Auszeichnung. Nach seinem Bachelor an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo schloss er sein Master-Studium an der Technischen Universität München ab. Es folgte seine erfolgreiche Promotion an der Universität Hohenheim.