Rügenwalder Mühle weiter auf Vegan-Kurs

Porträt: Godo Röben
© Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG

Die Zukunft ist alternativlos? Nicht, wenn es um das Thema vegetarische / vegane Wurst- und Fleischalternativen geht.

Und während auf der einen Seite junge Start-ups, mit großem Support von hochkarätigen Investoren, diesen Markt mit innovativen Produkten betreten, machen sich auf der anderen Seite die bereits etablierten Hersteller von tierischen Fleischprodukten startklar für die Trendwende. So auch die Rügenwalder Mühle, die sich intensiv mit der gesellschaftlichen Entwicklung auseinandersetzt und ihre Produktrange schon lange mit vegetarischen / veganen Produkten erweitert hat. Doch das wird noch nicht das Ende sein, denn der Markt für Wurst- und Fleischalternativen hat noch viel Potential, welches die Pioniere der Rügenwalder Mühle für sich zu nutzen wissen. Wie das genau aussieht, wie die vegane Entwicklung weitergeht und warum “Clean Meat” ein Game-Changer ist, das verrät uns Godo Röben im persönlichen Interview.

Wie sieht das aktuelle vegane Portfolio von Rügenwalder Mühle aus?
Derzeit bieten wir mit der Pommersche in den Sorten  „Schnittlauch“ und „Apfel & Zwiebel“ zwei vegane Leberwurstalternativen an. Zur veganen Range gehören aber auch Schnitzel, Nuggets, Hamburger, Crispyburger und Hack.

Welche veganen Neuheiten sind für 2018 geplant?
Wir versuchen, neue fleischfreie Produkte von Anfang an vegan zu entwickeln. Und wir arbeiten intensiv daran, die Rezepturen bestehender Produkte aus unserer Veggie-Range auf vegan umstellen zu können. Das ist nicht so leicht, denn an erster Stelle steht für uns der leckere Geschmack und der Biss, der so nah am Original mit Fleisch sein soll, wie möglich. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall etwas neues Veganes von der Rügenwalder Mühle geben. Was genau, kann ich aber noch nicht verraten.

Wie wird sich das Verhältnis vegetarisch und vegan in Ihrem Portfolio entwickeln?
Ziel ist es, alle unsere vegetarischen Produkte durch vegane Varianten zu ersetzen. An dieser Aufgabe arbeiten unsere Entwickler mit Hochdruck. Der Grund dafür sind die veränderten Verbraucher-Präferenzen: Selbst Vegetarier und auch immer mehr Flexitarier entscheiden sich eher für vegane Varianten als vegetarische, wenn sich diese nebeneinander im Regal präsentieren. Sei es aus Tierschutz und Umweltgründen oder aufgrund ethischer Dispositionen.

Welche Auslandsaktivitäten gibt es, welche sind geplant?
In Österreich, in der Schweiz und in Luxemburg sind wir bereits präsent. Aktuell führen wir konkrete Gespräche mit potenziellen Partnern aus Skandinavien. Natürlich sondieren wir auch etliche andere Märkte, auch weil uns fortlaufend viele Anfragen aus aller Welt erreichen. Denn die Rügenwalder Mühle wird international auch von vielen Handelsunternehmen als Pionier gesehen, da wir bereits einige Jahre Markterfahrung haben und in dieser Zeit unsere Produkte im Sinne der Verbraucherpräferenzen kontinuierlich verfeinert haben. Und natürlich, weil unsere Produkte im Massenmarkt sehr gut ankommen. Wir müssen uns der internationalen Herausforderung stellen, denn – ob wir es wollen oder nicht – wir konkurrieren mit Herausforderern wie Beyond Meat und Impossible Food. Diese Newcomer drängen – ausgestattet mit viel Investorengeld von großen Fleischkonzernen und Einzelpersonen wie Richard Branson oder Bill Gates – in die internationalen Märkte.

Wird es auch bio-vegane Produkte geben?
Ja, wir arbeiten auch an bio-veganen Alternativen. Wir sind im Massenmarkt ohne Bio-Siegel gestartet, auch um keinen Preisabstand zu vergleichbaren Fleischprodukten als Kaufbarriere zu haben. Viele vegan lebende Verbraucher präferieren aber auch Bio-Produkte, das belegen die eindrucksvollen Wachstumszahlen im Bio-Bereich. Wir sehen zukünftig unsere bio-veganen Produkte in erster Linie im Lebensmitteleinzelhandel und nicht im Bio-Fachhandel.

In einem Video hatten Sie nicht ausgeschlossen, zukünftig auch Gemüseprodukte anzubieten, wie weit sind die Pläne gediehen?
Tatsächlich schauen wir auch in diesen Markt. Als etablierte Marke muss man aber jedoch auch immer im Auge haben, inwieweit seine Marke dehnbar und erweiterbar ist, was für ein Stretching eine Marke aushält und ob Verbraucher einem in neue Segmente folgen würden. Das diskutieren wir gerade intern und mit externen Markenexperten.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des veganen Lifestyles bis 2030 in der Gesellschaft ein? National und international.
Energie, Mobilität und Ernährung sind die entscheidenden Stellschrauben, um den Klimawandel zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Im Energiebereich hat sich in den letzten Jahren viel getan, der Bereich Mobilität wird sich die nächsten Jahre stark verändern in Richtung E-Mobilität und alternative Antriebe. Und auch der Sektor Ernährung und hier insbesondere die Fleischindustrie muss sich auf signifikante Änderungen einstellen, das zeichnet sich bereits jetzt ab. Fleischprodukte könnten anders besteuert werden, der politische Druck wird zunehmen, die Verbraucherpräferenzen verändern sich in vielen Ländern stark in Richtung pflanzenbasierte und fleischlose Ernährung. Vor allem viele junge Menschen präferieren diesen Lebensstil. Diese und weitere Faktoren werden dazu führen, dass veganer Lifestyle in den nächsten 5 -10 Jahren signifikant mehr Anhänger finden wird.

Sie hatten kürzlich „clean meat“ als Game Changer bezeichnet, könnten Sie das noch einmal für unsere Leser erläutern?
Diese Aussage bezog sich auf eine Rede von Eric Schmidt von Google. Der hatte 2016 vor tausenden von Investoren eine Liste von zukünftigen Moonshots bzw. Game-Changern präsentiert. Einer davon ist aus seiner Sicht der Ersatz von Fleischprodukten durch pflanzliche Alternativen. Diese Entwicklung hat bereits mächtig Fahrt aufgenommen. Immer häufiger fragen sich Verbraucher: Warum soll ich Tier nehmen, wenn es auch pflanzliche Alternativen gibt.

Game-Changing wird ebenso kultiviertes Fleisch sein, „Clean Meat“, also Fleisch, dass in Laboren gezüchtet wird und ohne Massentierhaltung und Schlachthäuser produziert werden kann. Pflanzliche Fleischalternativen und „Clean Meat“: Beide Alternativen werden erfolgreich sein, denn der Markt ist groß genug für beide. Allerdings müssen die Produkte qualitativ hochwertig sein, um beim Verbraucher im Warenkorb zu landen. Wir fokussieren uns auf pflanzenbasierte Fleischalternativen, dabei ist unser erklärtes Ziel, immer leckerer zu werden und mindestens so lecker oder gar leckerer wie Fleisch zu sein.

Welche Kampagnen sind für die veganen Produkte 2018 geplant (Werbung, Social Media, Influencer-Marketing)?
Social Media ist ein ganz wichtiger Punkt im unserem Kommunikationsmix. Mit der Einführung der Veggie-Produkte erreichten uns immer wiederkehrende Fragen im Community Management. Unsere Facebook-Seite wurde zum Diskussionsforum für vegetarische vegane vs. fleischhaltige Ernährung.

Die wachsende Nutzerschaft und das gesteigerte Interesse am Thema Ernährung führte schnell dazu, dass wir die selben Diskussionen simultan an mehreren Stellen führen mussten. Und dazu, dass diese immer tiefgehender und umfangreicher wurden. Eine neue Plattform für alle offenen oder nicht ausreichend beantworteten Fragen musste her.

Insgesamt 12 Blogger, YouTuber, Ernährungs- sowie Nachhaltigkeits-Experten, Journalisten und Fans unserer Social Media Seiten nahmen an unserem Event im Herbst 2017 teil und konnten mir persönlich ihre Fragen stellen und Kritik äußern. Um für noch mehr Transparenz zu sorgen, haben wir den Gästen vorab einen Einblick in die Abläufe unserer Entwicklung und Produktion gegeben. Zudem gab es einen Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit bei der Rügenwalder Mühle.

Wir haben es geschafft, dass auf den Profilen von Influencern sowie auf unseren Kanälen positiv über die Rügenwalder Mühle, die vegetarischen Produkte und vor allem die gelebte Transparenz berichtet und sich ausgetauscht wird. Die Bereitschaft offen mit Kritik umzugehen wurde sehr gut angenommen.

In 2018 werden wir noch stärker in den Dialog gehen und weiterhin über alle Kanäle transparent kommunizieren. Wir können uns zudem gut vorstellen solch ein Event noch einmal zu wiederholen. Hier befinden wir uns derzeit in der Konzeptionsphase und diskutieren, wie das Format aussehen könnte.