Prolupin GmbH: “Wir sehen die heimische Süßlupine als Alternative zu Soja, Reis, Mandel und Kokos.”

Roland Brandstätt – Managing Director bei der Prolupin GmbH
© Prolupin GmbH

Milchalternativen aus Soja, Reis und Co. sind schon lange bekannt. Neuer hingegen ist jedoch die Verwendung von heimischen Süßlupinen. Und damit die positiven Eigenschaften der Süßlupine bestmöglich genutzt werden können, forscht die Prolupin GmbH bereits seit vielen Jahren nach Verarbeitungsmöglichkeiten für das Süßlupinenprotein. Wir haben im Interview mit Roland Brandstätt – Marketing Director bei der Prolupin GmbH – mehr über die Vorgehensweise, die Dachmarke MADE WITH LUVE und die Zukunftsaussichten erfahren.

Was genau macht die Prolupin GmbH?
Seit Mitte 2015 vermarktet die Prolupin GmbH unter der Dachmarke MADE WITH LUVE eine Reihe von rein pflanzlichen Alternativen zu Molkereiprodukten in Deutschland und Österreich. Unser Unternehmen ist darauf spezialisiert, das Eiweiß der Süßlupine zu extrahieren und in Form des Lupinenprotein-Isolats (LPI) für die Produktion von Lebensmitteln nutzbar zu machen. Es handelt sich um ein patentiertes Verfahren zur Proteingewinnung aus den Samen der Süßlupine.

Die Süßlupine ist eine einheimische Hülsenfrucht. Wieso geriet diese in Vergessenheit und wie kam es zur „Neuentdeckung“?
Das mag nach außen so aussehen, allerdings reicht bei uns die Forschung zur Optimierung des Rohstoffs Süßlupine als Eiweißlieferantin der Zukunft 25 Jahre zurück. Zur Einordnung hilft es vielleicht zu wissen, dass die Prolupin GmbH 2010 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung gegründet wurde. 2014 erhielten die Wissenschaftler des Fraunhofer IVV und die Forscher von Prolupin den Deutschen Zukunftspreis für die Entwicklung von pflanzlichen Lebensmittelzutaten aus Lupinen und einen Beitrag zu ausgewogener Ernährung.

So wirklich in Vergessenheit ist die Süßlupine also nie geraten – zumindest nicht aus unserer Sicht.

Welche/n Vorteil/e bietet die Süßlupine gegenüber anderen veganen Rohstoffen wie Soja?
Wir sehen die heimische Süßlupine als Alternative zu Soja, Reis, Mandel und Kokos und halten nichts von einer „besser oder schlechter Diskussion“. Grundsätzlich ist Lupineneiweiß dem Milcheiweiß recht ähnlich und eignet sich daher hervorragend zur Herstellung von Milchprodukt-Alternativen – also Alternativen zu Joghurt, Desserts, Frischkäse, Milch und Eiscreme. Die Süßlupine ist nicht nur angepasst an heimische Umweltbedingungen, sie leistet auch einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Landbewirtschaftung. Lupinen binden Stickstoff im Boden und verbessern so die Bodenqualität, zusätzlich sorgen kurze Transportwege für weniger CO2-Ausstoß, weil sowohl Anbau der Lupinen als auch Herstellung des LPI in Mecklenburg-Vorpommern erfolgen. Süßlupine als Rohstoff steht also für eine vorteilhafte Umweltbilanz.

Mit MADE WITH LUVE sind sie bereits seit 2015 am Markt. Wie hat sich die Marke entwickelt seit der Marktreife? 
Als Startup haben für uns momentan Faktoren wie eine stabile Marktpräsenz und der kontinuierliche Ausbau einer wachsenden Fangemeinde oberste Priorität. Wir sind auf Erfolgskurs und das beweisen auch die Zahlen. Seit Einführung der Dachmarke MADE WITH LUVE Mitte 2015 kommen wir auf knapp acht Millionen verkaufte LUVE-Produkte. Für 2018/19 wollen wir diese Strategie des nachhaltigen Wachstums fortsetzen.

Welche Vertriebskanäle nutzen Sie derzeit für die Vermarktung von MADE WITH LUVE?
Unsere Strategie zielt darauf ab, eine stabile Präsenz im deutschen und österreichischen Lebensmitteleinzelhandel zu erzielen. Als Ergänzung dazu bieten wir unsere Produkte in ausgewählten Online-Shops an.

In welchen veganen Produkten finden Süßlupinen bereits Anwendung und welche Gebiete sehen Sie zusätzlich als Möglichkeiten?
In der Lebensmittelindustrie gibt es viele Möglichkeiten zur Verarbeitung des Rohstoffs Süßlupine. Wir verwenden das einzigartige Süßlupinen-Protein zur Herstellung rein pflanzlicher Alternativen zu Joghurt, Frischkäse, Milch, Desserts und Eiscreme. Der Mopro-Bereich ist immerhin die zweitgrößte Kategorie innerhalb der Ernährungsindustrie – daher konzentrieren wir uns voll und ganz auf diesen Bereich.

Wie schätzen Sie den Markt für Süßlupinen als Rohstoff in den kommenden Jahren ein?
Experten prognostizieren, dass die Süßlupine zu einer der wichtigsten pflanzlichen Eiweißquellen werden kann, um weltweit Proteine tierischen Ursprungs zu ersetzen. In Deutschland ist sie für alle Klimalagen geeignet und wächst besonders gut auf sandigen, nährstoffarmen Böden – wie sie beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern vorkommen. Es ist schwer, eine genaue Prognose zu treffen, aber wir sehen in der Süßlupine einen Türöffner in eine klimafreundliche Ernährungszukunft.

Joghurt, Drinks, Frischkäse, Eiscreme & Co. – gibt es weitere vegane Produktentwicklungen, die wir 2019 von Ihnen erwarten dürfen?
Wir beschäftigen uns 2019 im Schwerpunkt mit der Optimierung des Sortiments, es umfasst zurzeit über zwanzig Artikel. Dabei sehen wir die Produktentwicklung als wichtigen Teil unserer künftigen Strategie an. Anhand eigener Kundenbefragungen und gezielter Marktbeobachtung wollen wir Trends und Konsumentenwünsche möglichst schnell bedienen. Beispiele sind die Reduktion von Zucker oder neue Formen im Bereich Eis.

Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren?
Unser Leitgedanke ist: „Man muss nicht unbedingt Veganer sein, um LUVE Produkte zu genießen!“. Deshalb werden wir die Verfügbarkeit im stationären Handel kontinuierlich erhöhen und noch wichtiger: Wir wollen Konsumenten mit der Kombination aus Genuss und Nachhaltigkeit für MADE WITH LUVE begeistern. Wenn uns das gelingt, könnten wir aus Konsumentensicht eine starke Nummer zwei im Markt werden.

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