ProVeg: Die Europäische Union fördert die Forschung in der zellulären Landwirtschaft

wehende Fahnen vor dem Europa Parlament in Brüssel
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Laut der internationalen Ernährungsorganisation ProVeg, hat die Europäische Union im Jahr 2020  ihre Unterstützung für die Forschung im Bereich der zellulären Landwirtschaft weiter verstärkt. Angesichts der aktuellen Klima- und der Pandemiekrise, ist es den politischen Entscheidungsträgern zufolge zwingend notwendig, dass die EU die Art und Weise, wie tierische Lebensmittel produziert werden, überdenkt. So verstärken Europäische Regierungsstellen nun ihre Unterstützung für die zelluläre Landwirtschaft.

Meat4all, ein Forschungsprogramm für kultiviertes Fleisch, hat beispielsweise einen Zuschuss von 2,7 Millionen Euro im Rahmen des EU-Forschungsrahmens Horizon 2020 erhalten. Das von der EU geförderte Projekt unter der Leitung des spanischen Unternehmens BioTech Foods, will die Technologie zur Herstellung von kultiviertem Fleisch weiterentwickeln, die Marktakzeptanz verbessern und Tests zur Sicherheitsbewertung durchführen, um die Industrialisierung und Kommerzialisierung voranzutreiben.

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Andere Unternehmen haben bereits Zuschüsse und Fördermittel von europäischen Regierungsstellen erhalten. Im August 2020 erhielt das isländische pflanzenbasierte Biotech-Unternehmen ORF Genetics einen Zuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Euro von den Grant Management Services der Europäischen Kommission. Der Zuschuss ist für die Erforschung und Entwicklung von pflanzenbasierten Wachstumsmedien bestimmt, die zur Regulierung des Wachstums und der Entwicklung von Zellen benötigt werden.

Im Dezember 2019 erhielt das niederländische Kulturfleischunternehmen Meatable ebenfalls einen Zuschuss in Höhe von 3 Millionen US-Dollar von der Europäischen Kommission im Rahmen des Eurostar-Programms.

Auch nationale Regierungen haben in die zelluläre Landwirtschaft investiert. 2019 vergab die flämische Regierung einen Zuschuss in Höhe von 3,6 Millionen Euro an ein belgisches Konsortium, zu dem auch das Kulturfleisch-Startup Peace of Meat gehört, um Fett- und Leberzellen für die Produktion kultivierten Fetten zu züchten.

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Staatliche Unterstützung ist entscheidend, um Innovationen voranzutreiben

Die allererste Forschung im Bereich der zellulären Landwirtschaft fand im Rahmen eines Programms statt, das von der niederländischen Regierungsagentur SenterNovem von 2005 bis 2009 gefördert wurde. Dieses Forschungsprogramm legte den Grundstein für die Schaffung des ersten kultivierten Burgers im Jahr 2013.

Seitdem hat der Bereich der zellulären Landwirtschaft jedoch hauptsächlich private Investitionen angezogen. Während die private Finanzierung wichtig ist, um kultivierte Produkte näher an den Markt zu bringen, ist eine große Herausforderung die daraus resultierende Tendenz, im Geheimen zu arbeiten, was das kumulative Lernen reduziert und somit die Entwicklung des gesamten Sektors deutlich verlangsamt – weshalb staatliche Forschungsprogramme und Zuschüsse eine zentrale Rolle spielen können, um durch gemeinsames Grundlagenwissen schnellere Fortschritte zu gewährleisten.

Die zelluläre Landwirtschaft hat der Europäischen Union zufolge das Potenzial, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der europäischen Fleischindustrie erheblich zu verbessern. Daher ist es eine gute Nachricht, dass die Europäische Union dieses aufstrebende und vielversprechende Feld zunehmend unterstützt.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Englisch auf Proveg.com.