Weltbodentag 2019: Lupinen – die natürlichen Bodenverbesserer als alternative Proteinquelle

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Lebensraum, Natur-Archiv, Acker und Baugrund – Böden sind eine zentrale Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Der jährliche Weltbodentag oder auch World Soil Day am 5. Dezember soll weltweit ein Zeichen für ihre Bedeutung als natürliche Ressource setzen. Ins Leben gerufen wurde er im August 2002 von der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS) im Rahmen ihres 17. Weltkongresses in Bangkok. Zahlreiche Aktionen klären über die Gefahren durch bauliche Versiegelung, Überbewirtschaftung und chemische Verschmutzung der Böden auf. Insbesondere eine nachhaltige Landwirtschaft kann einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung gesunder Böden leisten.

Landwirte stehen heute trotz umfassender Technologisierung vor großen Herausforderungen: Die stetig wachsende Weltbevölkerung verlangt nach immer höheren Ernteerträgen. Gleichzeitig verschlechtern Klimawandel, Erosion und Nährstoffverluste die Bodenbedingungen. Daher werden zunehmend Düngemittel verwendet. Allerdings wirkt sich der übermäßige Einsatz von Stickstoff und Phosphor negativ auf die Wasserqualität aus. Ein weiteres Problem: Die Vorräte dieser wichtigsten Düngemittel werden Schätzungen zufolge in einigen Jahrzehnten erschöpft sein. Daher spielen bodenverbessernde Zwischenfrüchte eine immer größere Rolle für die nachhaltige Landwirtschaft. Eine Nutzpflanze, deren Eigenschaften mehr und mehr geschätzt werden, ist die Lupine.

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Lupinen haben bodenverbessernde Eigenschaften © Prolupin GmbH

Lupinen gehören zur Familie der Leguminosen (Hülsenfrüchtler), die mit über 650 verschiedenen Gattungen und 18.000 Spezies eine der artenreichsten Pflanzenfamilien darstellt. Dazu gehören auch Soja, Linsen, Bohnen und Erbsen. Im Vergleich enthalten die Samen der Lupine allerdings deutlich mehr Eiweiß als andere Leguminosensamen. Daher sind bestimmte Arten wie die Süßlupine sowohl ein beliebtes Tierfuttermittel als auch Basis rein pflanzlicher Alternativen zu Molkereiprodukten.

Auf letztere hat sich die Prolupin GmbH aus Grimmen spezialisiert. In einem patentierten Verfahren extrahiert das Start-up aus den Samen der Süßlupine das Lupinenprotein-Isolat (LPI) und nutzt es zur Produktion von Lebensmitteln unter der Dachmarke MADE WITH LUVE. Die Samen bezieht Prolupin direkt aus Mecklenburg-Vorpommern. Denn wie alle Leguminosen gedeiht auch die Lupine besonders gut auf sandigen, nährstoffarmen Böden. Allerdings wächst sie im Gegensatz zur wärmebedürftigeren Sojabohne in allen Klimalagen – und somit auch in Europa.

Ihre Anspruchslosigkeit hat die Lupine vor allem ihren Wurzeln zu verdanken. Diese können bis zu zwei Meter tief in den Boden eindringen und schwer lösliche Phosphate mobilisieren. Werden nach der Ernte auf dem gleichen Feld andere Pflanzen gesät, profitieren diese nicht nur von den gelösten Phosphaten: „Lupinen können durch eine Symbiose mit Knöllchenbakterien auf einem Hektar bis zu 400 Kilogramm Stickstoff pro Jahr im Boden binden“, erklärt Prof. Peter Eisner, stellvertretender Leiter des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung.

Er hält die Vorlesung „Pflanzenprotein“ an der Technischen Universität München und beschäftigt sich seit Jahren mit der Süßlupine und ihren unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. „Da sie selbst nur ein Drittel des gebundenen Stickstoffs benötigen, bleibt für die nächste Pflanze mehr als genug natürlicher Dünger übrig. Bei anschließendem Weizenanbau können Lupinen als Zwischenfrucht einen Mehrertrag von bis zu 800 Kilogramm pro Hektar bewirken.“ Die Landwirtschaft sollte also verstärkt auf bodenverbessernde Zwischenfrüchte statt chemischer Düngemittel setzen – um auch künftigen Generationen fruchtbare Böden zu hinterlassen.

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