Goodio: „Kakao soll den Respekt und die Liebe bekommen, die er verdient.“

Goodio-Gründer Jukka Peltola
© Goodio

Schokolade ist aus dem Snack-Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch bedenken viele Konsumenten nicht, dass die süßen Versuchungen zum Billig-Preis oftmals zu einem bitteren Beigeschmack bei vielen Kakao-Bauern führen. Das muss aber nicht sein. Das skandinavische Unternehmen „Goodio“ möchte mit seinen Produkten nicht nur für mehr Wertschätzung für Schokolade sorgen, sondern auch mit radikaler Transparenz für eine bessere (unternehmerische) Welt sorgen. Wir haben Goodio zu dieser Mission und dem neuen Produkt „ChocOat“ interviewt.

Wie sieht die aktuelle Situation bei Goodio aus?
Jussi Salonen (Chief Operations Officer): Derzeit betreiben wir unsere Geschäfte in 14 Ländern in Asien, Europa und Nord-Amerika. Die USA sind dabei Unser größter Export-Markt gefolgt von den Skandinavien und Japan. Diesen Mai hat unser Export-Geschäft sogar die inländischen Verkäufe übertroffen. Wir erkennen hierin einen Trend, der sich sicherlich so fortsetzen wird. Insgesamt können wir so in diesem Geschäftsjahr auf einen erwarteten Umsatz von drei Millionen Euro blicken.

Die größte Frage, die Goodio Sie sich zu Beginn der Gründung stellten war: “Was wäre, wenn es eine Lebensmittelmarke gäbe, der man vertrauen kann”. Welche Antwort haben Sie für Goodio diesbezüglich gefunden?
Jukka Peltola (Gründer): Auch wenn es sich wie ein typisches Klischee anhören mag, aber die treibende Kraft in der Gründung von Goodio war es für mich, dass ich die Welt zu einem besseren Ort machen wollte. Das schafft man nicht, wenn man Geld als Priorität Nummer eins setzt; in den ersten 4 Jahren habe ich kein Gehalt erhalten, nicht einmal. Und als kleine Firma ist es schwierig, dass die eigene Botschaft gehört wird. Wir stellten uns also die Frage: “Mit so viel Lärm um uns herum, wie können wir es dennoch schaffen, dass Konsumenten uns finden und dann lernen was wir machen und warum wir es machen?”. Ich glaube, dass radikale Transparenz und Verantwortung die Schlüssel für uns waren, die uns in Richtung positiver Veränderung gebracht hat – die Schokolade und unser Unternehmen ist nur das Vehikel, um dieses möglich zu machen.

Ihre Unternehmesziele sind: Nachhaltigkeit, Wohlbefinden und Transparenz. Wie realisieren Sie das im operativen Geschäft?
Jukka Peltola (Gründer): Dies realisieren wir idealerweise, in allem was wir als Unternehmen seit der Gründung tun. Angetrieben von unseren eigenen Werten. Um Ihnen ein paar Beispiele hierfür zu geben:

All unsere Zutaten sind biologisch angebaut oder aus Wildwuchs. Wir nutzen lediglich den feinsten Kakao, der im Schatten gewachsen ist. All unsere Schokoladen haben einen hohen Kakao-Anteil von mindestens 50 Prozent. Wir nutzen Palmzucker statt weißem oder Rohrzucker. Wir stellen Mitarbeiter ein, die sonst Probleme haben eine Anstellung zu finden (min. 10 Prozent des Teams). All unsere Produkte sind vegan, gentechnik- und glutenfrei. Wir sind auf dem besten Wege zu radikaler Transparenz, was bedeutet, dass wir unsere Rezepte, die Herkunft der Zutaten und unsere Preise offenlegen und teilen. Und anstelle eines Marketingbudgets haben wir ein “Wirkungs-Budget”.

Ihr neuestes Produkt ist “ChocOat”. Was ist so besonders an diesem?
Jukka Peltola (Gründer): Wir wollten das bestmögliche Produkt kreieren, das eine Brücke für die konventionellen Milchschokoladen-Fans hin zu gesünderer und besserer Zartbitter-Schokolade baut. Für unsere ChocOats benutzen wir daher nur sehr hochwertigen Kakao aus Peru, welcher nachhaltig, fair und transparent von kleinen Farmern bezogen wird. Zudem bestehen die Riegel aus 24 Prozent glutenfreiem Hafer – damit also sehr gesunde Ballaststoffe. Auch nutzen wir 50 Prozent weniger Zucker im Vergleich zu konventioneller Milchschokolade und statt weißem Zucker setzen wir auf Kokosblütenzucker, welcher einen niedrigeren glykämischen Index hat, als weißer Industriezucker. Jeder Riegel besteht somit aus lediglich 4 oder 5 Zutaten und alle Geschmacksnuancen kommen von natürlichen Beeren oder Kräutern und stammen nicht aus “natürlichen” Aromen oder Extrakten.

Welche Marketingkampagnen haben Sie für die Einführung von „ChocOat“ geplant?
Moona Lehikoinen (PR & Communications Manager): Wie Jukka bereits sagte, setzen wir nicht auf ein klassisches Marketing-Budget, sondern auf ein Wirkungs-Budget. Das bedeutet, dass wir die Konsumenten nicht mit aggressiven Marketingkampagnen dazu bringen wollen unsere Produkte zu kaufen. Stattdessen wollen wir uns darauf fokussieren Gutes zu bewirken und einen wirklichen Einfluss auf die Welt zu haben. Natürlich kommen wir nicht weit, wenn wir nicht kommunizieren was wir gerade machen oder in der Zukunft planen. Deshalb liegt unser Fokus hauptsächlich darauf, unsere Geschichte (und die Schokolade) über Social-Media, traditionelle Medien, Events und Kooperationen in die Welt zu tragen.

Sie vertreiben „ChocOat“ erst in Großbritannien und später in den USA. Gibt es weitere Pläne für eine Expansion in andere Länder?
Jussi Salonen (Chief Operations Officer): Wir waren bisher sehr vorsichtig in unserer Markteroberungs-Strategie. Statt zu versuchen in so vielen Ländern wie möglich verfügbar zu sein, fokussieren wir uns darauf in unseren bestehenden Märkten eine stabile Position zu erreichen. Aber es gibt einen ziemlich großen Raum für weiteres Wachstum und deshalb halten wir aktiv unsere Augen offen für unsere organischen Wachstumspotentiale in anderen Ländern – besonders in Hinblick auf Deutschland und einige asiatische Länder.

Was sind denn überhaupt die (geschmacklichen) Vorteile von Roh-Schokolade im Vergleich zu herkömmlicher Schokolade?
Jukka Peltola (Gründer): Ich glaube, dass es gar nicht so sehr nur um den “rohen” Aspekt, sondern vielmehr um einen ganzheitlichen Blick geht. Die Schokoladen-Industrie und der Markt sind generell davon getrieben billigen Kakao in großen Mengen einzukaufen. Es ist ungefähr so, als würde der gesamte Wein in der Welt gleich schmecken und die Traube und die Herkunft sowie Anbau wären egal. Zudem würde man viele billige Füllstoffe hineingeben, nur um den Gewinn noch weiter zu maximieren.

Die Mehrzahl der Menschen weiß gar nicht wirklich, wie großartig und vielseitig der Rohstoff Kakao ist. Das ist auch der Grund, warum wir nur feinsten Kakao verwenden und diesen nur minimal verarbeiten. Kakao ist eine natürliche Zutat und ich glaube, dass unsere Schokolade deshalb so großartig schmeckt, weil wir auf eine gute Herkunft und sorgfältige Ernte achten. Wenn die Leute nur etwas mehr von Kakao verstehen würden, dann würden sie ihn auch mehr wertschätzen und anders konsumieren. Es geht um Qualität statt Quantität, sonst leidet nicht nur der Geschmack.

Aktuell herrscht in West-Afrika – wo 70 Prozent des weltweiten Kakaos herkommt – eine Katastrophe ethischen und ökologischen Ausmaßes. Viele der Farmer leben unter der Armutsgrenze, obwohl die Schokoladen-Industrie noch immer einen Wert von über 100 Milliarden US-Dollar hat. Wir reden hier über einen Paradigmen-Wechsel. Wir sind davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren Kakao den Respekt und die Liebe bekommen wird, die er verdient. Und das wird nicht nur den Markt verändern, sondern auch die Welt zu einem besseren Ort machen.

Was sind die Pläne für Goodio über die nächsten 5 Jahre gesehen?
Jussi Salonen (Chief Operations Officer): In den nächsten 5 Jahren wird Goodio weiterhin die Mission verfolgen, mit den weltbesten Schokoladen eine positive Veränderung zu bewirken. Dafür wird es so manch spannende Innovation in unserer Pipeline geben, vielleicht sogar über Schokolade hinaus.

Und im speziellen auf ChocOat bezogen, werden diese die Nummer eins Alternative in der „post Milchschokoladen Ära“