Interviews

Im Interview mit el origen: „Wir verfügen über eine großartige Produktbasis und eine Mission, die weit über den Snack hinausgeht“

Das Hamburger Food-Startup el origen steht für hochwertige Snacks aus Lateinamerika – biozertifiziert, fair gehandelt und mit großer sozialer Verantwortung gegenüber Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ecuador. Mit einer Mission, die weit über den Snack hinausgeht, will das Unternehmen zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Mehrwert sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken können.

Hendrik Dettmann, der neue CEO von el origen, bringt Erfahrung aus großen Konsumgüterunternehmen mit, um die junge Marke aus der Nische zu führen. Im Gespräch erläutert der 42-Jährige, warum er fest daran glaubt, dass Business eine positive Kraft für die Gesellschaft sein kann und muss.

Herr Dettmann, Sie sind seit Kurzem CEO bei el origen. Was gehen Sie an?

Im ersten Schritt gilt es, das volle Potenzial der Marke in eine klare Strategie für die kommenden drei Jahre zu überführen. Unsere Handelspartner haben uns in den letzten Jahren viel Vertrauen geschenkt, aber es ist etwas zu ruhig geworden um die Marke. Wir verfügen über eine großartige Produktbasis und eine Mission, die weit über den Snack hinausgeht. In den vergangenen Monaten gab es viele Veränderungen. Jetzt geht es darum, mit dem neu geformten Team die Marke auszubauen.

Hendrik dettman
Hendrik Dettmann © el origen

Was sind für Sie die größten Herausforderungen?

Eine wesentliche Herausforderung ist, das Verständnis für die Einzigartigkeit kleiner Marken zu stärken. Unsere Produkte sind nicht einfach nur lecker, sie tragen auch soziale und ökologische Verantwortung. Wir müssen klar machen, dass Wirtschaft anders funktionieren kann: Profit und Sinn müssen Hand in Hand gehen. Business kann eine Kraft für das Gute sein und genau das wollen wir bei el origen vorleben.

Was bedeutet diese Verantwortung konkret für el origen?

Unsere Snacks stammen aus biozertifiziertem Anbau in Ecuador, wo Kleinbauern und -bäuerinnen in Kooperativen zusammenarbeiten. In einem aktuellen Fall tragen wir zum Beispiel dazu bei, dass 62 Frauen ein deutlich höheres, planbares Einkommen haben. Davon profitieren mehr als 800 Angehörige. Solche Strukturen stärken ganze Gemeinden, reduzieren das Risiko von Kinderarbeit, weil Kinder in die Schule gehen können, und schützen die Umwelt durch nachhaltigen Mischkulturanbau, der industrielle Monokulturen vermeidet.

© el origen
© el origen

Sie haben vor kurzem Produktionsstätten besucht. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Ja, ich war im Oktober vor Ort und habe die Menschen kennengelernt, die unsere Kochbananen und Maniokwurzeln anbauen. Das waren sehr emotionale Momente für mich. Es wurde deutlich, wie viel hinter jedem Produkt steckt, Arbeit, Hingabe und die Verantwortung, mit der dort produziert wird. Diese Begegnungen motivieren mich, denn sie zeigen, dass unser Business echten Mehrwert schafft.

Die Nachfrage nach Kochbananen und Maniok steigt weltweit. Welche Rolle spielen dabei Förderprogramme der EU? Welche Rolle spielen dabei Subventionen?

Bio-Kochbananen und Maniok sind international stärker gefragt; was wir natürlich begrüßen. Gleichzeitig fördern EU-Programme in Ländern wie Ecuador gezielt den nachhaltigen Anbau solcher Rohwaren. Diese Mittel ermöglichen den Kleinbauern, ihre Produktion effizienter und ökologischer zu gestalten und langfristig stabile Strukturen aufzubauen. Für Unternehmen wie uns entstehen dadurch verlässlichere Rahmenbedingungen – ohne solche Projekte wäre ein fair und nachhaltig aufgebautes Liefermodell deutlich schwerer umzusetzen.

Wie wollen Sie el origen wirtschaftlich weiterentwickeln?

Wir setzen auf organisches Wachstum und auf eine Balance zwischen Skalierung und Nachhaltigkeit. Dazu erweitern wir unsere Produktionskapazitäten in Ecuador und bald auch Peru – ohne Abstriche bei Qualität oder sozialen Standards. Parallel stärken wir unsere Präsenz im deutschen Handel und sprechen mit gezielten Marketingmaßnahmen eine breitere Zielgruppe an.

© el origen
© el origen

Gibt es Pläne für neue Produkte?

Absolut. Lateinamerika ist geschmacklich ein unglaublicher Schatz, den wir in Europa noch nicht vollständig erschlossen haben. Wir arbeiten an neuen Produkten, um diese Vielfalt zu repräsentieren und den Konsumentinnen und Konsumenten näherzubringen.

Wie stark drückt der nachhaltige Ansatz auf die Marge?

Natürlich könnten wir das Produkt auf unterschiedliche Weise deutlich günstiger herstellen. Wir produzieren bewusst vor Ort, um einen großen Teil der Wertschöpfung im Ursprungsland zu belassen. Wir sind überzeugt, nur so können wir das Geschmackserlebnis und die Qualität anbieten, die unsere Snacks haben. Konsumentinnen und Konsumenten sind heute informierter, gesundheitsbewusster und achten stärker auf Qualität. Das kommt unserem Ansatz entgegen. Für uns bleibt deshalb entscheidend, ein Produkt zu entwickeln, hinter dem wir inhaltlich und ethisch stehen können.

Wie positionieren Sie el origen gegenüber großen Snackmarken?

El origen differenziert sich auf mehreren Ebenen. Die Marke steht für Leichtigkeit, lateinamerikanischen Lifestyle und eine eigenständige Geschmackswelt. Unsere Produkte bestehen aus wenigen, klaren Bio-Zutaten Kochbanane oder Maniok, Sonnenblumenöl und Gewürze. Mehr braucht es nicht. Wir setzen zudem auf direkten Handel mit fairen Preisen, sodass ein Großteil der Wertschöpfung vor Ort bleibt. Diese Transparenz und Echtheit unterscheiden uns von großen Konzernen. Eine wichtige Aufgabe in unserer Kommunikation ist es deshalb, el origen aus der Nische herauszuführen und stärker als Lifestyle-Marke zu positionieren.

El origen chips
© el origen

Der Preis ist im Handel oft das entscheidende Kaufkriterium. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung?

Richtig, am Regal zählt oft der Preis, um kompetitiv zu bleiben, berücksichtigen wir dies natürlich bei unserer Strategie. Er ist aber nicht einzig und allein kaufentscheidend und unsere Stärke liegt darin, ein in sich stimmiges Produkt anzubieten. Bei unserem Qualitätsversprechen und unserem sozialen Ansatz wollen wir keine Kompromisse machen und diese „Echtheit“ gibt es nun mal nicht in der Billigvariante.

Wie haben Sie die letzten Monate mit Blick auf Handel und Markenentwicklung erlebt?

Die letzten zwei Jahre waren von intensiven Veränderungen geprägt. Mittlerweile spüren wir, dass der Handel uns langsam wieder mehr Vertrauen schenkt. Das ist eine wichtige Grundlage, um gemeinsam voranzukommen. Dabei sind auch wir gefordert, unsere Hausaufgaben zu machen.

Was erwarten Sie vom Handel in Zukunft?

Der Handel trägt Verantwortung – Vielfalt zu fördern und unabhängigen Marken wie uns Raum zu geben. Es braucht dafür eine respektvolle Haltung und langfristiges Denken. Glücklicherweise blicken wir bereits auf einige stabile Partnerschaften im Handel, die wir weiter ausbauen werden. Gleichzeitig wünschen wir uns mehr Sichtbarkeit im Regal – denn nur so können wir zeigen, welches Potenzial unsere Produkte haben.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Marktes für nachhaltige Snacks ein?

Wir sehen einen deutlichen Trend zu gesünderer Ernährung, Qualität und Transparenz. Konsumentinnen und Konsumenten wollen wissen, wo ein Produkt herkommt, das gilt auch für Snacks. Das Segment wächst überproportional, und solange man sich preislich nicht zu weit vom Durchschnitt der Kategorie entfernt, dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen.

Herr Dettmann, wir bedanken uns für das Gespräch.

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