Veganz verzeichnet 2019 gesundes Wachstum und ist jetzt eine AG

Jan Bredack, Gründer von Veganz (Foto: Veganz)

Veganz ist 2019 gesund gewachsen und mittlerweile in Europa an über 10.000 Verkaufspunkten erhältlich. Weitere Einzelheiten zur Entwicklung von Veganz in diesem Jahr erläutert CEO Jan Bredack im Interview mit vegconomist.

Was waren die Highlights der letzten Monate?

Wir haben uns in diesem Jahr sehr gut entwickelt und steuern mit einem gesunden Wachstum auf einen guten Jahresabschluss zu. Zu den vielen Highlights gehört vor allem die Einführung unseres eaternity Nachhaltigkeitsscores im Februar dieses Jahres, mit dem wir inzwischen auf vielen Produkten ausweisen, wieviel CO2 und Wasser diese bei der Herstellung verbrauchen, und ob Regenwald und Tierwohl geschützt sind. Diese Neuheit hat uns als Unternehmen sehr viel Aufmerksamkeit gebracht und wird die Lebensmittelbranche nachhaltig beeinflussen. Darauf sind wir sehr stolz, denn wir sorgen mit dieser Innovation für mehr Transparenz in der gesamten Branche. Während andere Branchen, wie Automobil, Immobilien oder Elektrogeräte, einen Energieausweis haben, gab es so etwas bis dato nicht im Lebensmittelhandel.

Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr erstmalig eine große 360-Grad-Marketing-Kampagne im DACH-Raum durchgeführt. Vor allem die dazugehörige TV-Werbung im September und Oktober stellt für unsere Marke und unser Unternehmen einen wichtigen Meilenstein in unserer noch jungen Historie dar. Möglich wurde diese Kampagne vor allem durch die enge Partnerschaft mit ProSiebenSat1 Media, die wir im Verlauf noch um eine weitere Partnerschaft mit Google erweitern konnten. Die TV-Kampagne war ein voller Erfolg und wurde vom Handel und von unseren neuen sowie bestehenden Kunden sehr gut angenommen. Unsere internen Analysen zur Kampagne zeigen, dass unsere Erwartungen übertroffen worden sind. Wir konnten allein unsere Markenbekanntheit in der Bevölkerung um über 3 Prozentpunkte steigern.

In welchen Ländern seid ihr in wie vielen Super-Märkten präsent?

Aktuell sind wir an mehr als 10.000 PoS in 26 Ländern zu finden. Aufgrund unserer großen Sortimentsbreite können wir uns sehr gut an die Bedürfnisse in den jeweiligen Märkten anpassen.

Unsere Vision ist, vegane Produkte und die pflanzliche Lebensweise für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Entscheidend sind für mich dabei auch über unterschiedliche Vertriebslinien hinweg zwei Dinge: Wie fair und nachhaltig sind und bleiben unsere Wertschöpfungsketten und mit welchen Konzepten können wir gemeinsam mit unseren Handelspartnern einerseits die Auswahl und Vielfalt pflanzlicher Produkte steigern und andererseits ein unserer Philosophie entsprechendes, nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln. Das erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen und genau das erlebe ich aktuell in den Gesprächen und Geschäftsanbahnungen.

In unseren Wertschöpfungsketten nutzen wir unsere Gestaltungsmöglichkeiten, wie das Beispiel unseres Nachhaltigkeits-Labels zeigt. Unser eaternity Nachhaltigkeitsscore auf den Verpackungen weist nicht nur die konkrete Klimabilanz (CO2, Wasser, Regenwald, Tierwohl) unserer Produkte aus, sondern über ihn lernen wir auch, wie die Inhaltsstoffe unserer Produkte noch klimafreundlicher gesourct werden können. Wenn wir etwas im Rahmen des Klimaschutzes beim Sourcing der Rohstoffe unternehmen, dann kann dies auch die sozialen Bedingungen im Land deutlich verbessern, z. B. sauberes Trinkwasser. Damit zahlen wir auf die Ziele für Nachhaltige Entwicklung der UN ein.

Auf der anderen Seite ist der einfache Zugang zu veganen Produkten – vor allem auch über die Discounter, die einen Marktanteil von über 40 % in Deutschland haben – für viele Menschen ein sinnvoller Schritt, um ihre Ernährung zu ändern. Und mit unseren Produkten müssen die Kunden dabei auch auf nichts verzichten, was sie aus der omnivoren Ernährung gewöhnt sind – weder geschmacklich noch von der Sortimentsauswahl.

Wie groß ist eure Produktpalette, was sind die jüngsten Neuzugänge?

Inzwischen kommen wir auf über 200 Produktentwicklungen im veganen Bereich. Wir haben natürlich nicht mehr alle davon im Sortiment, aber unser Fokus liegt weiterhin auf einem veganem Vollsortiment, das wir ständig optimieren und mit neuen Produkten ergänzen.

Jüngst zur Anuga haben wir eine weitere Weltneuheit und Foodinnovation vorgestellt: den Veganz Räucherlaxs. Dazu muss ich ein wenig den Kontext erläutern: Laut Untersuchungen der FAO gelten 33,1 % der weltweiten Fischbestände als überfischt und weitere 66,9 % werden bereits maximal befischt. Der Druck auf das Ökosystem Meer und die Artenvielfalt wird durch die Klimaentwicklung noch deutlich erhöht. Prognosen zufolge könnte der weltweite Fischbestand um bis zu 85 % zurückgehen.

Auf Basis atlantischer Meeresalgen ist unsere vegane Lachsalternative daher ein echtes Klimawunder: CO2-arm in der Produktion schützt er die weltweiten Fischbestände und übertrifft gleichzeitig konventionellen Lachs in seinem Omega-3 Anteil. Der Laxs ist geräuchert über Buchenholz und schmeckt wie das Original, zudem eignet er sich für alle kulinarischen Varianten in der Zubereitung. Die Nachfrage danach war auf der Messe sehr groß und er wird Weihnachten in den Handel kommen.

Welche Produktkategorien entwickeln sich überdurchschnittlich?

Wir haben in allen Produktkategorien sehr gute Entwicklungen. Vor allem unsere Tiefkühlpizzen entwickeln sich überdurchschnittlich, aber auch im Bereich der natürlichen Snacks verkaufen sich unsere neuen Clean-Label-Snack-Bars sehr gut. Wir entwickeln inzwischen mehr Clean-Label-Produkte und das kommt am Markt sehr gut an. Die Snack-Bars haben nur 3 bis 5 Zutaten. Sehr erfolgreich sind und bleiben auch unsere Choc und Protein Choc Bars.

Was sind eure Pläne für die nächsten Monate?

Wir bereiten uns strukturell für weiteres Wachstum vor. Die Veganz GmbH wurde in eine AG umgewandelt. Wir haben den Aufsichtsrat mit Top-Branchenexperten besetzen können, dessen Vorsitz Roland Sieker, ehemaliger Top-Manager bei Unilever, übernimmt. Ebenfalls im Aufsichtsrat sind Ronny Gottschlich, ehemaliger Lidl UK Manager, Manon Littek, CEO von Katjesgreenfood, Martin Jager, ehemals Döhler Group, und Stefan Blaschek, ehemaliger Vorstandvorsitzender der Berentzen Gruppe AG.

Darüber hinaus planen wir, zum Jahresende eine Anleihe an der Frankfurter Börse zu begeben, mit der wir u. a. den weiteren Markenausbau und die Internationalisierung voranbringen wollen.

Welche neuen Produkte werdet ihr dieses Jahr noch launchen?

In diesem Jahr launchen wir den Veganz Räucherlaxs. Zum Jahresanfang 2020 bringen wir neue Pizzen auf den Markt. Sie werden in den Sorten Tricolore und Spinaci erhältlich sein. Beide Pizzen werden per Hand belegt, im Holzofen gebacken und bestechen durch ihre cremig-würzige Soße auf Blumenkohlbasis. Letztere dient als raffinierte, vegane Mozzarella-Alternative.

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