Studie: Verzehr von rotem Fleisch erhöht Sterblichkeitsrisiko

Man cutting red beef meat
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Eine aktuelle Studie bringt den übermäßigen Verzehr von rotem Fleisch in Zusammenhang mit einer geringeren Lebensdauer. Chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs werden schon seit längerem mit dem tierischen Produkt in Verbindung gebracht. Die neuen Daten zeigen nun auch ein erhöhtes Risiko, frühzeitig zu versterben.

Wirken sich Veränderungen im Verzehr von rotem Fleisch auf das menschliche Sterblichkeitsrisiko aus?

Diese Frage stellte sich eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA und China. Sie untersuchten daher Daten von knapp 81.500 US-amerikanischen Erwachsenen. Die Studienergebnisse wurden nun in der medizinischen Fachzeitschrift The BMJ veröffentlicht.

Die Datenbasis bildeten zwei laufende prospektive US-Kohortenstudien: die Nurses’ Health Study (NHS) und die Health Professionals Follow-Up Study (HPFS). Das Essverhalten der Probanden in diesen Studien wurde alle vier Jahre erfragt. Die Forscher analysierten auf dieser Grundlage den Verzehr von rotem Fleisch über einen Zeitraum von acht Jahren sowie die Sterblichkeitsraten der darauffolgenden acht Jahre. Dabei wurde der Effekt von verarbeitetem und unverarbeitetem roten Fleisch auch separat analysiert.

Erhöhter Verzehr von rotem Fleisch zeigt negativen Effekt

Innerhalb des Beobachtungszeitraums waren mehr als 14.000 Todesfälle zu verzeichnen. Die Hauptursachen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen (v.a. Demenz, Parkinson).

Die Zunahme des Gesamtverzehrs von rotem Fleisch um mindestens eine halbe Portion pro Tag war innerhalb der Studienpopulation mit einem 10% höheren Mortalitätsrisiko verbunden. Dabei führte der Konsum von unverarbeitetem roten Fleisch zu einem 9% höherem Risiko, verarbeitetes rotes Fleisch sogar zu einem 13% höheren Risiko. Der Zusammenhang zwischen einem erhöhten Konsum von rotem Fleisch und dem Sterblichkeitsrisiko war in allen untersuchten Untergruppen konsistent, unabhängig von Faktoren wie Alter, körperlicher Aktivität, Raucherstatus, Ernährungsqualität oder Alkoholkonsum. Hingegen konnte in der Studie kein Zusammenhang zwischen einem abnehmenden Fleischverzehr und dem Sterblichkeitsrisiko hergestellt werden.

Laut Forscher-Team könnte eine Kombination mehrerer ungünstiger Faktoren Grund für das erhöhte Sterblichkeitsrisiko sein. Gesättigte Fettsäuren und Cholesterin in rotem Fleisch und der hohe Natriumgehalt in verarbeiteten Produkten sind Risikofaktoren für Atherosklerose (“Gefäßverkalkung”) und Bluthochdruck und können die Sterblichkeit aufgrund von u.a. Schlaganfällen und Herzinfarkten erhöhen.

Länger leben dank pflanzlicher Proteine

Pflanzliche Produkte können aufrund ihrer deutlich günstigeren Zusammensetzung daher eine gesündere Protein-Alternative zu Fleisch darstellen. “Eine Änderung der Proteinquelle oder der Verzehr von gesunden pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse oder Vollkornprodukten kann die Lebensdauer verlängern.”, so die Forscher.

“Wir sagen nicht, dass jeder Vegetarier oder Veganer werden sollte”, meint Hauptautor Professor Frank B. Hu von der Bostoner Harvard TH Chan School of Public Health gegenüber dem Guardian. “Es ist jedoch von großem Vorteil, wenn Sie einen Teil des roten Fleisches durch pflanzliche Lebensmittel ersetzen.”

Besonders wichtig sei das, was genau man anstatt des Fleisches zu sich nimmt. “Es ist keine gute Idee, [den Fleischverzehr] zurückzuschrauben und mehr ultraverarbeitete Lebensmittel und Zucker zu essen.”, so Hu.

Ein entscheidender Faktor für die Verbraucher seien dabei auch die Kosten für pflanzliche Lebensmittel. Gesündere Lebensmittel müssten erschwinglicher werden. Professor Hu mahnt an: “Wenn die gesünderen Alternativen nicht zugänglich und zu teuer sind, ist es für die Menschen sehr schwierig, ihre Essgewohnheiten zu ändern.”

Kohortenstudien

Die vorliegende Studie basiert auf Daten von zwei Kohortenstudien. Bei Kohortenstudien handelt es sich um analytische Beobachtungsstudien, die retrospektiv oder prospektiv durchgeführt werden können. Untersucht werden zwei oder mehrere Gruppen, die unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt sind. Das Studiendesign ermöglicht es somit, mehrere Faktoren und deren Auswirkungen gleichzeitig zu untersuchen. Zwar können durch Kohortenstudien keine kausalen Zusammenhänge ermittelt werden, die Studien liefern jedoch wichtige Hinweise auf Zusammenhänge zwischen bestimmten Faktoren und z.B. dem Auftreten von Krankheiten, da eine klare zeitliche Abfolge zwischen Exposition (hier: Veränderung der Aufnahme von rotem Fleisch) und Merkmal (hier: Versterben) besteht. Kohortenstudien spielen in der Ernährungswissenschaft eine große Rolle, da sie kosteneffizienter und in der Regel weniger aufwändig sind als experimentelle Interventionsstudien und zudem größere Studienpopulationen untersuchen können.

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