Wie AlgiKnit mit Fasern aus Seetang das Mode-Ökosystem transformieren will

Prozess zur Herstellung von Algengarn.
Prozess zur Herstellung von Algengarn (© AlgiKnit)

AlgiKnit ist ein Biotech-Start-Up mit Sitz in New York, das strapazierfähige Garne aus Seetang herstellt. Das Unternehmen will damit das maritime Ökosystem schonen und zugleich eine nachhaltige und ethische Faser schaffen, die zu Textilien für die Modeindustrie verarbeitet werden kann.

Um das Garn herzustellen, extrahiert das Forscherteam das sogenannte Alginat aus Seetang, Seegras oder Algen. Das Alginat wird zur Weiterverarbeitung mit anderen erneuerbaren Biopolymeren kombiniert. Die biologisch abbaubare Faser ist stark und dabei dehnbar genug, um zu einem Textil gestrickt zu werden. Außerdem eignet sie sich zum Einsatz in 3D-Druckverfahren. Das Garn erhält seine Farbe durch natürliche Pigmente. Anders als bei der herkömmlichen industriellen Färbung wird dafür weniger Wasser benötigt und auf den Einsatz von giftigen Färbechemikalien kann komplett verzichtet werden. Der gesamte Produktionsprozess weist zudem einen minimalen CO2-Fußabdruck auf.

Ein Garn, das gut für die Umwelt ist und sich in eine Kreislaufwirtschaft einfügt

Algen zählen zu den am schnellsten wachsenden Organismen der Welt. Die große Braunalge wächst rund zehn Mal schneller als Bambus. Sie wird bereits an den Meeresküsten der Welt von Fischern angebaut und verkauft, die sich so ein Einkommen außerhalb der Saison erschließen können.

Algen sind ökologisch wertvolle Rohstoffe, denn sie tragen aktiv zum natürlichen Wasserklärprozess bei, indem sie Nährstoffe aus der Landwirtschaft und Kanalisation aus den Küstengewässern aufnehmen. Laut Webseite von Algiknit legt die Firma zudem Wert auf einen zirkulären Produktionskreislauf: das nicht mehr benötigte Material wird wieder zu Nahrung für Mikroorganismen im Meer und an Land. Seetang ist somit ein ideales Material für die Zukunft der nachhaltigen Textilproduktion.

Das erste Kleidungsstück aus Algengarn ist in Entwicklung

Algiknit ist auf Erfolgskurs. Das Unternehmen war 2017 Teil des RebelBio Accelerator Programms in London – aus dem bereits zahlreiche erfolgreiche Biotech-Start-Ups hervorgingen und es wurde 2018 für den namhaften Fashion for Good – Plug and Play Accelerator in Amsterdam ausgewählt. Im November konnte das Team zudem ein Seed-Investment von 2,2 Millionen Dollar sichern.

Das Team entwickelt zurzeit Prototypen für ein T-Shirt und testet das Material hinsichtlich der Anwendung bei Schuhen. Algiknit kann zukünftig möglicherweise anstatt Leder eingesetzt werden oder Wollfasern in der Oberbekleidung ersetzen.

Dieser Artikel stammt von Mirjam Walser, Mitgründerin von Faloa, dem Onlineshop für vegane, nachhaltige und faire Mode. (Launch 2019)

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