Nestlé Ernährungsstudie 2019 zeigt Verbindung zwischen sozialem Status und Essverhalten in Deutschland

Nestlé Ernährungsstudie 2019 Teller
© Nestlé Deutschland AG
Anzeige
Veggieworld (in 18 Städten weltweit)- Jetzt Standfläche sichern und Veggie-Zielgruppen besser erreichen.

Laut der von Nestlé in Auftrag gegebenen Studie „So is(s)t Deutschland 2019“ zum Essverhalten der Deutschen, die kürzlich gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach in Frankfurt am Main vorgestellt wurde, hat sich das Ernährungsverhalten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren erheblich verändert.

Für die Ergebung wurden 1636 Bundesbürger zwischen 14 und 84 Jahren befragt, deren Aussagen mit den Ergebnissen der ersten Nestlé Studie aus dem Jahr 2009 verglichen wurden. „Unsere Erkenntnisse aus der Studie nutzen wir dafür, unser Portfolio auf die Ansprüche der Verbraucher anzupassen – mit Fokus auf Convenience, Gesundheit und ökologische und soziale Nachhaltigkeit“, sagt Marc Boersch, Vorstandsvorsitzender der Nestlé Deutschland AG. Nicht nur legen Frauen nach wie vor mehr Wert als Männer auf eine bewusste Ernährung, auch werden in den Studienergebnissen zunehmende Unterschiede zwischen den Ernährungsgewohnheiten hinsichtlich der sozialen Schichten sichtbar.

Heterogene Lebensstile verdrängen gemeinsames strukturiertes Essen

„Die Ernährungskultur wird immer heterogener. Ernährung wird immer mehr an die individuellen Bedürfnisse und Lebenssituationen angepasst. Dadurch lösen sich feste Gewohnheiten auf und die Ansprüche an die eigene Ernährung wie der Ernährungsalltag unterscheiden sich immer mehr“, erklärt Professor Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Als Ursachen nannte Köcher den zunehmenden Zeitmangel durch die steigende Erwerbsquote, die Entstrukturierung der Tagesabläufe wie auch die generell zunehmende Spontanität und Individualisierung der Gesellschaft. Insbesondere warme Mahlzeiten, das Mittagessen als Hauptmahlzeit sowie gemeinsame Mahlzeiten unter der Woche haben den Studienergebnissen zufolge an Bedeutung verloren.

Spannungsgefüge, hohe Ansprüche und Alltagsstress

Trotz des hohen Zeitdrucks, unter dem die Befragten stehen, wachsen ihre Ansprüche an Lebensmittel bezüglich Qualität, Gesundheit und Frische. Der Wunsch „sich gesund zu ernähren“ ist unter den Verbrauchern in zehn Jahren von 52 Prozent auf 55 Prozent gestiegen und heute möchten 13 Prozent mehr Menschen als 2008 ihr Essen frisch zubereiten, bei Müttern sind es hier sogar nochmals 33 Prozent mehr. „Kochen, um zu wissen, was im Essen drin ist“ möchte mittlerweile jeder zweite, wohingegen es 2008 noch 41 Prozent waren.

Aber durch Zeitmangel und den entstrukturierten Alltag ist die gegenwärtige Ernährung zunehmend spontan, impuls- und gelegenheitsgetrieben, da die Menschen mit der Herausforderung konfrontiert sind, ihre Ernährung vor dem Hintergrund der verfügbaren Zeit zu optimieren. Die Zeit, die sich die Befragten zum Essen nehmen, ist für alle Mahlzeiten am Tag gleichermaßen gesunken. Derweil ist ein Anstieg der Zahl der Befragten zu verzeichnen, die angaben, dann zu essen, wenn Sie gerade Zeit oder Hunger haben.

Restaurantbesuch aus Zeitersparnis und Entspannung

Die steigende Zahl von Restaurantbesuchen ist unter Anderem auf die stetig ansteigende Erwerbsquote der Frauen und dem einhergehenden neuen Rollenverständnis zurückzuführen. Zwei von drei Frauen mit Kindern möchten vor allem unter der Woche möglichst wenig Zeit für das Kochen aufzuwenden, 18 Prozent mehr als noch 2008 (47 Prozent).

Restaurantbesuche sind für etwa die Hälfte aller Befragten und 59 Prozent der weiblichen Befragten eine Erleichterung, weil es „weniger Aufwand bedeutet und sie es genießen, sich um nichts kümmern zu müssen“. Außerdem begründen viele ihre Besuche mit einem sozialen Mehrwert: Jeder Zweite begründet seinen Restaurantbesuch damit, dass es eine gute Möglichkeit sei, sich mit anderen zu treffen. 42 Prozent sagen, sie gehen auswärts essen, um sich gut und entspannt zu unterhalten.

Die sozialen Schichten essen immer unterschiedlicher

Der hohe Stellenwert einer guten Ernährung hat sich unter den Befragten mit einem Anstieg von zwei Prozentpunkten auf 65 Prozent kaum verändert. Allerdings zeigt sich eine zunehmende Polarisierung im Vergleich unterschiedlicher sozialer Gruppen: In höheren sozialen Schichten ist der Wert von 75 auf 81 Prozent gestiegen, wohingegen er in schwächeren sozialen Schichten von 53 auf 49 gesunken ist.Der Abstand hat sich damit in zehn Jahren um 10 Prozentpunkte vergrößert und liegt nun bei 32 Prozent.

Umgekehrt ist der Wert derjenigen, die finden, dass „zu viel Wirbel“ um das Thema Ernährung gemacht wird, zwar auch nur von 48 auf 52 Prozent gestiegen, bei den gesellschaftlich schwächeren Schichten jedoch von 54 auf 66 Prozent überproportional. Auch hier hat sich der Abstand um 10 auf 25 Prozentpunkte vergrößert. Ähnliche Entwicklungen finden sich nahezu bei allen abgefragten Einstellungen zur Ernährung: Ob Regionalität, Saisonalität, der Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe, artgerechte Tierhaltung, Bio- und Ökoprodukte, umweltfreundliche Verpackungen oder fairer Handel.

Gesetze Ernährungsziele scheitern an schlechten Essgewohnheiten

Trotz vieler Unterschiedlichkeiten haben rund 90 Prozent der Befragten den Anspruch, mit der eigenen Ernährung ein konkretes Ziel zu erreichen. Hauptmotivationen sind Fitness (60 Prozent), Gesundheit (57 Prozent) und das persönliche Wohlbefinden (51 Prozent), dicht gefolgt von Selbstoptimierung (35 Prozent) und dem eigenen Aussehen (24 Prozent). Dennoch ist die Mehrheit der Menschen mit 85 Prozent – dem gleichen Wert wie in 2008 – trotz Verbesserung des Angebots mit ihrem Ernährungsverhalten nicht rundum zufrieden.

Dabei nehmen die die Befragten vorwiegend vier Ernährungsdefizite an sich selbst wahr: allen voran abendliche Heißhunger-Attacken (33 Prozent), zu wenig Konsum von Obst und Gemüse (31 Prozent), zu fettiges Essen (28 Prozent) oder zu wenig Zeit zum Essen (25 Prozent). Während lediglich 5 Prozent ihre Gewohnheiten auf ein zu ungesundes Ernährungsangebot zurückführen, sehen die meisten Teilnehmer die Verantwortung dafür vorrangig bei sich selbst: Etwa die Hälfte gibt zu, auf manche Dinge einfach nicht verzichten zu wollen auch in dem Wissen, dass sie ungesund seien.

Wunsch nach Erleichterung und Zeitersparnis größer als an Produktinnovation

An der Weiterentwicklung von Nahrungsmitteln zeigen viele Konsumenten derweil weniger Interesse: So würden nur 5 Prozent der Befragten Insekten als Fleischersatz tatsächlich akzeptieren und nur 15 bzw. 9 Prozent wünschen sich innovative Produkte zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit oder auf ihre eigene genetische Struktur abgestimmte Lebensmittel.

Dagegen plädieren 43 Prozent für die Möglichkeit intelligenter Verpackungen, die über den Zustand und die Frische des Lebensmittels Auskunft geben. Jeder Fünfte würde sich zudem über Küchenroboter, eine automatische Erfassung des Einkaufs an der Kasse oder intelligente Kühlschränke freuen. Anstatt einer Weiterentwicklung von Nahrungsmitteln an sich besteht bei einem Großteil der Befragten somit ein größerer Wunsch nach Möglichkeiten, die ihnen im Alltag Erleichterung und Zeitersparnis bei Einkauf und Nahrungszubereitung bringen.

Chancengleichheit für gute Ernährung

„Die auseinandergehende soziale Schere sehen wir kritisch. Wir wollen alle Ernährungstypen dabei unterstützen, ihre persönlichen Ziele und Ansprüche umzusetzen. Ernährung soll unkompliziert, gesund und mit gutem Gewissen zu genießen sein“, sagt Marc Boersch, Vorstandsvorsitzender der Nestlé Deutschland AG. „Wir wollen in Zukunft noch näher an den Bedürfnissen der Menschen sein und sie in ihrem Alltag unterstützen – mit Innovationen, gesunder Convenience, Services und Informationen.“ Als Beispiel führte Boersch den kürzlich lancierten veganen „Garden Gourmet Incredible Burger“ an, der Convenience, Gesundheit und Nachhaltigkeit auf sich vereint.

Anzeige
Kennen Sie schon unsere internationale Ausgabe? Hier klicken (Link auf vegconomist.com) vegconomist (nicht veconomist)