Veganes Design holt gegenüber dem pflanzlichen Ernährungstrend auf

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Die Nachfrage nach veganen Produkten beschränkt sich seit Neuestem nicht mehr nur auf Lebensmittel, das Wachstum im Bereich veganer Mode und veganem Interieur nimmt ebenfalls Fahrt auf. Designer und Produzenten aus der Szene berichten, dass eine branchenweite Veränderung bei den Verbrauchern bemerkbar ist.

Seit Anfang 2019 haben bereits mehrere vegane Design- und Modeereignisse international Schlagzeile gemacht. Im Februar fand in Los Angeles die erste vegane Fashion Week statt, in London konnte die erste vegane Hotelsuite im Hotel Hilton bezogen werden und Design-Schwergewicht Philippe Starck präsentierte sein erstes veganes Sofa mit einem Bezug aus Apfelleder.

Don Kwaning, Schöpfer einer veganen Lederalternative, prognostiziert, dass vegane Mode und Designprodukte bald genau so gefragt sein werden, wie die pflanzlichen Lebensmittel. Die Entwicklung neuer pflanzenbasierter Lebensmittel ist aufgrund der starken Nachfrage nahezu explodiert. Die Modeszene liegt diesbezüglich zwar noch einige Jahre zurück, Alternativen zu Leder und Wolle werden jedoch zunehmend besser verfügbar und können somit in absehbarer Zeit zum Mainstream werden.

Die Lebensmittelindustrie führt den veganen Wandel an

Was wir essen, beschäftigt uns mehrmals täglich. Erst in einem zweiten Schritt beginnen wir zu fragen, inwiefern eigentlich die Gegenstände, die uns umgeben, ebenfalls vegan und nachhaltig sind.

Hier liegt eine der größten Herausforderungen. Die Konsumenten und Konsumentinnen müssen noch von der Qualität und Vorteile der veganen Materialien überzeugt werden. Die gesundheitlichen Vorteile aus der Nahrungsmittelbranche können hier nicht angewendet werden. Es zählt vor Allem die intrinsiche Motivation, nachhaltige und tierfreie Materialien verwenden zu wollen. Dafür braucht es allerdings noch vermehrt Aufklärungsarbeit. Bei den Nahrungsmitteln hat sich „vegan“ durchgesetzt und auch sogenannte Flexitarier erkennen bereits die Vorteile der pflanzenbasierten Ernährung für sich; im Gegensatz dazu ist für viele der Begriff „vegane Mode“ oder „veganes Design“ noch fremd.

Doch es braucht nicht nur einen kulturellen Wandel bei den Verbrauchern, sondern auch bei den Produzenten. Die meisten Textilhersteller haben bisher nicht über die ethische Komponente ihrer Materialien nachgedacht. Die Verwendung von Leder oder tierischem Leim war einfach eine Frage der Gewohnheit und einfachen Verfügbarkeit.

Das ist auch der Grund, der viele Jungdesigner antreibt, neue Stoffe zu entwickeln und vegane Produkte zu kreieren. Als Motivator für die eigene Arbeit zählt neben dem Interesse, ein nachhaltiges Material zu schaffen, oft auch das frustrierende Gefühl, keine echte Alternative zu finden. So war es zum Beispiel bei Laura Stageman, Gründerin der veganen Uhrenmarke Votch. Auf ihrer Website erzählt sie, dass sie schockiert war, keinen hochwertigen Uhrenanbieter mit einem veganen Lederarmband zu finden. Sie gründete kurzerhand ihre eigene Marke, die Ananasleder für das Armband verwendet.

Autoindustrie als Treiber für nachhaltige Lederalternativen

Ein gutes Beispiel, wie die Herstellerseite auf die Konsumentennachfrage reagiert und die Forschung vorantreibt, ist überraschenderweise die Automobilindustrie. Seit 2016 verkauft Mercedes Autos mit komplett veganer Innenausstattung. Tesla, das Statussymbol für nachhaltig orientierte Menschen schlechthin, hat ebenfalls auf Druck der gesteigerten Nachfrage Kunstleder eingeführt und verkauft dies nun als Standardversion. Volvo hat Anfang März angekündigt, dass das Unternehmen 2020 ein Elektroauto mit veganem Interieur auf den Markt bringt.

Das Sitzleder in Autos muss strapazierfähig und lange haltbar sein. Es ist daher auch für Taschen- und Schuhdesigner interessant, die Entwicklungen im Automobilsektor zu verfolgen.

Die nächste Welle veganer Innovationen wird aus dem Modebereich kommen

Im Moment stürzen sich die Investoren auf vegane Food-Startups und Biotechnologieunternehmen. Insider erkennen jedoch einen weiteren Trend in veganer Mode und Interieur. Damit sich ein Trend etabliert, benötigt es eine gesellschaftliche Bereitschaft. In der Modewelt haben die Ankündigungen der großen Modehäuser wie Gucci und Versace, kein Pelz mehr zu verwenden, große Wellen geschlagen. Auch die etablierte Fashion Week London hat Pelz von ihrem Laufsteg verbannt. Solche Schritte würden nicht gemacht werden, wenn nicht mit einem positiven Rückhalt in der Szene zu rechnen wäre. Ob Luxusmode, Automobildesign oder Möbelbezüge – überall halten vegane Materialien Einzug. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend im Mainstream ankommen wird.

Dieser Artikel stammt von Mirjam Walser, Mitgründerin von Faloa, dem Onlineshop für vegane, nachhaltige und faire Mode. (Launch 2019)

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