Swissveg: “Das V-Label stellt nicht nur ein weiteres Label dar, sondern bietet den Einstieg in den stark wachsenden Zukunftsmarkt”

Anzeige
Veggieworld (in 18 Städten weltweit)- Jetzt Standfläche sichern und Veggie-Zielgruppen besser erreichen.

Renato_Portrait swissveg
Renato Pichler, Präsident und Geschäftsführer von Swissveg © Swissveg

Swissveg ist die grösste Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz. Seit 1993 setzt sich die politisch und konfessionell unabhängige Organisation mit positiver Öffentlichkeitsarbeit dafür ein, den Fleischkonsum dauerhaft zu senken und eine pflanzenbasierte, verantwortungsbewusste Lebensweise als attraktive und gesunde Alternative allen Menschen zugänglich zu machen und zu fördern. Wir sprachen mit Renato Pichler, Präsident und Geschäftsführer von Swissveg, über das V-Label, dessen Verbreitung und die Arbeit der Organisation dahinter.

Was ist das V-Label und wofür steht es?
Das V-Label kennzeichnet vegetarische und vegane Produkte und Dienstleistungen. Das Projekt wurde in der Schweiz durch Swissveg 1996 gestartet. Heute stehen praktisch alle grösseren Vegan- bzw. Vegetarier-Organisationen in Europa hinter dem V-Label. Es wird auch von der europäischen Dachorganisation “Europäischen Vegetarier Union” (EVU) unterstützt.

v-label logo
© European Vegetarian Union

Durch die gemeinsame Entwicklung der Richtlinien ist gewährleistet, dass alle Vegetarier und Veganer hinter dem Label stehen können. Da auch die Kontrollen von der jeweils grössten lokalen Interessensvertretung koordiniert werden, ist gewährleistet, dass diese stets seriös umgesetzt sind.

Im deutschen Sprachraum sind dies z.B.: Swissveg für die Schweiz, ProVeg Deutschland e.V. für Deutschland und die Vegane Gesellschaft Österreichs (VGÖ) für Österreich. Derzeit expandiert das V-Label auch ausserhalb Europas (z.B. haben es Peru und Chile bereits eingeführt).

Bei der Produktion von Labelprodukten dürfen keine Substanzen von dafür getöteten Tieren eingesetzt werden. In der veganen Version des Labels sind auch alle tierischen Substanzen verboten. Daneben beinhalten die Richtlinien auch ein Verbot von Tierversuchen für V-Labelprodukte. Produkte die mit GVO (enthält gentechnisch veränderte Organismen) deklariert werden müssen, können das Label auch nicht erhalten.

Wie viele Unternehmen und Produkte in wie vielen Ländern sind bereits V-Label zertifiziert?
Da das V-Label sowohl von kleinen lokalen Firmen als auch von international agierenden Konzernen verwendet wird, sind V-Label-Produkte praktisch weltweit erhältlich. Am meisten V-Label-Produkte gibt es jedoch nach wie vor in Europa.

Derzeit sind rund 40’000 Produkte von ca. 3500 Firmen lizenziert.

In welchen Ländern gibt es vor Ort Ansprechpartner für die Lizenzvergabe, in welchen soll es diese demnächst geben?
Etablierte Vertretungen haben wir derzeit (Anfangs April 2019) in 22 Ländern. Dazu zählen Belgien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Kroatien, Niederlande, Österreich, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn.

Im Aufbau befinden sich aktuell: Bosnia und Herzegovina, Südafrika, Mazedonien und Kanada. Daneben gibt es weitere Länder, die in Bearbeitung sind. Insbesondere auch im asiatischen Bereich.

Welche Vorteile bietet das V-Label gegenüber anderen Siegeln?
Als einziges Siegel wird es direkt von der Zielgruppe vergeben und auch kontrolliert: Den Vegetariern und Veganern in Europa – und immer mehr auch ausserhalb Europas. Ein grosser Vorteil ist deshalb auch, dass die V-Label-Produkte direkt von den Verbänden in ihrem Land beworben werden.

Gegenüber anderen, zentralistisch orientierten Labeln, kann die ganze Kontrolle in der Muttersprache der Produzenten stattfinden und auch lokale Vor-Ort-Kontrollen sind dadurch wesentlich einfacher umsetzbar. Die Label-Partnerorganisationen bieten jedoch nicht nur eine Kontrolle an, sondern unterstützen Firmen auch, bei der Entwicklung von neuen Produkten für den lokalen oder internationalen Markt.

Ein Nebeneffekt dieses Projektes ist die Vernetzung der veganen Verbände durch die internationale Zusammenarbeit. Dadurch wird die ganze Bewegung gestärkt.

Es bietet somit eine win-win-win-Situation:

  • Produzenten erhalten direkten Zugang zu ihrer Zielgruppe und können auch auf fachkundige Unterstützung zählen.
  • Die Grossverteiler/Läden erhalten eine Garantie, dass die Produkte auch tatsächlich vegan bzw. vegetarisch sind.
  • Die veganen/vegetarischen Organisationen werden in das internationales Netzwerk eingebunden in dem sie sich mit Gleichgesinnten austauschen und voneinander profitieren können.
  • Zudem unterstützt das Label auch finanziell die ganze Bewegung, wovon nicht nur die einzelnen NPO profitieren, sondern auch die Hersteller der Produkte, da der Markt damit vergrössert wird.

Welche Produkte sind aktuell mit dem V-Label-zertifizierbar?
Alle Nahrungsmittel, Getränke, Kosmetika, Reinigungsmittel, Bekleidung und fast alle anderen Non-food-Produkte. Zudem auch Gastronomiebetriebe (erst in wenigen Ländern).

Welche Zertifizierungen sind für die Zukunft geplant?
Bei den non-food-Produkten sind wir noch im Aufbau. Es gibt z.B. bereits vegane Gartenerde und vegane Kondome.  Dieser Produktbereich wird jedoch erst im kleinem Rahmen angegangen. Wir konzentrieren uns derzeit auf den Nahrungsmittel-/Getränkebereich und der Etablierung im Kosmetikbereich.

Die Gastronomie wird derzeit erst in Polen und der Schweiz aktiv lizenziert. In Polen mit mehreren rein veganen Restaurants, in der Schweiz
mit den Restaurants von IKEA <https://www.swissveg.ch/ikea> . Dieser Bereich wird künftig weiter ausgebaut.

Warum sollten Unternehmen ihre Produkte mit dem V-Label zertifizieren lassen?
Die Unternehmen erhalten mit dem V-Label den Support der Interessensvertretung ihrer Zielgruppe und können auch vom langjährigen Know-How der Verbände profitieren.

Einerseits können sie so von der starken lokalen Verankerung der Kontrollorganisation profitieren, andererseits auch von deren internationalen Vernetzung. Das V-Label stellt nicht nur ein weiteres Label dar, sondern bietet den Einstieg in den stark wachsenden Zukunftsmarkt. Für viele Grossverteiler ist das V-Label ein wichtiger Pluspunkt in der Auswahl ihres Sortimentes – bei manchen ist es sogar zwingende Voraussetzung.

Wie werden die Einnahmen verwendet?
Der Grossteil bleibt in den einzelnen Ländern bei den Organisationen. Ein kleiner Teil wird an die V-Label GmbH in der Schweiz weiter gegeben um damit alle internationale Koordinationsarbeit und die Markenrechte weltweit zu finanzieren. Die V-Label GmbH ist nicht gewinnorientiert: Ein möglicher Gewinn wird wieder vollständig ins Projekt investiert.

Der grösste Teil dient somit der Lizenzierung (Kontrollarbeiten). Ein möglicher Überschuss fliesst direkt in die Öffentlichkeitsarbeit für die
vegane Bewegung.

Anzeige
Kennen Sie schon unsere internationale Ausgabe? Hier klicken (Link auf vegconomist.com) vegconomist (nicht veconomist)