Bei Firmengründung vor fünf Jahren hatte sich Planteneers zum Ziel gesetzt, durch intensive Forschung, kreative Ideen und unermüdlichem Pioniergeist die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten.
Heute ist das Unternehmen mit Standorten auf drei Kontinenten vertreten. Ein Team aus 50 engagierten Mitarbeitern entwickelt pflanzliche Convenience-Lösungen für eine immer anspruchsvollere Klientel. Und die Kunden können schon jetzt auf mehr als 1.200 Rezepturen für eine Bandbreite an Plant-based-Produkten in allen Segmenten zugreifen.
Dr. Matthias Moser, Geschäftsführer der Food Ingredients Division der Stern-Wywiol Gruppe, und Dr. Dorotea Pein, Director Technology and Innovation Planteneers, sprechen über Meilensteine, aktuelle Trends und künftige Entwicklungen der Branche.
Wenn Sie auf die Gründung von Planteneers zurückblicken, welche Vision hatten Sie?
Dr. Moser: Wir haben uns in der Unternehmensgruppe von Anfang an die Frage gestellt, wie die Ernährung der Zukunft aussieht und irgendwann verstanden, dass pflanzliche Rohstoffe der Baustein für eine nachhaltige Gestaltung der Welternährung sind. Treiber war und ist nach wie vor der steigende Bedarf an Lebensmitteln für eine wachsende Bevölkerung. Entscheidend war auch, dass es schwer vorstellbar ist, den wachsenden Bedarf allein durch tierische Proteine zu decken. Aufgrund unserer Erfahrungen waren wir schon vor fünf Jahren davon überzeugt, wesentlich zur sogenannten Ernährungswende beitragen zu können – mit attraktiven pflanzlichen Lebensmitteln, die den Verbrauchern schmecken und die preislich so positioniert sind, dass sie den Übergang zu einer neuen pflanzlichen Ernährung vereinfachen.
Dr. Pein: Hinzu kommt, dass wir seinerzeit für den Bereich der pflanzlichen Alternativen einen Spezialisten im Markt positionieren wollten, der sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigt und die Kunden dort vollends bedienen kann. Nicht nur Start-ups, sondern vor allem auch Kunden aus den etablierten Industrien, die in den Markt einsteigen wollen, ohne immense Summen in eigene Forschung & Entwicklung zu investieren.
Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Dr. Moser: Plant-based als „New Normal“ war vor fünf Jahren unsere Vision. Inzwischen wird sie mehr und mehr zur Realität.

Auf welche Erfolge oder Meilensteine sind Sie besonders stolz, wenn Sie die letzten fünf Jahre betrachten?
Dr. Pein: Ich glaube, hier gibt es vor allem produktseitig einige Meilensteine, auf die wir zurückblicken können. Produkte, die sich erfolgreich als Innovation im Markt etabliert haben. Ein Beispiel ist das marmorierte Steak, dass wir zusammen mit Handtmann entwickelt haben. Ein anderes Highlight ist der „Protein Forward Summit“, den wir initiiert und in diesem Jahr erstmals veranstaltet haben. Vertreter der gesamten Wertschöpfungskette im Bereich pflanzlicher Proteine sind unserer Einladung gefolgt. Das war schon sehr beeindruckend und ist für mich ein Meilenstein, auf den ich persönlich besonders stolz bin.
Wenn Sie die letzten fünf Jahre Revue passieren lassen, was waren die größten Veränderungen im Plant-based Markt?
Dr. Pein: Die Produktqualität hat sich deutlich verbessert. Wir haben sehr viel darüber gelernt, wie man Pflanzenproteine optimal einsetzen kann.
Dr. Moser: Auch der Verbraucher hat sich inzwischen an die Kategorie gewöhnt, ist aber auch kritischer in Bezug auf die Zutaten und die Herkunft der Rohwaren. Hier sind die Ansprüche gestiegen. Pflanzenbasiert allein reicht oft nicht mehr, die Produkte müssen zusätzliche Kriterien erfüllen – Proteingehalte müssen erreicht werden, es sollten Ballaststoffe enthalten sein usw. Diese gestiegenen Ansprüche an die Qualität spiegeln sich zum einen in der Zutatenliste wider, vor allem aber auch im Geschmack – und das ist der entscheidende Faktor: Die Produkte müssen schmecken, sonst haben sie langfristig keine Chance.
Können Sie ein Schlüsselereignis nennen, an dem Sie gemerkt haben: Jetzt sind wir wirklich am Markt angekommen?
Dr. Moser: Wir haben von Anfang das Potenzial des Marktes gesehen – schon zu Zeiten von Hydrosol, also noch lange vor Gründung von Planteneers. Als dann 2015 ein sehr bedeutender deutscher Fleischproduzent auf einmal mit pflanzlichen Alternativen im Markt sehr präsent war, sind sehr viele Unternehmen auf uns zugekommen und fragten nach ähnlichen Konzepten. Wenn man dann mit namhaften Unternehmen der Fleisch- und Milchbranche zusammenarbeitet und gemeinsam erfolgreiche Produkte auf den Markt bringt, ist das etwas ganz Besonderes. Dann stellt sich wirklich das Gefühl ein: Ja, wir sind im Markt angekommen. Das, was wir anbieten, hat für die Lebensmittelindustrie eine hohe Relevanz.

Der Summit hat gezeigt, dass Sie neue Ideen und Perspektive aufzeigen und den Markt mitgestalten. Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Plant-based Pioneers in der Branche?
Dr. Moser: Als Unternehmen der Stern-Wywiol Gruppe ist Innovation sozusagen in unserer DNA verankert. Natürlich wissen wir, dass Innovationen nachhaltiges Interesse bei unseren Kunden erzeugen und unsere Relevanz für den Markt auf hohem Niveau halten. Wir beschäftigen uns daher früher, systematischer und intensiver mit neuen Rohstoffen als andere. Ein Beispiel dafür sind Mykoproteine, die in Zukunft eine sehr entscheidende Rolle spielen werden. Ein anderes Beispiel sind neue Bindesysteme, um Lean- oder Clean-Label-Lösungen zu ermöglichen. Wir sind hier sehr aktiv und versuchen, immer einen Schritt voraus zu sein, um bestehende und potenzielle Kunden zu überzeugen.
Stichwort Stern-Wywiol Gruppe: Welche Rolle spielt Planteneers im Firmenverbund und wie wichtig ist die Spezialisierung auf pflanzenbasierte Lösungen für die Gesamtstrategie?
Dr. Moser: Zunächst einmal zeigen wir mit Planteneers, dass wir eine Unternehmensgruppe sind, die Trends frühzeitig erkennt, aufgreift und proaktiv Lösungen für die Industrie anbietet. Ich glaube, wir werden in Summe mit unseren einzelnen Unternehmen und Marken als Zukunftsgestalter im Markt wahrgenommen. Speziell mit Planteneers haben wir deutlich an Aufmerksamkeit in Marktregionen und Kundensegmenten gewonnen, die wir zuvor nicht so einfach erreichen konnten. Insofern haben wir unsere Rolle als Zutatenlieferant der Lebensmittelindustrie insgesamt ausgebaut.
Dr. Pein: Ein Faktor ist sicherlich auch, dass wir mit Planteneers in einem enorm dynamischen Umfeld unterwegs sind – mit sehr, sehr kurzen Innovationszyklen. Vor dem Hintergrund lernen wir natürlich viel über neue Technologien und Prozesse. Davon profitiert die gesamte Stern-Wywiol Gruppe.
Andererseits profieren aber auch Planteneers-Kunden von der Zusammenarbeit mit den Schwesterunternehmen wie SternVitamin oder OlbrichtArom, oder?
Dr. Pein: Zweifellos. Gerade bei pflanzlichen Alternativen sind wir auf Aromen angewiesen, die die Erwartungen der Kunden an das Geschmackserlebnis der Produkte erfüllen. Ebenso wichtig ist die Anreicherung der Produkte mit Vitaminen und Mineralstoffen, um auch im pflanzenbasierten Bereich Konzepte für eine gesunde Ernährung zu bieten. Hier arbeiten wir eng mit SternVitamin zusammen. Aber auch vorgelagert, zum Beispiel in puncto Rohwaren, haben wir mit unserer Schwestergesellschaft SternEnzym umfangreiches Fachwissen im Haus, das wir jederzeit nutzen können. Durch die vernetzte Zusammenarbeit profitieren wir somit in der gesamten Wertschöpfungskette.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist sicherlich auch die internationale Ausrichtung. Ein Beispiel ist der Standort in den USA. Die Niederlassung wurde vor gut wie Jahren gegründet. Was hat Sie zu der Gründung bewogen und wie entwickelt sich der Standort?
Dr. Moser: Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die Treiber, die die europäische Marktentwicklung beeinflussen, auch in den USA gültig sind – also die Aufgeschlossenheit der Konsumenten für eine moderne Ernährung auf Basis neuartiger Proteine. Genau an dieser Stelle wollten wir mit unseren Lösungen frühzeitig im Markt präsent sein. Auch wenn die hohen Erwartungen bislang noch nicht überall erfüllt wurden, haben wir eine solide Kundenbasis, die wir weiter ausbauen wollen. Unser Ziel ist natürlich, weiter zu wachsen. Dafür haben wir uns optimal aufgestellt – unter anderem durch unsere Investitionen in ein Technologiezentrum, wo die Kunden vor Ort mit unseren Produkten und Experten arbeiten können. Es ist schließlich ein wesentliches Erfolgsmodell der Stern-Wywiol Gruppe, gemeinsam mit den Kunden Innovationen zu entwickeln. Das übertragen wir jetzt auch auf den nordamerikanischen Markt.
Sind weitere internationale Expansionen geplant?
Dr. Moser: Wir haben in Singapur die Voraussetzungen für ein Planteneers Technologiezentrum geschaffen. Da wir – wie auch an anderen Standorten – die Pilotanlagen gemeinsam mit Hydrosol verwenden, ist der Aufbau eines Planteneers Tech Center dort mit geringem Aufwand verbunden. Wir prüfen das im Moment und könnten es bei Bedarf kurzfristig umsetzen.
Welcher Augenblick hat Sie persönlich am meisten berührt?
Dr. Pein: Die Gründung der Firma und die gesamte Konzeption dahinter war schon ein sehr lehrreicher und spannender Prozess. Es gibt aber eine Sache, die mich immer wieder aufs Neue berührt: Jedes Mal, wenn ein Kunde ein Produkt von uns probiert und sagt: ‚Das ist vegan? Ich kann das gar nicht glauben.‘ Solche Aussagen erfüllen uns natürlich mit Stolz und bestätigen uns in unserer täglichen Arbeit.
Dr. Moser: Die Konsumenten bevorzugen vertraute Geschmackserlebnisse. Hier sind wir mit unseren Produkten sehr nah am Original, sodass der Genuss von pflanzenbasierten Alternativen authentisch ist und nicht als Einschränkung wahrgenommen wird. Es schmeckt einfach. Das ist es, was uns letztendlich glücklich macht. Wenn man nicht lange erklären muss, was auf dem Teller ist, worum es bei dem Produkt geht oder warum es nachhaltig ist, sondern wenn Kunde und Verbraucher sagen: Es schmeckt. Das ist für uns das höchste Lob.

Dass die Produkte schmecken, ist auch ein wesentlicher Verdienst der Kollegen aus der Forschung und Entwicklung. Das Team ist seit Firmengründung kontinuierlich gewachsen. Wie sieht die Zukunft aus?
Dr. Pein: Wir haben ein großes Team an Produktentwicklern. Gerade dieser Bereich ist besonders innovationsgetrieben, deshalb ist er natürlich mit deutlich mehr Investitionen und Ressourcen verbunden. Ein fester Bestandteil in unserem Service-Paket ist zum Beispiel, dass die Technologen zu den Kunden reisen, die Produkte vor Ort auf deren Anlagen testen und bei Bedarf gemeinsam mit dem Kunden Problemlösungen erarbeiten. Wenn es um Details wie das Zusammenspiel von Brät und dem passenden Darm geht, ist Expertenwissen gefragt. Damit kennen sich unsere Technologen bestens aus. Dafür braucht man einfach Ressourcen.
Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass wir viel Zeit und Aufwand in Innovationen investieren. In eigene Projekte, bei denen wir uns bestimmte Ziele setzen – sei es, dass wir den besten Burger entwickeln wollen oder neue Steak-Varianten. Dazu brauchen wir ein Team, das eine gewisse Größe hat und neugierig darauf ist, immer wieder neue Produkte zu entwickeln.
Aktuell geht der Trend verstärkt in Richtung natürliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte oder auch Clean Label. Welche Rolle spielt Planteneers künftig in diesem Kontext?
Dr. Moser: Wir haben eine sehr breite Basis an Rohstoffen, die sehr unterschiedlich in ihren Eigenschaften sind. Diese lassen sich aber von allein nicht unbedingt in ein vom Verbraucher gewünschtes Produkt verwandeln. Mit anderen Worten: Sie müssen industriell verarbeitet werden, damit die Konsumenten sie akzeptieren. Hier sehe ich auch in Zukunft unsere Positionierung. Wenn es darum geht, Gemüse und pflanzenbasierte Proteine oder Mykoproteine zu einem schmackhaften Produkt zu vereinen, dann bieten unsere Systeme diverse Möglichkeiten. Das gilt gleichermaßen für Convenience-Produkte aus klassischen Proteinquellen wie Hülsenfrüchte. Auch hier können wir mit unseren Systemen dazu beitragen, eine bestimmte Textur oder einen besonderen Biss herzustellen. Gleiches gilt für Kunden, die ihre Produkte nachhaltiger gestalten und den Fleischanteil reduzieren möchten. Generell verstehen wir uns für all diese Herausforderungen im Plant-based-Markt als Ansprechpartner.
Wenn wir einen Blick in die Zukunft riskieren, wie wird der Plant-based-Markt 2050 aussehen?
Dr. Pein: Alternative Proteine aus Pflanzen, aus Hefen, aus der Fermentation, aber auch aus der zellulären Landwirtschaft werden dabei von Bedeutung sein. Wir arbeiten bereits an allen Themen, um mit den entsprechenden Funktionssystemen die passenden Endprodukte zu entwickeln. Prognosen zufolge werden sich die alternativen Proteine ähnlich entwickeln wie derzeit die Bio-Produkte. Sie werden in Zukunft einen größeren Stellwert und einen festen Anteil in der Ernährung haben.

Ein aktueller Hype ist Mykoprotein. Werden sich Produkte auf dieser Basis in den nächsten Jahren zunehmend im Markt etablieren?
Dr. Pein: Wir sind davon überzeugt, dass der Markt weiter wächst. Wie gehen davon aus, dass sich der Preis stark reduzieren wird, wenn die Produktionskapazitäten größer werden. Dann wird Mykoprotein ein Rohstoff sein, der gern genutzt wird, um proteinhaltige Produkte für die Tellermitte herzustellen. Diese Technologie hat wirklich das Potenzial, günstiges Protein zu produzieren, das die Welt ernähren kann.
Welche weiteren Trends sehen Sie für die nächsten Jahre?
Dr. Moser: Die Themen Clean Label, Rohstoffbasis sowie die ausgewogene und vollwertige Ernährung auf Basis pflanzlicher Alternativen werden noch stärker in den Vordergrund drängen.
Dr. Pein: Auch der Snacking-Trend wird sich weiter fortsetzen – gerade in Großstädten und bei Menschen, die nicht mehr selbst kochen. Abgesehen davon wird Gesundheit das große Thema der Zukunft sein.
Dr. Moser: Grundsätzlich gilt für die Ernährung aber auch, dass sie makroökonomisch beeinflusst wird. Je nachdem, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, wie sich Krisen verändern oder auch auflösen, wird das Thema Ernährung wieder stärker in den Mittelpunkt rücken – oder auch in den Hintergrund. Denn in Krisenzeiten ernähren sich die Menschen gern traditionell und sind weniger offen für Innovationen. Diese Faktoren können wir natürlich nicht beeinflussen, allerdings wirken sie sich durchaus auf unsere geschäftliche Entwicklung aus.
Welche Märkte sind aus Ihrer Sicht vielversprechend für die Zukunft?
Dr. Moser: Momentan konzentrieren sich pflanzenbasierte Produkte auf westliche Märkte wie Europa und Nordamerika. Ich gehe aber davon aus, dass Plant-based auch auf anderen Kontinenten an Bedeutung gewinnen wird – in welchem Format auch immer. Vielleicht nicht als Burger, sondern als pflanzenbasiertes Pendant zu regionalen Spezialitäten.

Welches pflanzliche Produkt aus dem Planteneers-Universum darf in Ihrem Kühlschrank nicht fehlen?
Dr. Moser: Da bin ich Vorbild. Ob pflanzliche Alternative zu Wiener Würstchen oder Salami-Stick, ob Aufschnitt oder Steak – wir haben diese Produkte ständig im Kühlschrank. Für mich sind sie vollwertige Alternativen zum tierischen Produkt. Ich esse die wirklich gern – und sag es nicht, weil ich es sagen muss…
Dr. Pein: Unsere Kinder essen gern Fleischwurst, deshalb haben wir immer den entsprechenden pflanzlichen Aufschnitt im Kühlschrank. Für mich persönlich sind es aber die Whole Cuts wie Steak- oder Hähnchenbrust-Alternativen. Hier gibt es Produkte, die wirklich so lecker sind, dass ich sie gern kaufe und esse.
Bei Ihnen steht demnach Fleisch im Mittelpunkt und weniger die Milch-Alternativen?
Dr. Pein: Die meisten Milch-Alternativen sind für mich schon so selbstverständlich, dass ich nicht mehr darüber nachdenke. Bestes Beispiel sind die Drinks. Haferdrink & Co. sind längst Standard im Kühlschrank. Das ist aus meiner Sicht nichts, was man noch extra erwähnen muss. Es ist Mainstream. Daran sieht man aber auch sehr schön: „New Normal“ ist im Alltag angekommen.





