Das BioTech-Unternehmen Kynda nimmt heute offiziell sein neues Forschungs- und Produktionszentrum in Jelmstorf in Betrieb. Auf 720 m² vereint das Unternehmen hocheffiziente Fermentationstechnologie mit industrieller Skalierbarkeit, um schlecht genutzte Nebenströme aus der Lebensmittelindustrie zu hochwertigen Proteinen aufzuwerten.
90 Millionen Tonnen ungenutztes Potential
Während Europa stark vom Proteinimport abhängig ist, bleiben jährlich über 90 Millionen Tonnen an nährstoffreichen Nebenströmen aus der Lebensmittelverarbeitung in der EU weitgehend ungenutzt. Hier setzt Kynda an: Statt neue landwirtschaftliche Flächen zu beanspruchen, nutzt das Unternehmen bereits bestehende Ressourcen. Mit einer modular aufgebauten Fermentationstechnologie, die in bestehende Infrastrukturen integriert wird, können diese Nebenströme innerhalb von 48 Stunden in proteinreiches Pilzmyzel umgewandelt werden – direkt dort, wo sie entstehen.
Industrieller Hebel
Die Relevanz dieses Ansatzes zeigt sich in der engen Zusammenarbeit mit der Industrie. Auch zur Eröffnung kamen zahlreiche Vertreter aus der Lebensmittelwirtschaft zusammen. Deutsche und europäische Produzenten prüfen bereits die Aufarbeitung von Nebenströmen durch die Kynda-Technologie bzw. Anwendung des gewonnenen Myzels. Eingesetzt werden dabei u.a. Nebenströme pflanzlicher Proteine, Soja- und Haferdrinks, Milch, Zucker und Stärke.

„Um echten Impact zu erzielen, teilen wir unsere Technologie gezielt mit der Industrie“, so Franziskus Schnabel, COO und Co-Founder von Kynda. „Wir bieten Unternehmen mehr Wertschöpfung und Effizienzsteigerung direkt in ihren bestehenden Anlagen, statt lediglich Nischenmärkte zu bedienen.“
Technische Kapazitäten für globale Protein-Resilienz
Der neue Standort in Jelmstorf fungiert als technologisches Herzstück und gliedert sich in zwei Bereiche:
- 360 m² R&D-Fläche: Fokus auf Prozessoptimierung und die Anpassung unterschiedlicher industrieller Substrate.
- 360 m² Produktionsfläche: Betrieb einer Anlage mit rund 40.000 Litern Fermentationsvolumen zur Herstellung von Starterkulturen.
Die Starterkulturen sind der Schlüssel der Skalierung: Sie ermöglichen es Kunden, jährlich bis zu 25.000 Tonnen Pilzmyzel am eigenen Standort zu produzieren. Kynda agiert dabei als ganzheitlicher Technologiepartner, der Unternehmen vom Prozessdesign, über die Prozesssteuerung bis in die technische Umsetzung zur Ernte begleitet.
Politisches Signal für den Standort Niedersachsen
Die Eröffnung findet unter Beteiligung Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Miriam Staudte, sowie weiterer regionaler Vertreter statt. Am Standort in Jelmstorf arbeitet derzeit ein Team von 12 Mitarbeitenden an der Zukunft der globalen Lebensmittelversorgung.
Ministerin Staudte sagt: „Fermentation ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit und zugleich eine der modernsten Antworten auf die Frage, wie wir eine wachsende Weltbevölkerung künftig sicher, bezahlbar und ressourcenschonend ernähren können. Sie ist damit eine Schlüsseltechnologie für die Agrar- und Ernährungsindustrie. Mit der Inbetriebnahme ihrer ersten industriellen Produktionsstätte zählt Kynda zu den technologisch führenden Start ups Europas im Bereich der Biomassefermentation für Lebensmittel. Das Geschäftsfeld alternativer Proteine eröffnet Niedersachsen bedeutende Wachstumschancen, die gezielt genutzt werden sollten, um die Wirtschaft des Landes zu stärken.“





