Der Markt für CBD-Produkte: Boomender Trend trotz fehlender offizieller Zulassung

Hanfpflanze
© Adobe Stock

Nachdem der Markt für Hanfprodukte bereits seit Längerem ein starkes Wachstum verzeichnet, liegen spätestens seit Anfang 2019 vor allem Produkte mit dem Inhaltsstoff CBD stark im Trend. Mittlerweile haben auch große Player wie z.B. Coca Cola und Ben & Jerry‘s Interesse an einem Einstieg in diesen Bereich geäußert und stärken dadurch trotz der legalen Grauzone, in dem sich CBD-Produkte aktuell noch bewegen, die Glaubwürdigkeit und Erfolgsaussichten dieses Trends.

CBD als Top-Trend 2019

Sei es in der Lebensmittelbranche mit Kaffeesahne und Creme-Likör auf Hanfmilchbasis, in der Kosmetik oder auch in der Textilindustrie mit aus Hanffasern gefertigter Mode: Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen scheinen das Potenzial der vielseitigen Pflanze erkannt zu haben und bereichern den Markt zunehmend mit innovativen Produkten.

So war zu Beginn des Jahres unter Anderem im Foodtrend-Report für 2019 des Global Buyers and Experts-Panels der Biosupermarkt-Kette Whole Foods die Verwendung verschiedener Hanfbestandteile über die bisher gängige Nutzung hinaus als einer der maßgebenden Trends aufgeführt. Im Ranking der US-amerikanischen National Restaurant Association zu den diesjährigen Trends der Gastronomie und Lebensmittelbranche standen mit CBD-Öl versetzte Lebensmittel und Getränke sogar auf den ersten beiden Plätzen und damit noch vor anderen großen Trends wie der Zero-Waste- und der pflanzenbasierten Küche.

Schmerzlindernde und beruhigende Wirkung ohne Rausch

Cannabidiol (CBD) ist ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze, der im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) nicht psychoaktiv wirkt, wie es bei der Verarbeitung von Pflanzenteilen der weiblichen Hanfpflanze zu Marihuana und Haschisch der Fall ist.
CBD soll hingegen bei einer guten Verträglichkeit eine rein beruhigende und schmerzlindernde Wirkung haben und soll so unter Anderem bei Angstzuständen, Zyklusstörungen, Allergien und Muskelverspannungen helfen. Abschließende eindeutige Forschungsergebnisse in diesem Bereich scheint es bisher dazu jedoch noch nicht zu geben.

Innovative Produkte auf dem europäischen Markt

So sind in Deutschland im Bereich Lebensmittel unter Anderem CBD-haltige Kaugummis unter dem Namen „Taff Inaff“ und „Swiss Cannabis Gum“ bei den Drogerieketten Rossmann und dm erhältlich. Letzteres hat zu Beginn des Jahres auf der ISM Köln, die weltweit größte Messe für Süßwaren und Snacks, den dritten Platz der Top-Innovationen belegt. Auf Platz zwei stand dort – um den stark wachsenden Trend um die Pflanze nur zu bestätigen – der (vegetarische) Hemptastic Hanfriegel von Katjesgreenfood.

Das Schweizer Start-up Modus hat mit seinem entspannend wirkenden Erfrischungsgetränk das erste CBD-haltige Getränk auf den europäischen Markt gebracht. Bei dem niederländischen Unternehmen Lovechock, das für seine pflanzenbasierte Rohkostschokolade bekannt ist, hat jüngst eine mit CBD versetzte Sorte im Rahmen der Self-Care-Linie auch in deutschen Biosupermarkt-Regalen ihr Marktdebüt gegeben.

CBD-Marktinnovationen in den USA

In den USA werden derzeit zahlreiche Süßwaren, wie z.B. die pflanzenbasierte, CBD-haltige Gummibärchensorte “Not-Pot”, immer beliebter. Das Unternehmen Honest Paws verzeichnet mittlerweile starke Umsatzzahlen mit CBD Snacks und Nahrungsergänzungsmitteln für Haustiere, die auch bei diesen für Entspannung und Schmerzlinderung sorgen sollen.

Erst kürzlich hat der international erfolgreiche Eisproduzent Ben & Jerry‘s bekanntgeben, nach der endgültigen Klärung der Rechtslage und der zu erwartenden Legalisierung von CBD eine entsprechende neue Eissorte auf den Markt bringen zu wollen. Sogar Coca-Cola ließ Ende 2018 verlauten, die Marktentwicklung von CBD als nicht psychoaktiv wirkenden Inhaltsstoff für Wellnessgetränke genau zu beobachten.

THC-Gehalt und Novel-Food-Verordnung stiften regulatorische Unsicherheiten

Nach den im März diesen Jahres aktualisierten Vorgaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) müssen Produkte, die CBD beinhalten, vor dem Inverkehrbringen in Deutschland entweder als verschreibungspflichtiges Arzneimittel oder als Novel Food zugelassen werden.

Der Zweck einer expliziten Zulassung vor Markteintritt liegt zum einen darin, dass auch CBD-Produkte geringe Mengen an THC enthalten können, die bei Hanfprodukten entsprechend des deutschen Betäubungsmittelgesetzes nicht über 0,2 Prozent liegen dürfen.

Dies soll laut Medienberichten der Grund gewesen sein, weswegen die Drogerieketten Rossmann und dm ihre erst kürzlich auf den Markt gebrachten CBD-Öle wieder aus dem Sortiment genommen haben, da eine geringfügige Überschreitung dieses Wertes festgestellt wurde. Bei dm sind die Öle allerdings mittlerweile wieder erhältlich: Einem Statement von Geschäftsführer Sebastian Bayer der deutschen Apothekerzeitung gegenüber, soll es sich lediglich um eine vorsorgliche Maßnahme gehandelt haben. In Bezug auf die Kaugummis sagte Bayer, dass sie derzeit keinen Grund sähen, das Produkt als bedenklich oder nicht verkehrsfähig einzustufen und bei einer Widerlegung natürlich entsprechend reagieren würden.

Zum Anderen muss – auch über den THC-Gehalt hinaus – die gesundheitliche Unbedenklicheit CBD-haltiger Lebensmittel vom Anbieter belegt werden, da sie in den Novel-Food-Katalog der EU-Kommission fallen und als neuartiges Lebensmittel auch aus diesem Grund eine Marktzulassung benötigen. Dem BVL zufolge sei eine solche Zulassung bisher nicht erfolgt, womit CBD in Nahrungsergänzungsmitteln ihrer Auffassung nach bislang nicht verkehrsfähig seien. Auch die Regelungen im Bereich CBD-Kosmetik scheinen noch nicht abschließend geklärt zu sein, da dem BVL zufolge derzeit noch die EU-Kommission für alle Mitgliedsstaaten darüber berät.

CBD als rechtliche Grauzone?

Nach Recherchen des Fernsehformats Report Mainz sollen in den vergangenen zwei Jahren dennoch mindestens 90 CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht worden sein. Da für die Überwachung der aktuellen Regularien in Deutschland nämlich nicht die Bundesbehörden, sondern die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig sind, erfolgen Kontrollen durch den jeweiligen Landesverbraucherschutz bisher nur stichprobenartig.

In der Vergangenheit sind allerdings schon häufiger Polizeirazzien in CBD-Shops durchgeführt worden. In Garmisch-Patenkirchen konfiszierte die zuständige Polizei sogar die CBD-Kaugummis eines Passanten. Der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen zufolge seien Landesbehörden durch Personalmangel und auch die Komplexität des juristischen Kontextes schlicht überfordert. Denn auch die juristische Interpretation ist hier nicht immer eindeutig. So beispielsweise bei CBD-Produkten, die als „Full-Spektrum-Product“ anstatt als ein mit CBD-Isolat angereichertes Produkt auf den Markt kommen. Hier ist unklar, ob diese überhaupt unter den Novel-Food-Katalog fallen. So erachtet auch der deutsche Hanfverband diese Klassifizierung als unangebracht und bewertet sie als eine wirtschaftliche Existenzbedrohung des mittlerweile florierenden CBD-Marktes.

Starkes Wachstum auch auf US-Markt trotz Gesetzeslücke

In den USA wurde der Anbau von Nutzhanf im Dezember letzten Jahres legalisiert und darüber hinaus ist sogar der Konsum von Cannabis als Rauschmittel in zehn Bundesstaaten mittlerweile erlaubt. Da der CBD-Markt aufgrund der auch dort existierenden Gesetzeslücke ein immenses Wachstum zu verzeichnen hat, wird derzeit nach potenziellen Wegen zu einer rechtmäßigen Vermarktung CBD-haltiger Produkte gesucht. Im Juli soll im Anschluss an eine erste öffentliche Anhörung im vergangenen Monat zu diesem Thema, eine weitere Veranstaltung dieser Art stattfinden.
Für den medizinischen Gebrauch wurde in den USA bereits im Juni 2018 ein entsprechendes Epilepsie-Arzneimittel von der Food and Drug Administration (FDA) zugelassen. Die von derart großen Unternehmen wie Coca Cola und Ben & Jerry‘s geäußerte Zuversicht auf eine endgültige Zulassung von CBD in naher Zukunft scheinen den Trend nicht nur zu bestätigen, sondern verleihen auch dem bereits existierenden Markt für CBD-Produkte eine Glaubwürdigkeit, die wiederum wirtschaftlichen Druck auf die FDA zugunsten einer Legalisierung aufbaut. Darüber hinaus sieht der für Kentucky zuständige Kommissar für Landwirtschaft Ryan Quarles in der Zulassung von CBD auch als Nahrungsergänzungsmittel ein großes Potenzial für US-Landwirte, die von den chinesischen Importzöllen stark betroffen sind und sich mit dem Hanfanbau eine sicherere Einnahmequelle schaffen könnten.
Einer Studie zufolge besteht eine weitere Besonderheit des US-Markts angesichts der Opioid-Krise darin, dass eine CBD-Legalisierung als nicht psychoaktiv wirkenden Stoff in der Behandlung von Medikamenten- und Drogenabhängigkeit möglicherweise auch einen positiven Effekt auf gesundheitspolitischer Ebene haben könnte.

Anbieter scheinen mit Zulassung in naher Zukunft zu rechnen

Anbieter von CBD-Produkten scheinen die gesetzliche Grauzone, in der mit CBD versetzte Nahrungsmittel sowohl auf dem europäischen als auch dem US-amerikanischen Markt derzeit weder legal noch als explizit illegal deklariert sind, mit Selbstbewusstsein zu nutzen. Doch scheinen sie derzeit noch für den Bereich der CBD-haltigen Nahrungsergänzungsmittel eine eindeutigere Gesetzeslage abzuwarten.

Berlin: Hanf-Fachmesse rund um die Hanfpflanze

Vom 21. bis 23. Juni 2019 wird in der Arena Berlin Deutschlands größte Hanfmesse stattfinden, auf der über 250 nationale und internationale Aussteller Informationen zu CBD und die weiteren vielfältigen Anwendungsgebiete der Hanfpflanze präsentieren. In unterschiedlichen Formaten wie Konferenzen, Fachvorträgen und Diskussionen werden Themen wie die Rechtslage, die medizinische Verwendung und die Ernährung behandelt werden. Abgerundet werden soll die Fachmesse mit einem Festival im Außenbereich, der mit einem Beach-Bereich und Swimming Pool als Location für Live-Konzerte, DJs und internationale Speisestände dienen wird.

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