Prominente treiben veganen Lifestyle voran – klassische Ernährungsbranche hat das Nachsehen

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Lewis Hamilton, Leonardo di Caprio, James Cameron etc.: Immer wieder äußern sich viele vegan lebende Hollywood– und Sportgrößen über soziale Medien zum Thema Tierschutz und vegane Ernährung. Unlängst teilte Lewis Hamilton seinen fast neun Millionen Followern auf Instagram mit, dass jeder die Wahl hat, keine Unternehmen zu unterstützen, die Tiere für ihr Business töten. In einem anderen Post zeigt er eine tote Sau mit ihren toten Ferkeln, entsorgt in einem dreckigen Müllbehälter. Er kündigt in diesem Zusammenhang an, dass er seine Plattform gegen Tiertötungen und zum promoten der veganen Lebensweise nutzen will.

All diese Prominenten sorgen mit ihren mächtigen Social-Media-Gemeinden dafür, das sich der vegane Lifestyle weltumspannend ausbreitet und möglicherweise in einigen Jahren komplette Branchen disruptiert haben wird. Der Impact, den diese Kampagnen haben ist enorm und stellt für Kommunikationsprofis eine Idealsituation dar: Prominente nutzen ihr Image, um sich für die vegane Sache einzusetzen, niemand bezahlt diese, sie tun es aus freien Stücken, aus Überzeugung. Und das macht sie glaubwürdig und authentisch.

Miley Ray Cyrus eats Impossible Burger
Miley Cyrus wirbt mit einem Foto für den veganen Impossible Burger von Impossible Foods © Miley Ray Cyrus

Sie erreichen damit viele Millionen Menschen, die so mit dem veganen Lifestyle in Berührung kommen und sich mit diesem auseinandersetzen. Hinzu kommt: Die vegane Bewegung ist mehr oder weniger nativ digital. Veganer haben in klassischen Medien jahrzehntelang kein Gehör gefunden und sich in der Folge eigene digitale Netzwerke aufgebaut – wie wohl kaum eine andere Bewegung zuvor. Wo die Ernährungsindustrie meist nur national-lokal agiert, haben vegane Netzwerke enorme globale Reichweiten. Sie greifen die Beiträge der Promis auf und verbreiten sie teils in Stunden rund um den Globus.

All dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Auch wenn nicht alle Social Media Fans der Prominenten gleich ins vegane Lager wechseln: Viele werden in der Folge ihren Fleischkonsum reduzieren und immer kritischer auf die Fleisch-, Milch- und Käseindustrie schauen.

Die klassische Ernährungsindustrie hat dem auf dieser Ebene wenig entgegenzusetzen. Dort findet man keinen Prominenten, der sich unbezahlt an seine Follower wendet und diese zu Fleischkonsum ermuntert. Zwar versucht die klassische Ernährungsindustrie mit viel Geld auf allen Social-Media Kanälen ihre Produkte anzupreisen und bezahlte Prominente in diese Kampagnen einzubinden. Sie wird aber in Sachen Glaubwürdigkeit und Authentizität immer das Nachsehen haben.

Hinzu kommen die immer neuen Skandale: Fipronil und Salmonellen in Ei-Produkten oder auch die permanenten – echten und vermeintlichen – Verstöße in der Tierhaltung und in den Schlachthöfen. Diese Skandale treiben immer wieder neue Verbraucher ins vegane Lager. Die vielen Tierschützervideos zeigen ihre Wirkung, an die Heile-Agrar-Welt-Kampagne der Industrie glauben immer weniger Konsumenten. Die Macht der Videos und Bilder von abertausenden Freiwilligen aus der Tierschutz- und Vegan-Szene, verbreitet über unzählige Blogs und andere Social-Media-Plattformen, wird immer stärker zur Herausforderung, auf die die meist mittelständischen Unternehmen der Ernährungsbranche oft mit wenig professioneller Kommunikation reagieren.

Wenn auch die klassische Ernährungsbranche nach wie vor bei Marktanteilen weit vorne liegt: in Sachen Kommunikation wird die vegane Bewegung nicht einzuholen sein. Man darf gespannt sein, wie stark diese Kommunikationspower auf Dauer die klassische Ernährungsindustrie verändern wird. Zumal sich viele Experten einig sind: Die vegane Bewegung ist kein vorüberghender Trend, sondern ein neuer Standard – und längst Mainstream.

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