Veganer Markt

Die Nachfrage nach veganen Fleisch- und Milchalternativen auf dem deutschsprachigen Markt hat in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet. Haupttreiber dieser Entwicklung sind neben der jährlich steigenden Anzahl an Veganer*innen und Vegetarier*innen vorallem Kreativität und Innovationskraft der Branche.

Die Präsenz veganer Ersatzprodukte nimmt nicht nur in regionalen Bio-Läden und dem Berliner-Wochenmarkt stetig zu, sondern vorallem in überregionalen Supermärkten und Restaurants. Bereits im Jahr 2017 testete beispielsweise der Fast-Food Gigant McDonald’s die Einführung von einem veganen Burger, der zwei Jahre später in Form des Big Vegan TS mit Patties auf Soja- und Weizenbasis ins Menü aufgenommen wurde.

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Im Februar 2022 berichtete der Lebensmittel-Discounter Lidl Schweiz eine Umsatzverdoppelung des Gesamtumsatzes der Veggie-Eigenmarke Vemondo, im Vergleich zum Vorjahr. Die Ergebnisse sprechen für sich und verdeutlichen das Potenzial alternativer Lebensmittel und Produkte. Besonders deutschsprachige Länder, insbesondere Deutschland und die Schweiz, stechen in der veganen Lebensmittel-Transformation hervor.

Volle Regale im Supermarkt in Buenos Aires
© Robert Kneschke – stock.adobe.com

Der vegane Markt in Zahlen

Das europäische Smart-Protein-Projekt veröffentlichte im Jahr 2021 einen Bericht zum veganen Markt und seinen Konsumenten. Basierend auf Erhebungen der Marktforschungsfirma Nielsen stellte der Bericht das unaufhaltsame Wachstum des veganen Marktes in europäischen Ländern dar. Laut dem Bericht wurde in den meisten der 11 europäsichen Länder der größte Umsatz mit Pflanzenmilch erzielt, gefolgt von Fleischalternativen.

Hierzulande führt das Umdenken der Verbraucher zu einer Vielzahl von veganen und vegetarischen Neueinführungen im deutschen Einzelhandel, sodass im Januar 2022 insgesamt über 350 pflanzliche Produkte mit dem V-Label auf den Markt kamen und mehr als 360 weitere Produkten zur Prüfung eingereicht wurden.

Vorallem der Anteil an veganen Alternativen zu Fleischprodukten steigt stetig und hat mittlerweile einen festen Platz in den Regalen deutscher Supermärkte und Discounter. 2021 produzierten Unternehmen in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 17% mehr Fleischersatzprodukte als im Vorjahr, während der Pro-Kopf-Konsum von Fleischprodukten und deren Produktion um 8% zurückging.

Im Segment der Milchprodukte gaben 37% der Verbraucher an teilweise bewusst auf den Verzehr von Milchprodukten zu verzichten, während ganze 54% vegane Milchalternativen gelegentlich kaufen. Dank des weitreichenden Konsums von Pflanzenmilch hält diese den größten Marktanteil im pflanzenbasierten Sektor in Deutschland (396 Millionen Euro Umsatz zwischen Oktober 2019 und September 2020).

Mit einem Umsatzplus von 97 % (817 Millionen Euro) zwischen 2019 und 2021 nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle ein und liegt im europäischen Vergleich ziemlich weit vorne, was die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen betrifft. In Discountern ist der Anstieg mit 114 % besonders groß. Hier wird deutlich, dass pflanzenbasierte Lebensmittel keine Nischenprodukte mehr sind, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

veganz logo
© Veganz Group AG

Vegane Unternehmen in Deutschland

Die Supermarktkette Veganz

Gegründet im Jahr 2011, ist veganz eine der bekanntesten veganen Lebensmittelmarken in Deutschland. Bekannt wurde das Unternehmen als erste vegane Supermarktkette und entwickelte sich ab 2015 als deutschlandweite Marke, die mittlerweile über 470 vegane Produkte im Sortiment hat. Im November 2021 realisierte das innovationsträchtige Unternehmen den ersten veganen Börsengang in Deutschland.

Im selben Monat gab die vegane Firma eine Zusammenarbeit mit dem Backwaren-Hersteller Bake-Off-Artikel bekant. Die Marke reagiert damit auf die große Nachfrage im Bereich Snacks & Backwaren, die durch das hauseigene Umfrage-Ergebnis des Ernährungsreports 2021 bestätigt wurde. Demnach wünschen sich rund 62% der Veganer*innen eine größere Auswahl an veganen Backwaren.

Jennifer Schäfer, Gründerin UNMILK GmbH (l.) und Jens Herrndorff, Hamburger Unternehmer (r.) © UNMILK

Das Hamburgert Start-Up UNMILK

Zu den veganen Unternehmens-Erfolgsstories gehört auch das Hamburger Start-Up UNMILK, das sich zum Ziel gesetzt hat die Milchwelt mit gesunden veganen Produkten auf den Kopf zu stellen. In den Genuss der veganen Milchprodukte von UNMILK kommt man beispielsweise bereits beim Besuch eines Starbucks Coffee Houses, oder beim nächsten Einkauf in einer ROSSMANN-Filiale.

Im Sortiment von UNMILK findet sich eine Vielzahl von Geschmacksrichtungen, darunter Hafer-Drinks in den Sorten Barista und Hanf, sowie Proteindrink-Produkte in den Sorten Vanille, Schoko und Caffè. Eine ähnliche Produktauswahl wie das Hamburger Erfolgsstartup bietet das Berliner Unternehmen vly foods, To-Go Drinks, High-Protein Varianten, und mehr anbietet. Im Gegensatz zu UNMILK, deren Produkte hauptsächlich aus Hafer hergestellt werden, legt vly foods einen klaren Fokus auf Erbsenprotein.

In den Kategorien, die sich am häufigsten auf dem veganen Markt finden lassen, gehören in der Regel Ersatzprodukte für Fleisch, Milch, Käse, und mittlerweile auch Fisch. Im Rahmen der wachsenden veganen Ernährungsbewegung ist es jedoch essenziell einen flächendeckenden Zugang zu veganen Lebensmitteln zu schaffen.

Das Perfeggt Gründer-Trio (v.l.n.r.): Bernd Becker, Gary Lin, Tanja Bogumil © Perfeggt / Patrycia Lukaszewicz

Das Berliner Foodtech-Unternehmen Perfeggt

Ein Produkt, das bisher nur schwer als vegane Variante im deutschen Supermarkt zu finden ist, ist das Ei. Im Vergleich zu der rasant wachsenden Anzahl veganer Lebensmittel in anderen Kategorien, ist der Anteil an Eiersatzprodukten am Markt relativ gering. Eine Reihe deutscher Anbieter, Supermärkte und Discounter, arbeiten bereits an der Aufnahme eines veganen Eiersatzes in ihr Portfolio, während als das wohl erfolgreichste deutsche Eiersatz-Startup das Berliner Foodtech-Unternehmen Perfeggt zu nennen ist.

Laut Daten der BCG soll das Volumen des pflanzlichen Ei-Ersatzes ganze acht Millionen Tonnen im Jahr 2035 erreichen, und übertrumpft damit sogar die Prognosen für pflanzlichen Käse (drei Millionen Tonnen) oder Rindfleisch-Ersatz (sechs Millionen Tonnen).

© Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG

Supermärkte etablieren vegane Ersatzprodukte

Die wachsende Anzahl veganer Ersatzprodukte im Supermarkt trägt dazu bei, dass pflanzliche Alternativen sich zu langfristigen Optionen für viele Verbraucher entwickeln. Längst beschränkt sich der vegane Trend nicht mehr auf den lokalen Wochenmarkt, den Online-Shop kleiner Manufakturen, oder Bio-Läden in einer besonders vegan-freundlichen Region.

Vegane Artikel sind mittlerweile fester Teil des Sortiments großer deutscher Supermarktketten- und Discounter.

Mit der Marketingkampagne zur Eigenmarke “Vemondo” inspiriert Lidl ab 6. September in Print, Online, TV und Radio zum Ausprobieren von veganen Alternativprodukten und wird dabei von Schauspieler Ralf Moeller und Star-Koch Timo Franke unterstützt © LIDL

Vermarktung veganer Produkte

Treiber der veganen Ernährung sind die Verbraucher der nächsten Generation, vorallem junge Menschen, die zu den sogennanten Millennials und der Generation Z gehören. Während ältere Konsumenten veganen Produkten häufiger kritisch gegenüber stehen, ist der Trend für vegane Alternativen unter jungen Erwachsenen und Jugendlichen stark verbreitet.

Aufgrund der vergleichsweise jungen Zielgruppe ist die Präsenz für vegane Unternehmen auf Social-Media Platformen wie Facebook, Instagram, oder TikTok, für die Vermarktung der Produkte essenziell.

Neben der Online-Präsenz der Unternehmen ist auch die Kooperation mit bekannten Influencern ein effektives Werbemittel, zu ihnen zählen Schauspieler*innen, Sänger*innen und weitere Online-Persönlichkeiten.

Im Mai 2022 gab beispielsweise die brasilianische Firma Future Farm (auch bekannt als Fazenda Futuro) eine Kooperation mit der brasilianischen Popsängerin und Influencerin Anitta bekannt. Ziel der Zusammenarbeit ist es das Bewusstsein der Menschen für pflanzliche Lebensmittel zu störken und den Zugang zu ihnen zu verbessern.

Doch nicht nur in anderen Ländern nutzen Anbieter Influencer-Marketing um Kunden von einer veganen Ernährungsweise zu überzeugen. Im Februar 2021 gab beispielsweise der deutsche Lebensmittel-Gigant ALDI Süd bekannt, dass er mit der veganen Online-Persönlichkeit Philipp Steuer ihr Influencer-Marketing weiter ausbauen wird. Im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft unterstützt der Influencer in den sozialen Medien ALDI SÜD Kunden bei einer veganen Lebensweise.

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